Fürst Igor und die Mörsergranaten
Der Krieg in der Ukraine ist von Politikern angezettelt worden, die in historische Mythen verliebt sind. Die Verbindungen des Konflikts ins Mittelalter sind aber wirklich frappierend.
Zitat:
Damit Sie sich zeitlich besser orientieren können, sage ich, dass es sich um das Hochmittelalter handelt, das zwölfte Jahrhundert. 1185 führte Igor den Feldzug einiger Fürsten der Rus gen Osten an, gegen die Polowzer. Das war ein turkstämmiges Steppen-Reitervolk, das ab und zu auf dem Wilden Feld östlich und südlich des Dnipro auftauchte. Igors Heerfahrt gegen die Polowzer ist eine große Unternehmung, eine Art „Drang nach Osten“ der Kiewer Rus, ihr aggressives kollektives Unterbewusstsein, das ein Ventil für seine Eroberungsambitionen suchte. Wobei es weniger um „Lebensraum“ als um „die schönen Polowzer-Frauen“ ging. Aber schließlich ist auch das keine außergewöhnliche Motivation: Die klassischen Kriege wurden vor allem um fremde Territorien und Frauen geführt.
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Die Heerfahrt Igors endete in einer Katastrophe – die vereinigten Kräfte der Polowzer schlugen ihn vernichtend am Fluss Kajala. Igor und einige weitere Fürsten gerieten in Gefangenschaft, aus der Igor etwas später angeblich fliehen konnte. Ein gesondertes Kapitel des Epos ist der „Klage der Jaroslawna“ gewidmet, der Gattin des Fürsten, die in der Burg ihrer Familie Putywl in Erwartung ihres gefangenen Mannes Tränen und Trauer verströmt.
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Was den wirklichen Ort der Schlacht angeht, besteht erhebliche Unsicherheit. Den Fluss Kajala werden Sie auf keiner Karte finden. Offensichtlich hat sich sein Name seit Igors Zeiten geändert, was zu einigen sich widersprechenden Versionen der Geschichte geführt hat. Die am weitesten verbreitete besagt, bei der Kajala müsse es sich um einen Zufluss des Siwerskyj Dinez handeln. Das Denkmal des Fürsten steht, wo es steht, da man davon ausging, dass der Fürst eben von jener Anhöhe beim heutigen Stanyzja Luhanska die feindlichen Stellungen angegriffen hat. Der monumentale Held galoppiert auf seinem Pferd und hält sein gezogenes Schwert hoch über dem Kopf. Das Denkmal wurde auf Initiative der regionalen Nomenklatura errichtet, also der ideellen und finanziellen Sponsoren der heutigen „Separatisten“ – daher auch seine komplette ästhetische Stümperhaftigkeit...]
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/f ... 72061.htmlmfg
pentium