Alfred hat geschrieben:nur mal als Frage.
Wenn es wichtig ist, wie sehen denn die Vernehmungszeiten in der BRD aus ?
Nur mal eine Gegenfrage.
Gab es in der BRD U-Haftanstalten, wo es mehr Vernehmerzimmer als Zellen gab....????
groetjes
Mara
Alfred hat geschrieben:nur mal als Frage.
Wenn es wichtig ist, wie sehen denn die Vernehmungszeiten in der BRD aus ?


Merkur hat geschrieben:karnak hat geschrieben:Ich bin nun keiner,der sich mit der Arbeit der Abt.IX exakt auskennt.
Das habe ich Deinen Zeilen entnommen, denn sonst hättest Du die Dinge sicher anders betrachtet.
Deine selbstkritische Einschätzung ist völlig okay, wenn Du hinsichtlich Deiner damaligen Tätigkeit zu einer solchen Erkenntnis gekommen bist. Vielleicht stellst Du Deinen konkreten Arbeitsgegenstand aus heutiger Sicht in Frage und hast aus Deinem Blickwinkel eine andere Sicht auf den Gesamtkomplex MfS. Andere sehen das halt anders und sind auch heute noch der Meinung, mit ihrer Arbeit den Menschen gedient zu haben. Daher muss jeder selbst wissen, wie er zum Thema steht. Ich zumnindest habe die Erkenntnis gewonnen, dass es kein so oder so gibt. Dafür war das Ministerium mit seinen Aufgaben viel zu komplex.
Merkur hat geschrieben:karnak hat geschrieben:Ich bin nun keiner,der sich mit der Arbeit der Abt.IX exakt auskennt.
Das habe ich Deinen Zeilen entnommen, denn sonst hättest Du die Dinge sicher anders betrachtet.
Deine selbstkritische Einschätzung ist völlig okay, wenn Du hinsichtlich Deiner damaligen Tätigkeit zu einer solchen Erkenntnis gekommen bist. Vielleicht stellst Du Deinen konkreten Arbeitsgegenstand aus heutiger Sicht in Frage und hast aus Deinem Blickwinkel eine andere Sicht auf den Gesamtkomplex MfS. Andere sehen das halt anders und sind auch heute noch der Meinung, mit ihrer Arbeit den Menschen gedient zu haben. Daher muss jeder selbst wissen, wie er zum Thema steht. Ich zumnindest habe die Erkenntnis gewonnen, dass es kein so oder so gibt. Dafür war das Ministerium mit seinen Aufgaben viel zu komplex.


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karnak hat geschrieben:Wir müssen als Ehemalige einfach mal öffentlich sagen,daß wir an riesen Fehler maßgeblich beteiligt waren,Kritiker an nicht zu bestreitenden Mißständen einfach zu Feinen des Soz.abgestempelt und entsprechend verfolgt haben.Denn das ist auch eine Tatsache die nicht zu bestreiten ist ohne das wir uns lächerlich machen.
Karnak
Merkur hat geschrieben: Ich zumnindest habe die Erkenntnis gewonnen, dass es kein so oder so gibt. Dafür war das Ministerium mit seinen Aufgaben viel zu komplex.
karnak hat geschrieben:Ansonsten,was die Aussagen von Großmann und Wolf zu der Rolle des Mfs und der negativen Seiten dabei angeht,also alles was ich dazu kenne,da haben sich beide doch eher"diplomatisch"zurückgehalten.
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SCORN hat geschrieben:
sowohl wolf als auch großmann haben klipp und klar gesagt dass es einer der größten fehler war; menschen welche berechtigte kritik an den herrschenden zuständen in politik und wirtschaft übten, zu feinden zu stempeln.
(...)Der Chef, das war Werner Großmann. Ein bulliger Mann mit einem festen Händedruck, letzter Dienstgrad: Generaloberst. Sein letzter Beruf: Leiter der Hauptverwaltung Aufklärung, vulgo der letzte Chef der DDR-Auslandsspionage. Er wohnt in einer kleinen Neubausiedlung in Berlin-Hohenschönhausen, außerhalb des früheren Sperrbezirks. Ihm missfällt, wenn er ohne Vorankündigung zu Hause von Journalisten besucht wird, die mit ihm reden wollen. So hat das die Staatssicherheit früher zwar auch gemacht, aber heute sei das nicht mehr in Ordnung. Dennoch schließt Großmann die Türe nicht, er ist neugierig. Und verabredet sich zum Interview am folgenden Tag.
Seine blauen Augen funkeln. Werner Großmann ist schwer krank. Kommende Woche wird er wieder am Herzen operiert, sagt er, einen Bypass hat er schon. Er geht sehr langsam, aber sein Verstand ist hellwach. Seit die DDR sich sang- und klanglos aus der Weltgeschichte verabschiedet hat, leidet Großmann an einem gebrochenen Herzen.
Der General rührt in seinem Kaffee und philosophiert. „Ich vermisse die DDR“, sagt er und wirft einen Blick durchs Fenster auf die grauen Plattenbauten von Hohenschönhausen, „das war meine Heimat.“ Nun ist er Bürger der Bundesrepublik Deutschland, hat einen westdeutschen Pass, darf reisen und sagen, was er will. „Notgedrungen!“, stößt er hervor. Glücklich ist Großmann nicht über so viel Freiheit, im Gegenteil. Er ist wütend. Auf Leute wie Günter Bohnsack („Dieser Lump!“), die jetzt davon profitieren, dass sie Geheimnisse verraten. Auf die letzte Regierung der DDR, weil die das Land gegen die Wand gefahren hat. Auf den früheren sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow, „weil der unser Landverkauft hat“.
Werner Großmann redet ohne Pathos über die Zeit der Wende. Wenn ihm die Worte auszugehen drohen, wenn starke Emotionen hochkommen, verfällt er in ein neutrales Amtsdeutsch, nippt wieder an seinem Kaffee, erzählt weiter. „Als uns klar wurde, dass eine Situation kommen könnte, wo es die DDR nicht mehr geben könnte“, sagt er, „haben wir begonnen mit der Minimierung von Aktenbeständen.“
Diese „Minimierung“ sollte in die Geschichte eingehen als eine der größten Aktenvernichtungsaktionen aller Zeiten. Seit Oktober 1989 liefen Reißwölfe im Ministerium für Staatssicherheit, schredderten persönliche Akten, Lageeinschätzungen, Adresslisten. „Wir haben sogar die Bürgerrechtler dazu gebracht, dafür zu sein. Wir haben ihnen einfach gesagt, dass wir unsere Kundschafter im Westen doch schützen müssen“, sagt Großmann, „und das haben die geglaubt!“ Er lacht höhnisch und fügt dann hinzu: „Die haben zu spät gemerkt, dass wir sie belogen haben.“
Im Gespräch mit Werner Großmann fallen die bemerkenswertesten Sätze nur nebenbei. Wenn er erzählt, dass er lange nach der Wende wieder Kontakt aufgenommen hatte zu seinem westdeutschen Amtskollegen, dem Leiter des Bundesnachrichtendienstes, der ihm klarmachte, dass er keinen Kontakt mehr pflegen dürfe (obwohl er gerne würde). Wenn Großmann durchblicken lässt, dass er sich vor diesem Interview von seinen früheren Untergebenen informieren ließ über die Journalisten, die unangekündigt vor seiner Türe standen. Oder wenn er über die Netzwerke redet, die ihn und die früheren Mitarbeiter noch immer verbinden. „Wir sprechen uns noch immer Trost zu“, sagt er dann, „ich bin ja stolz auf das, was wir damals erreicht haben. Wir haben einen Beitrag zur Erhaltung des Friedens geleistet, das ist Fakt!“
In den rosaroten Erinnerungen des Generals gibt es keine politischen Gefangenen, keine Todesschüsse an der Berliner Mauer, keine flächendeckende Überwachung eines ganzen Volkes. Die DDR, an die sich Großmann erinnert, war ein Staat des Friedens, des Wohlstands und der sozialen Gerechtigkeit.
Eine Stunde ist vergangen, Werner Großmann bestellt sich einen weiteren Kaffee. Gehen will er noch nicht. Etwas möchte er noch sagen. „Wir werden nicht mehr lange leben“, rückt er heraus, „irgendetwas müssen wir der Nachwelt doch hinterlassen.“ Was könnte er der Nachwelt denn hinterlassen? „Ich glaube, dass es bald passiert“, sagt er. Was? „Dass die Gesellschaft sich verändert.“ Und dann? „Dann wird es wieder ein Ministerium für Staatssicherheit geben“, sagt Großmann, „das wird eben anders heißen. Vorläufig hat der Kapitalismus vielleicht gewonnen. Aber der Sozialismus kommt wieder.“(...)
http://www.datum.at/artikel/ostalgiker/
[/quote]Sirius hat geschrieben:
Scorn, hat er das? Das hört sich hier aber anders an:
SCORN hat geschrieben:ja, hat er! das von dir rot hervorgehobene ist die subjektive einschätzung eines gespräches mit großmann!
Ein großes Problem, sagt Schmidt, sei die »latente Intelligenzfeindlichkeit« in der Stasi und der SED gewesen. »Die war ein Sargnagel der DDR: Leute, die intelligent sind, müssen sich doch auch mal äußern dürfen.« Die SED hätte sich die Anliegen der Oppositionellen anhören sollen, anstatt sie »uns zu übertragen«. Nur wenn das Gespräch auf die Opfer der Stasi kommt, zögert er kurz und sagt leise: »Ob die Geschichten immer so stimmen.« Das ist der Punkt, an dem alle Gespräche mit den Stasi-Offizieren enden: Sie lassen Kritik zu, Wiegand weniger, Wötzel mehr. Doch alle sind sie seltsam immun gegen das Schicksal der Opfer.
Der englische Historiker Timothy Garton Ash, der Mitte der Neunziger ehemalige Stasi-Offiziere besuchte, nennt das »Salami-Taktik des Verleugnens«: Jeder beharre aber darauf, dass er sich in seinem Zuständigkeitsbereich nichts zuschulden kommen ließ. Aber es ist mehr als das: In den Offizieren ist eine tiefe Überzeugung vom Kommunismus verankert; ein fast schon religiöser Glaube an ein System, das wichtiger ist als jedes Einzelschicksal. »Mein Verhältnis zur DDR ist wie das von Eltern zu ihren Kindern«, sagt Schmidt. »Auch wenn sie sich anders entwickeln, als man es sich vorstellt, verstößt man sie nicht.« Deshalb engagieren sich die Männer immer noch für die Stasi – obwohl einem im vereinigten Deutschland kaum etwas mehr Nachteile bringt.
http://www.zeit.de/2006/30/Stasi
Janko hat geschrieben:
Wo war dieser als langjähriger Angehöriger des Kollegiums ? Warum nutzte er nicht seine intellektuelle Überlegenheit um Veränderungen herbeizuführen ?
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SCORN hat geschrieben:karnak hat geschrieben:Ansonsten,was die Aussagen von Großmann und Wolf zu der Rolle des Mfs und der negativen Seiten dabei angeht,also alles was ich dazu kenne,da haben sich beide doch eher"diplomatisch"zurückgehalten.
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sowohl wolf als auch großmann haben klipp und klar gesagt dass es einer der größten fehler war; menschen welche berechtigte kritik an den herrschenden zuständen in politik und wirtschaft übten, zu feinden zu stempeln.
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Volker Zottmann hat geschrieben:Na Huf, Du stellst ja Fragen.
Wir haben doch alle im Fernsehen 1989 Mielkes letzte Stammelrede erleben müssen.
Der alte Sack ist Schuld! Der hat schlicht vergessen, die ganzen Beobachtungen und Meldungen weiter zu leiten.
Nehmt den, der kann sich nicht mehr wehren...
Gruß Volker
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andr 88-1 hat geschrieben:Hi Merkur, um auf das Referat 5 zurückzukommen, wie sah die Personaldichte in den BV durchschnittlich aus?
Merkur hat geschrieben:andr 88-1 hat geschrieben:Hi Merkur, um auf das Referat 5 zurückzukommen, wie sah die Personaldichte in den BV durchschnittlich aus?
I. d. R. war die SK wie folgt gegliedert:
- Leiter der SK
- Stellvertreter des Leiters der SK
- Untersuchungsführer für Terror- und Morduntersuchung
- Untersuchungsführer für Diversions- und Branduntersuchung
- Sachverständiger für Branduntersuchung
- zwei Mitarbeiter KT
- Vernehmer
- Kraftfahrer
- Sekretärin
andr 88-1 hat geschrieben:Merkur hat geschrieben:andr 88-1 hat geschrieben:Hi Merkur, um auf das Referat 5 zurückzukommen, wie sah die Personaldichte in den BV durchschnittlich aus?
I. d. R. war die SK wie folgt gegliedert:
- Leiter der SK
- Stellvertreter des Leiters der SK
- Untersuchungsführer für Terror- und Morduntersuchung
- Untersuchungsführer für Diversions- und Branduntersuchung
- Sachverständiger für Branduntersuchung
- zwei Mitarbeiter KT
- Vernehmer
- Kraftfahrer
- Sekretärin
Danke Merkur, eine Frage bleibt in Bezug auf Terror, Anschlag usw. Hatte die XI/5 nicht auch einen Sprengtechniker? Mir ist noch bekannt, dass alles was damals mit T34 in Schwerin/Schelfwerder passierte, dieser mit einbezogen worden ist.
Grüße Andreas
andr 88-1 hat geschrieben: Danke Merkur, eine Frage bleibt in Bezug auf Terror, Anschlag usw. Hatte die IX/5 nicht auch einen Sprengtechniker? Mir ist noch bekannt, dass alles was damals mit T34 in Schwerin/Schelfwerder passierte, dieser mit einbezogen worden ist.
Grüße Andreas
andr 88-1 hat geschrieben:Sehr informativ @Merkur, wobei jetzt der Begriff "Untersuchungsführer und Vernehmer" auch für den letzten User erklärt sein müsste.
AK
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