Vor 34 Jahren, am 24. August 1991, erklärte die Ukraine ihre Unabhängigkeit. Das heutige Territorium der Ukraine gehörte im Laufe der Geschichte zu mindestens 14 verschiedenen Staaten, darunter das Königreich Polen-Litauen, das Russische Reich, die Habsburgermonarchie und die Sowjetunion. Im Spannungsfeld zwischen Ost und West gelegen, hat es sich häufig gegen seine Nachbarn behaupten müssen. Im Verlauf der drei Teilungen Polen-Litauens (1772, 1793, 1795) wurde auch das restliche Territorium zwischen Russland und Österreich aufgeteilt. Während die ukrainische Sprache und Kultur im Zarenreich mehr und mehr einer massiven Russifizierung ausgesetzt war, konnte sie sich unter habsburgischer Herrschaft frei entfalten. Von dort, von den "Ruthenen", gingen im 19. Jahrhundert starke Impulse einer nationalen Wiedergeburt des ukrainischen Volkes aus.
https://www.onb.ac.at/mehr/blogs/die-uk ... bibliothekRussen wie Ukrainer führen ihre Staatlichkeit auf die Kiewer Rus' zurück - nicht nur deshalb eine unhistorische Mythenbildung, weil Nationalstaaten im Mittelalter unbekannt waren. Tatsächlich wurde das Kiewer Reich von skandinavischen Wikingern gegründet. Zudem war die Kiewer Rus', deren Ursprünge im 9. Jahrhundert lagen und die bis zum 13. Jahrhundert bestand, ein Vielvölkerreich und alles andere als ein zentralistischer Staat, sondern ein Verbund von Fürstentümern.
Der schloss nicht nur Kiew ein, sondern etwa auch Minsk, Nowgorod oder Smolensk - nicht aber das erst Jahrhunderte später expandierende Moskau. Auch die zeitliche Ungebrochenheit fehlt: Vor allem vom 14. bis zum 17. Jahrhundert gingen Ukrainer und Russen getrennte Wege und pflegten unterschiedliche Traditionen - die Russen erst unter den Mongolen, dann unter dem Moskauer Fürsten und schließlich Zaren, die Ukrainer etwa als Teil Polen-Litauens.
In den Wirren des Ersten Weltkriegs, mit dem "Brotfrieden" 1918, entstand der moderne ukrainische Staat. Als unabhängiges Land existierte er nur kurz, aber seine Grundpfeiler wirken bis in die Gegenwart.
Eine zersplitterte europäische Allianz kämpfte mit Russland um eine Ukraine, die aus dem Niedergang eines mächtigen Imperiums hervorgegangen ist.
Russland führte Friedensgespräche mit Europa, während prorussische Truppen eine Gegenregierung in der Ostukraine bildeten - Russland leugnete jede Unterstützung für diese Kämpfer.
So sehr dieses Szenario auch nach einer aktuellen Situationsbeschreibung klingt, schildert es zugleich Konflikte, die mehr als 100 Jahre zurückliegen. 1917 beanspruchte die gesamtukrainische Ratsversammlung, Zentralna Rada, als Revolutionsparlament die Macht über die ukrainische Volksrepublik. Ihren Kampf um Autonomie und Unabhängigkeit kämpfte sie zunächst gegen die provisorische Regierung in Russland und schließlich gegen deren Nachfolger, die Bolschewiken.
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