Volker Kutscher, Autor der Gereon-Rath-Krimis, dessen Folge Märzgefallene als Vorlage für die jüngste Staffel von Babylon Berlin diente, ist verärgert über den Umgang der Serienmacher mit den Fakten. Der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« sagte er: »Es ist ja nicht einmal erwiesen, ob es Hitlers Krankenakte wirklich gegeben hat. Und selbst wenn: Hätte man die Nazis stoppen können, wenn man sie veröffentlicht hätte? Wenn die Serie das mit solch erzählerischer Wucht behauptet und am Ende noch den Eindruck erweckt, genauso sei es gewesen, dann halte ich das für gefährlich.«
Ebenso kritisiert er, dass in Babylon Berlin suggeriert wird, die Nazis hätten am 27. Februar 1933 den Reichstag selbst angezündet: »Die Serie tut so, als wüsste sie, wie es wirklich gewesen ist. Das weiß aber niemand, auch mehr als 90 Jahre nach dem Ereignis nicht.«
Die im von den Nazis inszenierten Reichstagsbrandprozess festgestellte Alleintäterschaft des Anfang 1934 hingerichteten Niederländers van der Lubbe konnte zwar nie bewiesen werden. Allerdings will die ARD, auch mithilfe der Doku Babylon Berlin. Wie die Demokratie unterging im Anschluss an die letzte Folge der fünften Staffel ihre Zuschauer politisch aufklären. Doch wie passt der Anspruch der Doku, die mit aufwendig nachkolorierten historischen Bildern arbeitet, zum lockeren Umgang der Serie mit historischen Fakten?
Und ist die unterschwellige, aber deutliche Warnung vor heutigen Rechtspopulisten wirklich passgenau? Die fünfte Staffel von Babylon Berlin startete vier Tage nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt. Wer die – ansonsten gut gemachte – Doku reflektiert, wird nicht umhinkommen festzustellen, dass diese in Teilen rechtsextreme Partei trotz allem über keine »Sturmabteilung« (SA) verfügt und bisher keinen Anspruch auf ausländisches Territorium erhebt.
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