von karnak » 18. Juni 2012, 13:26
Da in dem Forum immer wieder mal die Kampfgruppe der Arbeiterklasse eine Rolle spielt.Und alle die nichts, oder nicht viel davon wissen verschreckt die Hand vor den Mund halten,ob dieser"Eliteinheit" die gegen den inneren Widerstand innerhalb der DDR vorgehen sollte,muß ich doch mal was zu schreiben.Es ist ja nun so,daß in jedem Fall jeder die Kampfgruppe kennt von den Propagandabildern anlässlich des 13. Augustes.Wobei man sich auch wirklich bewußt sein sollte,daß es NUR Propagandebilder waren.
Ich berichte hier wieder mal aus persönlich Erlebten.Es kann also sein,daß es diese"Eliteeiheiten"der Kampfgruppe wirklich mal gab,zweifele das aber sehr an,da ich die vielen "Albernheiten"im realen Leben der DDR zur Genüge kenne.
Also ich kenne 2 Menschen die mal Mitglied der Kampfgruppe waren,meinen Vater und man soll es nicht glauben, mich.Bevor ich die beiden Geschichten erzähle,erstmal eines,dieser ganze Kampfgruppenquatsch ist in der DDR mehr und mehr zur Farce verkommen,wenn es den jemals anders war,aber das weis ich nicht.
Also erstmal zu meinem Vater.Meine Mutter war APO-Sekretär der LPG "Neuland"in Limbach-Oberfrohna und bekam eines Tages die Auflage Männer zur Mitgliedschaft bei den Kampfgruppen zu werben.Da Sie sich wahrscheinlich wenig Hoffnung gemacht hatte,jemanden zu finden hatte Sie sich wohl entschlossen Ihren Mann zuwerben.Was Ihr dann auch gelungen ist.
Jedenfalls war mein Vater nun AUCH noch jahrelang Mitglied der Kampfgruppe.Er hat noch jahrelang nach der Wende eine von den Mützen getragen,sicher auch weil so ein Ding für ein Leben auf einem Bauerhof recht bequem war.
Jedenfalls hat mir mein Vater viel von den Einsatzübungen dieser,militärisch betrachtet,lächerlichen Truppe berichtet.Es war nichts weiter als ein Verein älterer Männer,sicher mit einer gewissen politischen Überzeugung,die ein bisschen in den umliegenden Wäldern rumgerannt sind und ein bisschen Krieg gespielt haben und auch mal mit ein paar alten ausgeleierten Flinten etwas in der Gegend rumgeknallt haben.Eine große Rolle spielten dabei die Pausen,mit Gulaschkanone,nein,nichtmal die hatten sie,das Essen kam aus der Betriebsküche.Aber halt schön zünftig,Erbseneintopf mit Bockwurst,militärisch eben.Dann wurde schön gequatscht,beim Verzehren der volkseigenen Nahrung,also alles was Männer,besonders ältere,so gerne machen.
Das hinter der Existenz dieser"paramilitärischen"Truppe ein anderer Hintergrund stand will ich gerne zugeben aber es ist lächerlich zu glauben,diese Truppe wäre auch nur im Entferntesten im Falle innerer Unruhen einsetzbar gewesen,zudem sie vorgesehen war.Ich zweifele auch schwer an,daß man das in entsprechenden Ebenen auch ernsthaft in Erwägung gezogen hat und wenn doch,und es stand in irgendwelchen Strategiepapieren,kann man das beruhigt unter dem Aspekt"Papier ist geduldig,abhaken.
Nun zu mir.Die Bezirksparteischule ,auf der ich war, hatte natürlich auch eine Kampfgruppeneinheit.Dort war es selbstverständlich,daß alle Studenten Mitglied dieser"Eliteeinheit"wurden.Soweit ich mich erinnere,auch die Frauen."Ausgemustert"wurden nur ein paar"Fußkranke".Gleich am Anfang fand eine"feierliche Vereidigung"statt,richtig schön mit Truppenfahne und Blaskapelle der VP,so wie das den Deutschen halt gefällt.Als Bewaffnug verfügten wir auch über ein paar augeleierte Kalaschnikows.
Ich kann mich erinnern,aus lauter Provokation,habe ich meinen "Kommandeur",es war unser Philosophielehrer,gefragt:Ich bin doch eigentlich schon vereidigt.Sagt der gute Mann nach kurzem Zögern:Egal,kann ja trotzdem nicht schaden.Also wurde ich "wiedermal"vereidigt.
Unsere"Ausbildung"bestand dann jedenfalls in dem "Versuch"auf dem Innenhof der Schule eine Kordonbildung hinzubekommen.So was in der Art haben wir regelmäßig geübt und ich kann Euch versichern,es endete meistens in einem militärischen Chaos.Sollte jemand nicht wissen was ein Kordon ist(keine Ahnung ob das so geschrieben wird),der ABV kann das sicher besser erklären.
Jedenfalls war die ganze Geschichte eine höchst Lächerliche.
Das nur für die,die sich die Kampfgruppe der Arbeiterklasse so vorstellen wie den Verein der Bin Laden ausgeknipst hat.
Und wie gesagt,daß sind WIEDER mal Erfahrungen,die ich so gemacht habe.Sollte es wo anders anders gewesen sein,o.k.
Als Letztes,auch hier stört mich,wie so oft,was dann im Nachgang für Geschichten über diesen Verein durch die Medien geistern und dann dem Volk so ein kalter Schauer des Entsetzens über den Rücken laufen soll.
Laie, Experte,Dilettant
(alle Fachrichtungen)