
Die Eltern gleiten erstaunlich geschmeidig hinüber in die neue Zeit. Sie haben im Gegensatz zu ihren Kindern Geld und gute Verbindungen. Der Vater wird Therapeut in der geschlossenen Psychiatrie. Thorsten Richter selbst kommt deutlich schlechter zurecht. Das Problem ist nicht so sehr, dass er bis heute jedem Arbeitgeber ehrlich sagt, dass er drei Jahre lang bei der Stasi war. Das Problem ist eher, dass er, der als Jugendlicher niemals gegen Staat und Familie aufgemuckt hat, sich im wiedervereinigten Deutschland nicht mehr länger anpassen kann oder will. Erst kürzlich versuchte er, eine Umschulung zum Erzieher zu machen, aber das funktionierte nicht recht. Er hielt die Zustände im Kindergarten einfach nicht aus. Dort, erzählt er, sollten die Kleinen einfach nur funktionieren und zum Gehorsam gezwungen werden, und dagegen habe er sich gewehrt. Die Kollegen erwiderten: „Du schleppst dauernd deine Vergangenheit mir dir rum, das hält ja kein Mensch aus!“
Thorsten Richter und seine Ehefrau engagieren sich in den Jahren nach der Wiedervereinigung in der Umweltbewegung. Sie stehen an einem Stand von Greenpeace auf dem Marktplatz ihrer Heimatstadt, als der Vater eines Tages mit dem Auto vorfährt. „Da seid ihr ja bei einer verfassungsfeindlichen Organisation“, sagt er. „Welche Verfassung meinst du? Redest du von der DDR?“, fragt Thorsten zurück. Sobald er versucht, über die Vergangenheit zu sprechen, machen die Eltern zu. Bis heute sagt die Mutter: „Darüber rede ich nicht.“
Mitte der 1990er-Jahre finden Thorsten und Miriam Richter allmählich die Kraft, sich mit ihrer Herkunft zu beschäftigen. Sie schauen Dokumentationen, lernen Opfer kennen, sind entsetzt, wie grausam die Stasi mit ihren Gefangenen umging. „Das glaubt mir ja keiner, aber ich habe das alles nicht gewusst“, sagt Thorsten Richter. „Wir waren Teil einer menschenverachtenden Maschinerie“, sagt Miriam Richter. „Das geht unser Leben lang nicht weg.“ Ob sie selber anderen Menschen geschadet haben, wissen sie nicht. Aber ausschließen, sagt Thorsten Richter, könne er das natürlich nicht.
Seit er das Buch von Ruth Hoffmann über die Stasi- Kinder in die Finger bekommen hat, geht er ab und zu in eine Selbsthilfegruppe in Berlin und lernt dort andere Menschen kennen, denen es ähnlich ergangen ist. „Wir sind die Generation, die durch eine klare Konditionierung jede Kritikfähigkeit verloren hat. Durch den Wendeprozess, durch den Bruch, sind wir aufgewacht“, sagt Thorsten Richter. Noch immer leiden viele von ihnen unter der Erziehung ihrer linientreuen und strengen Eltern. Sie berichten von Schlägen und dem Zwang zum Gehorsam, von Einsamkeit, mangelnder Liebe und Indoktrination. Als Nächstes will Thorsten Richter seine Akte von der Stasi-Unterlagenbehörde anfordern. Es wird noch ein oder zwei Jahre dauern, bis er sie lesen kann, aber er ist sicher, dass ihn das weiterbringen wird. Er hofft, dass darin nicht nur etwas über ihn selbst, sondern auch über seine schweigende Familie steht.
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karnak hat geschrieben:Nach 30 Jahren ist das in Wahrheit gar kein wirkliches Thema mehr, zumindest nicht für die große Mehrheit. Es bleibt vielleicht noch die Neugier auf die eventuelle eigene Akte von der die meisten enttäuscht sein werden, aber zu was soll man sich denn in der Familie aussprechen, dass ist überhaupt kein Bedürfnis was flächendeckend im Rahmen einer Familie zum Zwecke deren funktionierens oder eben nicht funktionierens eine wirkliche Rolle spielt.

augenzeuge hat geschrieben:karnak hat geschrieben:Nach 30 Jahren ist das in Wahrheit gar kein wirkliches Thema mehr, zumindest nicht für die große Mehrheit. Es bleibt vielleicht noch die Neugier auf die eventuelle eigene Akte von der die meisten enttäuscht sein werden, aber zu was soll man sich denn in der Familie aussprechen, dass ist überhaupt kein Bedürfnis was flächendeckend im Rahmen einer Familie zum Zwecke deren funktionierens oder eben nicht funktionierens eine wirkliche Rolle spielt.
Du weißt schon, dass jedes Kind die Akten der MfS Eltern anfordern kann, wenn sie verstorben sind? Da kannst du nix gegen tun.![]()
AZ
pentium hat geschrieben:augenzeuge hat geschrieben:karnak hat geschrieben:Nach 30 Jahren ist das in Wahrheit gar kein wirkliches Thema mehr, zumindest nicht für die große Mehrheit. Es bleibt vielleicht noch die Neugier auf die eventuelle eigene Akte von der die meisten enttäuscht sein werden, aber zu was soll man sich denn in der Familie aussprechen, dass ist überhaupt kein Bedürfnis was flächendeckend im Rahmen einer Familie zum Zwecke deren funktionierens oder eben nicht funktionierens eine wirkliche Rolle spielt.
Du weißt schon, dass jedes Kind die Akten der MfS Eltern anfordern kann, wenn sie verstorben sind? Da kannst du nix gegen tun.![]()
AZ
Müssen diese Kinder dann bezahlen, wenn sie die "Täterakten" anfordern?

augenzeuge hat geschrieben:
Müssen diese Kinder dann bezahlen, wenn sie die "Täterakten" anfordern?
Es sind die normalen geringen Gebühren, siehe homepage. Sie müssen allerdings schildern, warum es für sie wichtig ist, muss begründet werden.
Aber das kann jeder hinbekommen.
AZ
augenzeuge hat geschrieben:
Du weißt schon, dass jedes Kind die Akten der MfS Eltern anfordern kann, wenn sie verstorben sind? Da kannst du nix gegen tun.
AZ
Die Flöten in dem Amt haben übersehen, dass der Vornamen meiner Frau und ihrer Mutter mit H beginnt. Die M hat wohl 1978 mal einen Brief meiner Schwiegermutter geöffnet weil sie ein paar Sonderbriefmarken, und auch noch zum SED Parteitag
, in den Westen geschickt hat. Meiner Frau hätte man das ja gar nicht zugänglich machen dürfen, aber nun ist es passiert und die Katze aus dem Sack, mehr war aber nicht , habe ich wieder Schwein gehabt. ![Mannoman [flash]](./images/smilies/flash.gif)
Von mir aus könnte sie das jetzt schon machen,

![Hallo [hallo]](./images/smilies/hallo.gif)
karnak hat geschrieben:Aber von mir findet sowieso niemand was
karnak » 29. Sep 2019, 18:52
Nach 30 Jahren ist das in Wahrheit gar kein wirkliches Thema mehr, zumindest nicht für die große Mehrheit.
Es spielt überhaupt keine Rolle, was Vater oder Mutter für eine Tätigkeit ausgeübt haben. Die Kinder werden deshalb nicht schlechter erzogen als die Kinder jedes anderen Bürgers. Und die Eltern sind keine schlechten Eltern, weil sie in irgend einem Apparat der Sicherheit arbeiten. Das ist doch Bullshit.
Der vom sich "Interessierter" Nennenden Kerl, scheint echt ein anderes psychologisches Problem zu haben und ist entweder ein weinerliches Weichei oder sollte mal einen Psychiater aufsuchen.
augenzeuge hat geschrieben:karnak hat geschrieben:Nach 30 Jahren ist das in Wahrheit gar kein wirkliches Thema mehr, zumindest nicht für die große Mehrheit. Es bleibt vielleicht noch die Neugier auf die eventuelle eigene Akte von der die meisten enttäuscht sein werden, aber zu was soll man sich denn in der Familie aussprechen, dass ist überhaupt kein Bedürfnis was flächendeckend im Rahmen einer Familie zum Zwecke deren funktionierens oder eben nicht funktionierens eine wirkliche Rolle spielt.
Du weißt schon, dass jedes Kind die Akten der MfS Eltern anfordern kann, wenn sie verstorben sind? Da kannst du nix gegen tun.![]()
AZ
Der vom sich "Interessierter" Nennenden Kerl, scheint echt ein anderes psychologisches Problem zu haben und ist entweder ein weinerliches Weichei oder sollte mal einen Psychiater aufsuchen.
Interessierter hat geschrieben:Zitat Beethoven:Es spielt überhaupt keine Rolle, was Vater oder Mutter für eine Tätigkeit ausgeübt haben. Die Kinder werden deshalb nicht schlechter erzogen als die Kinder jedes anderen Bürgers. Und die Eltern sind keine schlechten Eltern, weil sie in irgend einem Apparat der Sicherheit arbeiten. Das ist doch Bullshit.
Der vom sich "Interessierter" Nennenden Kerl, scheint echt ein anderes psychologisches Problem zu haben und ist entweder ein weinerliches Weichei oder sollte mal einen Psychiater aufsuchen.
Das hat doch niemand behauptet! Was deinen letzten Absatz angeht, so sage ich auch dir: " Es gibt Personen die können mich nicht beleidigen "!
Wie wäre es denn wenn du einmal schreibst, wie du deinem Nachwuchs später erklärt hast, warum du freiwillig so einer menschenverachtenden Diktatur gedient hast, die permanent Menschrechte mißachtete und Verbrechen an der Grenze und durch die Stasi beging?
Interessierter hat geschrieben:]
Wie wäre es denn wenn du einmal schreibst, wie du deinem Nachwuchs später erklärt hast, warum du freiwillig so einer menschenverachtenden Diktatur gedient hast, die permanent Menschrechte mißachtete und Verbrechen an der Grenze und durch die Stasi beging?
Also mich darfst Du gerne für ein arrogantes A... Loch halten, aber ich rechtfertige mich nicht vor meinem Kind ob meines geführten Lebens und dessen was ich dort getan habe, dass habe ich gar nicht nötig. Davon mal abgesehen, dass meine Tochter nicht auf so eine Idee käme, würde sie es tun, ich würde sie fragen ob sie eine Meise hat, soll erstmal dorthin kacken wo ich es schon getan habe. Ich kann ihr gerne ein paar Dinge erklären und dann darf sie dazu eine Meinung und Haltung haben, dass war es aber dann auch schon, eine Rechtfertigung von mir zu verlangen steht ihr einfach nicht zu, so ist meine Haltung zu dem Thema. Ich halte auch solche Forderungen für aufgeblasenes Getue von pseudointelkektuellen Wichtigtuern die von den Dingen wenig verstehen.
, der Gesellschaft über deren zuständiger Justiz sollte die das Einfordern, dass wäre dann schon der Personenkreis dem ich eine Legitimation dafür zugestehe. ![Hallo [hallo]](./images/smilies/hallo.gif)
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Was sollen denn das für Akten sein Augenzeuge?

Das MfS als Institution ist in diesem zwischenmenschlichen Zusammenhang völlig unwichtig. ![Hallo [hallo]](./images/smilies/hallo.gif)

augenzeuge hat geschrieben:
Was sollen denn das für Akten sein Augenzeuge?
Nostalgiker, du hast wirklich wenig Wissen von diesem Sachverhalt. Oder du gibst das vor. Egal. Glaubst du, alle hatten ne OPV? Natürlich nicht. Die Masse derer, die ihre Akten gelesen haben, hatten diese nicht. Dennoch wurde viel dokumentiert.
Mir ging es vorrangig darum, dass Kinder zu verstorbenen Angehörigen 1.Grades Akteneinsicht beantragen können. Ob diese beim MfS waren, ist nebensächlich.
Und das MfS war grundsätzlich mißtrauisch. Es gibt einige Einträge zu eigenen Mitarbeitern. Auf verschiedenen Ebenen. So wie man über mich an verschiedenen Standorten Material gesammelt hat. Lange vor dem Stellen des Antrages. Das MfS hat die Verbindungen eigener Leute regelmäßig überprüft. So wie das zu erwarten ist.
AZ
augenzeuge hat geschrieben:Man fühlt sich besser, wenn man sein früheres Verhalten dem Kind erklären kann als wenn man es verschweigt .![]()
AZ
augenzeuge hat geschrieben:Man fühlt sich besser, wenn man sein früheres Verhalten dem Kind erklären kann als wenn man es verschweigt .![]()
AZ
Ich verschweige heute niemanden auf diesem Planeten etwas zu meinem damaligen Verhalten und Tun, jeder kann alles erfahren wenn er danach fragt. Aber ich rechtfertige mich dafür nicht, außer vor den von mir benannten Institutionen. Und schon gar nicht vor jemanden dem ich beigebracht habe, dass es irgendwie angenehmer ist nicht in die Windel zu drücken und wie man nicht vom Fahrrad fällt. ![Mannoman [flash]](./images/smilies/flash.gif)
karnak hat geschrieben: Aber ich rechtfertige mich dafür nicht, außer vor den von mir benannten Institutionen. Und schon gar nicht vor jemanden dem ich beigebracht habe, dass es irgendwie angenehmer ist nicht in die Windel zu drücken und wie man nicht vom Fahrrad fällt.

Unter anderem ist meine Tochter deswegen im deutschen Beamtentum gelandet, hat nicht 8 Semester tibetanischen Gebetstanz studiert, lässt sich nicht von einem Schamanen behandeln, zieht 2 neue Bundesbürger auf die alle Chancen haben mal nützliche Mitglieder der Gesellschaft zu werden die die wohlwollend unterstützen können die sich erstmal ausprobieren wollen und für 2 Jahre ins Selbstfindungscamp nach Indien reisen um dem Kapitalismus wenigstens eine Weile aus dem Weg zu gehen und für sich deswegen proklamieren man war schließlich auch mal im Widerstand
![Hallo [hallo]](./images/smilies/hallo.gif)
augenzeuge hat geschrieben:Man fühlt sich besser, wenn man sein früheres Verhalten dem Kind erklären kann als wenn man es verschweigt .![]()
AZ
HPA hat geschrieben:Der vom sich "Interessierter" Nennenden Kerl, scheint echt ein anderes psychologisches Problem zu haben und ist entweder ein weinerliches Weichei oder sollte mal einen Psychiater aufsuchen.
Interessant. Du verfügst über entsprechende fachliche Fähigkeiten, dieses feststellen zu können? Sprich ,über eine entsprechende fachärztliche Ausbildung?? Spannend ja auch, dies feststellen zu wollen ohne denjenigen je persönlich gesehen zu haben. Das trauen sich übrigens noch nicht mal Koryphäen auf diesem Gebiet zu!
Oder ist das einmal mal mehr einer Deiner üblichen peinlichen Versuche, einen Diskussionsgegener zu diskreditieren?
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