War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Besondere Vorkommnisse in der Zeit des kalten Krieges

Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon augenzeuge » 17. Juni 2015, 18:07

pentium hat geschrieben: kam und war der RIAS dort überhaupt störungsfrei zu empfangen?
pentium


Da hat der Bahr gar nicht drüber nachgedacht..... [flash]

Bis die Ostberliner in den Rias kamen, war man ahnungslos. Begreife es endlich.
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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon pentium » 17. Juni 2015, 18:13

augenzeuge hat geschrieben:
pentium hat geschrieben: kam und war der RIAS dort überhaupt störungsfrei zu empfangen?
pentium


Da hat der Bahr gar nicht drüber nachgedacht..... [flash]

Bis die Ostberliner in den Rias kamen, war man ahnungslos. Begreife es endlich.
AZ


Ich habe es ja begriffen, AZ. Nur war man, wie in Johanngeorgenstadt, auch ohne den RIAS auf der Straße!

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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon pentium » 17. Juni 2015, 18:14

Kumpel hat geschrieben:Habe auch gerade im AF über das Thema gelesen. Dort wurde von einem User folgender Link eingestellt in dessen Inhalt mit angeblichen Unwahrheiten
bezüglich Betrachtung des 17.Juni aufgeräumt werden soll.

https://www.youtube.com/watch?v=yUtWsCnzn1k

Was ist drann??


Von diesem You Tube Konto stammt das Video. Ohne Kommentar!
https://www.youtube.com/user/AktenFaktenArgumente

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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon augenzeuge » 17. Juni 2015, 18:17

pentium hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:
pentium hat geschrieben: kam und war der RIAS dort überhaupt störungsfrei zu empfangen?
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Da hat der Bahr gar nicht drüber nachgedacht..... [flash]

Bis die Ostberliner in den Rias kamen, war man ahnungslos. Begreife es endlich.
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Sorry, ich meinte Edelknaben.... [grins]
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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon augenzeuge » 17. Juni 2015, 21:26

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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon bürger der ddr » 17. Juni 2015, 22:06

Das von "Kumpel" genannte Video finde ich sehr treffend und ich sehe das (wie im Video mit Fakten verdeutlicht) auch so.
bürger der ddr
 

Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon augenzeuge » 18. Juni 2015, 10:31

bürger der ddr hat geschrieben:Das von "Kumpel" genannte Video finde ich sehr treffend und ich sehe das (wie im Video mit Fakten verdeutlicht) auch so.


1. Das Video beinhaltet einige Fehler. Z.B. ist die rede von nur 274 Orten, wo man demonstrierte. Richtig sind 700!

2. Es wird behauptet, dass nur die Infos vom Rias zur Aufrechterhaltung des Aufstandes geführt haben und der Rias an allen Brennpunkten gehört wurde. Das ist ebenfalls nicht korrekt.
Er konnte nicht an allen Brennpunkten gehört werden.

3. Es ist fast lustig, wenn man liest, dass der Aufstand ohne russ. Truppen niedergeschlagen wurde. Auch ne Lüge. Vermutlich muss man annehmen, das die Panzer nur aus Langeweile auffuhren.
Es gibt weiterhin TV-Aufnahmen, die zeigen, dass die Demo in vollem Umfang lief, als die Panzer kamen.

Man muss sich die Frage stellen, warum man nicht die ganzen Jahre in der DDR so argumentiert hat, wie im Video. Warum musste das vertuscht werden, wenn es so gewesen sein soll? Vielleicht, weil das Volk es besser wusste?

http://www.spiegel.de/einestages/die-to ... 51155.html

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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 18. Juni 2015, 11:05

Der Volksaufstand ist für den Raum Quedlinburg gut dokumentiert. Danke Staatssicherheit! Es ist belegt, dass hier überall, selbst in den Dörfern die Erhebung breiter Bevölkerungsschichten von Statten ging.
Ebenso wird auf die sowjetische Garnison in Quarmbeck verwiesen, die in Bereitschaft lag.
Von der SED-Propaganda wurde verbreitet, wie gefährlich der "Mob" sei, denn in Thale sei ein Volkspolizist im Kurpark erhängt worden. Das war der Aufhänger für etliche Festnahmen. Nur, den erhängten Polizisten hat es nie gegeben.
Mein Vater war auf dem Quedlinburger Markt als Plakatmaler unterwegs, sollte Losungen malen. Er und sein Kollege waren Augenzeugen, wie SED-Leute und Leitende des Kreises im damaligen Finanzamt in den Keller rannten und sich selbst dort in den vergitterten Kellerräumen einschlossen. Das war ihre Angst vor Lünchjustiz.
Mein Vater und Kollege wurden aufgefordert, sich mit einzuschließen. Sein etwas älterer Kollege lehnte mit den Worten "warum denn, wir haben nichts verbrochen!" dankend ab.
Der 17. Juni entwickelte sich hier zum "Flächenbrand" und da hatte kaum ein RIAS Anteile dran!

Parallelen erkannte ich, da mir diese Schilderungen seit Jugend bekannt waren, als wir während der Montagsdemos 1989 an der SED-Kreisleitung Kerzen abstellten und Protest übten. Die Führungsriege war genau so feige wie 1953. Sie verbarrikadierten sich im Gebäude, ließen alle desolaten Holzrollos runter und hatte die Hosen voll.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon pentium » 18. Juni 2015, 12:06

augenzeuge hat geschrieben:
bürger der ddr hat geschrieben:Das von "Kumpel" genannte Video finde ich sehr treffend und ich sehe das (wie im Video mit Fakten verdeutlicht) auch so.


1. Das Video beinhaltet einige Fehler. Z.B. ist die rede von nur 274 Orten, wo man demonstrierte. Richtig sind 700!

2. Es wird behauptet, dass nur die Infos vom Rias zur Aufrechterhaltung des Aufstandes geführt haben und der Rias an allen Brennpunkten gehört wurde. Das ist ebenfalls nicht korrekt.
Er konnte nicht an allen Brennpunkten gehört werden.

3. Es ist fast lustig, wenn man liest, dass der Aufstand ohne russ. Truppen niedergeschlagen wurde. Auch ne Lüge. Vermutlich muss man annehmen, das die Panzer nur aus Langeweile auffuhren.
Es gibt weiterhin TV-Aufnahmen, die zeigen, dass die Demo in vollem Umfang lief, als die Panzer kamen.

Man muss sich die Frage stellen, warum man nicht die ganzen Jahre in der DDR so argumentiert hat, wie im Video. Warum musste das vertuscht werden, wenn es so gewesen sein soll? Vielleicht, weil das Volk es besser wusste?

AZ


Das Video ist doch weiter nichts als die bildhaft gewordene Erklärung des "Berliner Alternativen Geschichtsforums" zum 50. Jahrestag des 17. Juni. "Es sei ein außen gelenkter faschistischer Putsch gewesen."

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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon Interessierter » 18. Juni 2015, 14:21

Bei der gestrigen Gedenkveranstaltung in Leipzig, die vom Landtagspräsidenten Sachsens, Dr. Matthias Rößler , eingeleitet wurde
sprach SDP-Mitbegründer Stephan Hilsberg davon, dass es heutige Ministerpräsidenten gäbe, die zu DDR-Zeiten glaubten, in einem Rat des Kreises der guten Sache dienen zu können.

Es kam ein Zeitzeuge, Gerhard Hering, zu Wort, der seine Erlebnisse als 6-Jähriger in Leipzig schilderte.

Im anschließenden Gesprächsforum des CDU-Comenius-Clubs unter dem Thema "Rot-Rot-Grüne Bündnisse – Hat der Bürger noch die Wahl?"
kam u. a. Vera Lengsfeld zu Wort.

Bild

Sie trug im wesentlichen ihren heutigen Artikel "Die SED ist immer noch unter uns" vor.

http://www.leipzig.de/news/news/gedenke ... juni-1953/
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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon augenzeuge » 18. Juni 2015, 14:44

pentium hat geschrieben: Das Video ist doch weiter nichts als die bildhaft gewordene Erklärung des "Berliner Alternativen Geschichtsforums" zum 50. Jahrestag des 17. Juni. "Es sei ein außen gelenkter faschistischer Putsch gewesen."
pentium


Putsch? Auch ne Lüge!

Definition:

Als Staatsstreich oder Putsch wird die gewaltsame Änderung der Regierungsform eines Staates von "oben", d.h. von der Führungselite ausgehend bezeichnet.

Beispiel: Die Versuche der Gruppe um Staufenberg waren Versuche eines Teils der Führungselite den NS-Staat von "oben" zu beseitigen und damit ein Putsch.
Im Gegensatz dazu wird mit Revolution der Sturz von "unten", durch das Volk bezeichnet.

Beispiel: So war die Überwindung der DDR eine vom Volk der DDR ausgehende Revolution.


AZ
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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon karnak » 18. Juni 2015, 15:54

Nach allem was ich nun bis jetzt zu diesem Ereignis weiß, ein faschistischer Putsch ist natürlich Unsinn, aber gleichzeitig war der Frust zu dieser Zeit auf diese DDR noch lange nicht so entwickelt, dass der Drang nach politischen Veränderungen im Übermaß vorhanden war wie 89, es gab ja noch nicht mal die Mauer, von einer entsprechenden Klientel im Osten und eben auch im Westen mal abgesehen. Und so war für mich dieser Tag ursächlich und erst mal ein Aufbegehren gegen blödsinnige Normerhöhungen und damit im Umkehrschluss Lohnkürzungen. Bei der weiteren Entwicklung hat die von mir benannte Klientel im Osten mit Unterstützung der aus dem Westen kräftig an den Rädern gedreht und die Entwicklung hat eine entsprechende Entwicklung genommen, ist ein Volk erst mal auf der Straße ist es schnell verführbar. Das beste Beispiel ist das"Wir sind das Volk" und die Umwandlung in"Wir sind ein Volk" und das nicht ursächlich durch die Demonstranten sondern durch die fetten Buchstaben der ach so überparteilichen Bild Zeitung.Dieser Palkatspruch"wir sind ein Volk war nämlich der Einzige der nicht von den DDR Demonstranten entwickelt wurde.
Das man diese Dinge völlig ausblendet, dieses an den Rädern drehen als nicht vorhanden deklariert und 40 Jahre als nicht vorhanden deklariert hat, Geschichtsverklärung und Verdrehung im entsprechenden eigenen Interesse betrieben hat, von DDR Seite, aber eben auch von den Gegnern der DDR,das stört mich und treibt mich in den verbalen Widerstand [grin] und nicht etwa aus ideologischer Verbohrtheit heraus, sondern weil ich den historischen Wahrheiten nahe kommen will.
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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon pentium » 18. Juni 2015, 16:32

Noch einmal, die Normerhöhung nur der Anlass. Die Ursachen lagen tiefer, sie lagen ein Jahr zurück!

Zitat:
Auf der Zweiten Parteikonferenz der SED vom 9. bis 12. Juni 1952 wurde der Aufbau des Sozialismus in der DDR proklamiert.
Die neue Losung: "Aufbau des Sozialismus" hieß zugleich "Verschärfung des Klassenkampfes", den "feindlichen Widerstand brechen". Im Klartext: die Staatsmacht wurde zur Waffe der Partei gegen die Bürger, das war mit Klassenkampf gemeint.

Der Klassenkampf richtete sich gegen wirtschaftlich Selbständige - wer Angestellte hatte, war jetzt "Kapitalist"- , also gegen Bauern und Bürgertum. Ihnen, nämlich 2 Millionen, wurden die Lebensmittelkarten entzogen.
Von August 1952 bis Ende Januar 1953 kam es zu 1.250 politisch motivierten Gerichtsverfahren gegen Bauern mit vielen Zuchthausstrafen und Enteignungen, weil sie das erhöhte Ablieferungssoll nicht erreichten oder daraus resultierende Steuerschulden nicht begleichen konnten. Der private Handel und Großhandel wurde mittels verweigerter Kredite, Zulieferungsverboten und systematisch eingesetzter schikanöser Steuerprüfverfahren zerschlagen. Bei der Zerschlagung des Großhandels wurden in 3.000 Betriebsprüfungen 2.100 Strafverfahren eingeleitet, 2.300 Personen verhaftet und ein Vermögen von 335 Millionen Mark eingezogen.

März/April 1953 kam es zu einem regelrechten Kirchenkampf. Die Junge Gemeinde wurde als Tarnorganisation des US-Imperialismus denunziert. 3000 Jugendliche wurden von den Oberschulen verwiesen, weil sie nicht bereit waren, sich vor versammelter Schülerschaft von der Jungen Gemeinde loszusagen. Lehrer wurden strafversetzt oder entlassen. 70 Pfarrer und Jugendleiter waren inhaftiert. 600 Studenten wurden exmatrikuliert, weil sie sich zur Studentengemeinde hielten.

Nach Stalins Tod am 7. März 1953 beobachtete die neue sowjetische Führung die repressive Politik der SED mit wachsender Sorge, weil sie um die Stabilität ihres westlichen Vorpostens fürchtete. Deshalb wurde die SED-Führung vom 2. bis 4. Juni nach Moskau zitiert. Ihr wurde ein umfangreiches Schriftstück zur Stellungnahme vorgelegt, in dem als Hauptursache für die Massenflucht der DDR-Bürger und die Wirtschaftskrise "der Kurs auf einen beschleunigten Aufbau des Sozialismus in Ostdeutschland" verantwortlich gemacht wurde, der, obwohl seinerzeit vom ZK der KPdSU gebilligt, nun "für nichtig zu halten" sei. Kritisiert werden namentlich die Repressionen gegen Bauern, gegen das "Privatkapital", die Forcierung der Schwerindustrie zulasten der Versorgung der Bevölkerung und die Einmischung in die Angelegenheiten der Kirche.

Am 9. Juni beschloss das Politbüro der SED ein Kommuniqué, in dem es seine Fehler eingestand, das ganze Inventar der Repressionen noch einmal aufzählt und deren Rücknahme ankündigte - mit zwei Ausnahmen. Das Wort "Bürgerrechte" fehlte und - die Normerhöhung. Die Arbeiter- und Bauernregierung hatte die Arbeiter vergessen. Weil sie sich zu Recht übergangen sahen, traten die Arbeiter in den Streik. So kam es zum 17. Juni.

quelle: Prof. Dr. Richard Schröder
"Vom 17. Juni zum 3. Oktober. Der Weg zur deutschen Einheit"

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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon karnak » 18. Juni 2015, 16:57

Eben,wegen der Normerhöhungen und dem "Vergessen"des Zurücknehmens sind die Arbeiter auf die Strasse und mit Sicherheit nicht wegen dem Vorgehen gegen die Kirche und gegen die "Kleinkapitalisten",so verbunden war sie mit denen mit Sicherheit nicht, dass sie das auf die Strasse trieb.
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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon Volker Zottmann » 18. Juni 2015, 19:13

Die Beteiligung am 17. Juni war mit Sicherheit auch geringer als 1989, weil doch vielen Erwachsenen noch der Krieg zu sehr im Nacken steckte. Da ist trotz Wut und Empörung so manch einer zu Hause geblieben.
1989 aber war eine ganze Generation, fast schon die übernächste nachgeboren. Das war das Maß aber auch noch voller. Und eingesperrt war sie obendrein!
Es waren beide Male Revolutionen, auch wenn es 1953 an einzelnen Orten nur wie reine örtliche Revolten aussah.

Gruß Volker
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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon pentium » 18. Juni 2015, 19:30

Volker Zottmann hat geschrieben:Die Beteiligung am 17. Juni war mit Sicherheit auch geringer als 1989, weil doch vielen Erwachsenen noch der Krieg zu sehr im Nacken steckte. Da ist trotz Wut und Empörung so manch einer zu Hause geblieben.
1989 aber war eine ganze Generation, fast schon die übernächste nachgeboren. Das war das Maß aber auch noch voller. Und eingesperrt war sie obendrein!
Es waren beide Male Revolutionen, auch wenn es 1953 an einzelnen Orten nur wie reine örtliche Revolten aussah.

Gruß Volker


Stimmt, im Herbst 89 waren völlig andere Generationen auf der Straße, die hatten die Stalinzeit und die Jahre danach nicht erlebt. Es waren auch stellenweise andere Themen als 1953. Umwelt, Frieden und Abrüstung. Solche Themen passen nicht ins Bild vom Klassenfeind. Man forderte auch keinen freie Wahlen, sondern man dokumentierte im Mai 1989 die Wahlfälschung. Dazu kam in jener Zeit auch die Rolle der Kirche, sie gewährte 1989 den Oppositionellen einen gewissen Schutz. Und es konnte 1989 mehr Öffentlichkeit hergestellt werden, denn es gab Westkorrespondenten in der DDR. Dazu die Ausreisewelle....

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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon Wosch » 18. Juni 2015, 21:04

karnak hat geschrieben:Nach allem was ich nun bis jetzt zu diesem Ereignis weiß, ein faschistischer Putsch ist natürlich Unsinn, aber gleichzeitig war der Frust zu dieser Zeit auf diese DDR noch lange nicht so entwickelt, dass der Drang nach politischen Veränderungen im Übermaß vorhanden war wie 89, es gab ja noch nicht mal die Mauer, von einer entsprechenden Klientel im Osten und eben auch im Westen mal abgesehen. Und so war für mich dieser Tag ursächlich und erst mal ein Aufbegehren gegen blödsinnige Normerhöhungen und damit im Umkehrschluss Lohnkürzungen. Bei der weiteren Entwicklung hat die von mir benannte Klientel im Osten mit Unterstützung der aus dem Westen kräftig an den Rädern gedreht und die Entwicklung hat eine entsprechende Entwicklung genommen, ist ein Volk erst mal auf der Straße ist es schnell verführbar. Das beste Beispiel ist das"Wir sind das Volk" und die Umwandlung in"Wir sind ein Volk" und das nicht ursächlich durch die Demonstranten sondern durch die fetten Buchstaben der ach so überparteilichen Bild Zeitung.Dieser Palkatspruch"wir sind ein Volk war nämlich der Einzige der nicht von den DDR Demonstranten entwickelt wurde.
Das man diese Dinge völlig ausblendet, dieses an den Rädern drehen als nicht vorhanden deklariert und 40 Jahre als nicht vorhanden deklariert hat, Geschichtsverklärung und Verdrehung im entsprechenden eigenen Interesse betrieben hat, von DDR Seite, aber eben auch von den Gegnern der DDR,das stört mich und treibt mich in den verbalen Widerstand [grin] und nicht etwa aus ideologischer Verbohrtheit heraus, sondern weil ich den historischen Wahrheiten nahe kommen will.



Ich bin mir ziemlich sicher daß es eigentlich sinnlos ist Dir auf das von mir grün hervor gehobene in Deinem Beitrage zu antworten, Deine diesbezüglichen von Unkenntnis strotzenden "Erkenntnisse" über diesen geschichtsträchtigen Tag (in Verbindung zu den Ereignissen von 1989) bewegen mich trotzdem dazu.
Was weißt Du denn eigentlich vom 17. Juni 1953? Von eigenen Wahrnehmungen warst Du doch noch meilenweit entfernt und gibst doch nur das weiter, was man Dir in Deiner "politisch motivierten" Ausbildung und wohlmöglich auch in einem dementsprechenden Elternhaus mit auf den Weg gegeben hatte.
Dabei fehlt Dir leider der Hang zur Sachlichkeit und wahrscheinlich auch der Wille zur Sachlichkeit, denn wie sonst kannst Du trotzt Deiner verquerten "Analyse" der damaligen Umstände so "schief" daneben liegen, obwohl Du angeblich nicht etwa aus ideologischer Verbohrtheit, sondern der historischen Wahrheit nahe kommen möchtest.
1953 und 1989 kann man nicht im gleichen Kontext sehen, denn 1989 rief die Masse auf den Straßen "Keine Gewalt!", 1953 hätte die Masse der "Aufständischen" in ihrem Haß gegen Regierung und Nomenklatur dagegen deren Mitglieder (wenn´s drauf angekommen wäre) auch,....na ja, denke einfach mal an Budapest 1956.
Du weißt, oder willst es nicht wissen, wie es in der damaligen D"D"R der frühen 50er Jahren wirklich ausgesehen hatte, den Leuten (bis auf wenigen) ging es "beschissen", die Schaufenster waren leer und die "Bonzen" suchten dafür die Schuldigen bei den Unschuldigen, Zigtausende mußten jedes Jahr für deren Machtgelüste "unschuldig" für Jahre in die Zuchthäuser und die Urteile dafür lauteten meist immer "Spionage", "Sabotage", "Hetze" und alles mögliche.
Viele von den Weggesperrten landeten in Sibirien oder weiß wo und durften dort ins "Gras" beißen.
Nein mein lieber @Karnak, die Wut der Bevölkerung auf die damaligen Herren Genossen war in den 50er Jahren bedeutend größer als 1989, auch wenn Du mir das nicht glauben wirst, es war so. Nicht zu vergessen im Zusammenhang mit der damaligen Zeit sollten bei der Betrachtung die "Zwangsenteignungen", die "Zwangskollektivierungen" und die millionenfache Flucht der Gegner dieser irrsinnigen politischen Ausrichtung in den "Freien" Teil Deutschlands sein und laß Dir gesagt sein über diese Zahlen kann man sich notfalls auch "gewissenhaft" informieren!


Schönen Gruß aus Kassel.
Wosch.
Zuletzt geändert von Wosch am 18. Juni 2015, 21:08, insgesamt 1-mal geändert.
Wosch
 

Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon bürger der ddr » 18. Juni 2015, 21:07

Wie schön das es noch User gibt, die sachlich und mit einem hohen Kenntnisstand uns den 17.Juni 1953 erklären können [laugh]
bürger der ddr
 

Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon Wosch » 18. Juni 2015, 21:12

bürger der ddr hat geschrieben:Wie schön das es noch User gibt, die sachlich und mit einem hohen Kenntnisstand uns den 17.Juni 1953 erklären können [laugh]



Genau @"bürger der ddr", Danke schön!!

Wosch.
Wosch
 

Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon bürger der ddr » 18. Juni 2015, 21:24

ist mir immer wieder eine Freude.....
bürger der ddr
 

Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon karnak » 19. Juni 2015, 11:00

Wosch hat geschrieben:

Ich bin mir ziemlich sicher daß es eigentlich sinnlos ist Dir auf das von mir grün hervor gehobene in Deinem Beitrage zu antworten, Deine diesbezüglichen von Unkenntnis strotzenden "Erkenntnisse" über diesen geschichtsträchtigen Tag (in Verbindung zu den Ereignissen von 1989) bewegen mich trotzdem dazu.
Was weißt Du denn eigentlich vom 17. Juni 1953? Von eigenen Wahrnehmungen warst Du doch noch meilenweit entfernt und gibst doch nur das weiter, was man Dir in Deiner "politisch motivierten" Ausbildung und wohlmöglich auch in einem dementsprechenden Elternhaus mit auf den Weg gegeben hatte.
Dabei fehlt Dir leider der Hang zur Sachlichkeit und wahrscheinlich auch der Wille zur Sachlichkeit, denn wie sonst kannst Du trotzt Deiner verquerten "Analyse" der damaligen Umstände so "schief" daneben liegen, obwohl Du angeblich nicht etwa aus ideologischer Verbohrtheit, sondern der historischen Wahrheit nahe kommen möchtest.
1953 und 1989 kann man nicht im gleichen Kontext sehen, denn 1989 rief die Masse auf den Straßen "Keine Gewalt!", 1953 hätte die Masse der "Aufständischen" in ihrem Haß gegen Regierung und Nomenklatur dagegen deren Mitglieder (wenn´s drauf angekommen wäre) auch,....na ja, denke einfach mal an Budapest 1956.
Du weißt, oder willst es nicht wissen, wie es in der damaligen D"D"R der frühen 50er Jahren wirklich ausgesehen hatte, den Leuten (bis auf wenigen) ging es "beschissen", die Schaufenster waren leer und die "Bonzen" suchten dafür die Schuldigen bei den Unschuldigen, Zigtausende mußten jedes Jahr für deren Machtgelüste "unschuldig" für Jahre in die Zuchthäuser und die Urteile dafür lauteten meist immer "Spionage", "Sabotage", "Hetze" und alles mögliche.
Viele von den Weggesperrten landeten in Sibirien oder weiß wo und durften dort ins "Gras" beißen.
Nein mein lieber @Karnak, die Wut der Bevölkerung auf die damaligen Herren Genossen war in den 50er Jahren bedeutend größer als 1989, auch wenn Du mir das nicht glauben wirst, es war so. Nicht zu vergessen im Zusammenhang mit der damaligen Zeit sollten bei der Betrachtung die "Zwangsenteignungen", die "Zwangskollektivierungen" und die millionenfache Flucht der Gegner dieser irrsinnigen politischen Ausrichtung in den "Freien" Teil Deutschlands sein und laß Dir gesagt sein über diese Zahlen kann man sich notfalls auch "gewissenhaft" informieren!


Schönen Gruß aus Kassel.
Wosch.

Du meinst also" die an den Rädern gedreht haben und das an den Rädern gedreht wurde" gab es nicht?
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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon Interessierter » 19. Juni 2015, 13:12

Kristian, für wie dumm hälst Du eigentlich die Bürger der DDR im Jahre 1953, dass Du glaubst, sie konnten nicht allein merken, dass sie von einer Diktatur in die nächste geraten waren.

Wieso fällt Dir eigentlich noch nicht einmal heute etwas intelligenteres, als gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass der Volksaufstand des Jahres 1953 vom Klassenfeind initiert und organisiert worden sei ?

Es scheint ja beinahe so, dass die Bürger der DDR schon damals intelligenter und weitsichtiger waren als ehemalige Angehörigen von Organen dieser Diktatur heute.
Offen gesagt, finde ich es nicht lustig, sondern anmaßend, wenn Menschen, die jahrzehntlang einer Diktatur dienten, meinen den mutigen Aufständischen von 1953 ihre Erkenntnisse und ihren Mut kleinreden zu wollen, als wären sie lediglich vom Westen gesteuert worden.

Diese Menschen handelten, spontan und in ihrer grenzenlosen Wut wohl auch total emotional. Sie waren eben keine Marionetten des Westens, im Gegensatz zu Dir und Deinen Genossen, die nicht mehr als Marionetten der Russen waren. Hauptsache es ging Euch gut, da diente man sogar gerne einer Diktatur.

Daher denke ich am 17. Juni immer wieder an diese mutigen Menschen.
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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon karnak » 19. Juni 2015, 14:23

Interessierter hat geschrieben:
Wieso fällt Dir eigentlich noch nicht einmal heute etwas intelligenteres, als gebetsmühlenartig zu wiederholen, dass der Volksaufstand des Jahres 1953 vom Klassenfeind initiert und organisiert worden sei ?


Das habe ich nicht behauptet, mir missfällt es nur, dass man feststehende geschichtliche Fakten einfach ausblendet um Dinge entsprechend auf Linie zu bringen, egal von welcher Seite der Barrikade das praktiziert wird.Es wird übrigens auch nicht funktionieren mich in die Rolle des unverbesserlichen Betonkopfes zu stellen um mich damit kaltzustellen. [grin]
Also nochmal und wiedermal eine und meine Frage dazu,gab es nun dieses "an den Rädern drehen" oder gab es das nicht?
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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon Nostalgiker » 19. Juni 2015, 15:00

Na klar, ein Teil der Leute die auf die Strasse gingen und Losungen riefen hörten kein RIAS um sich spontan zu entscheiden, jetzt machen wir auch 'nen Aufstand. Den RIAS hörten sie erst am Tag danach .......
Oder hatten diese Menschen welche in 250 oder 500 Orten der DDR alle am gleichen Tag mit den gleichen Forderungen auf die Strasse gingen alle völlig unabhängig am gleichen Tag die gleiche spontane Idee?

Zur Erinnerung; Facebook und Twitter gab es damals noch nicht, westliche Fernsehreporter waren in der DDR auch nicht an jeder Ecke zu finden und Rundfunkreporter setzten in Berlin keinen Fuß über die Sektorengrenze.

War alles spontan weil sich a la Interessierter Millionen sagten, na sowas, jetzt werden wir schon wieder von einer Diktatur wie von 33 bis 45 gepiesackt, die damalige wollten wir schon nicht und die jetzige erst recht nicht.


Thoth
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin

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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon pentium » 19. Juni 2015, 15:06

Um mal kurz vom 17. Juni in den Herbst 89 zu schwenken.

Zitat Karnak:
Das beste Beispiel ist das"Wir sind das Volk" und die Umwandlung in"Wir sind ein Volk" und das nicht ursächlich durch die Demonstranten sondern durch die fetten Buchstaben der ach so überparteilichen Bild Zeitung.Dieser Palkatspruch"wir sind ein Volk war nämlich der Einzige der nicht von den DDR Demonstranten entwickelt wurde...

Stimmt so nicht, Karnak.
"W i r s i n d e i n V o l k!"
Dazu gab es eine Sendung im Deutschlandfunk:

Leipzig, 9. Oktober. Für diesen Tag rechnen die Organisatoren der Montagsdemonstration mit dem Schlimmsten. Sie fürchten heftige Auseinandersetzungen mit der Staatsmacht. Ein Aufruf gegen Gewalt wird vorbereitet. Er richtet sich an beide Seiten: Demonstranten und Sicherheitskräfte. Der entscheidende Satz steht gesperrt geschrieben.
"W i r s i n d e i n V o l k!"
Und darunter: "Gewalt unter uns hinterlässt ewig blutende Wunden." (9)
Unterzeichner des Flugblattes: Arbeitskreis Gerechtigkeit, Arbeitsgruppe Menschenrechte und Arbeitsgruppe Umweltschutz.
Thomas Rudolph, Sprecher des Arbeitskreises Gerechtigkeit, formuliert den Text. Vier Tage vorher, am Abend des 5. Oktober, legt er den Vertretern der Gruppen den Entwurf vor: "Wir sind ein Volk".
"Das ist ein Satz, der sich ganz normal ergab, weil ich deutlich machen wollte, dass diejenigen, die zwangsweise gerade beim Militär waren, gerade jetzt in der Gefahr standen, gegen die Bevölkerung vorzugehen, letztlich auch auf der Seite der Demonstranten standen. Das wollte ich mit diesem Satz zum Ausdruck bringen."
...
11. November 1989. Zwei Tage nach dem Mauerfall. Tausende von DDR-Bürgern strömen über die Grenze. Die "Bild"-Zeitung schreibt:
"'Wir sind das Volk' rufen sie heute - 'Wir sind ein Volk' rufen sie morgen!"...

Am 11. November 89, Karnak, da gab es nichts mehr zu verführen, da waren die Messen schon fast gelesen! Und mal ehrlich, im Herbst 89 brauchte man Niemand aus dem Westen, der Verführt oder am Rädchen dreht!

mfg
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*Dos Rauschen in Wald hot mir'sch ageta, deß ich mei Haamit net loßen ka!* *Zieht aah dorch onnern Arzgebirg der Grenzgrobn wie ene Kett, der Grenzgrobn taalt de Länder ei, ober onnere Herzen net!* *Waar sei Volk verläßt, daar is net wert, deß'r rümlaaft of daaner Erd!*
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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon HPA » 19. Juni 2015, 15:08

Man könnte beim Thema RIAS natürlich auch schlussfolgern was der gemeine DDR Arbeiter vom ostzonalen Propagandafunk hielt: nämlich nichts. [grin]
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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon Nostalgiker » 19. Juni 2015, 15:24

Man könnte auch bei einigen Antworten bestimmter User schlussfolgern welchen Geistes Kind sie sind.
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin

Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, dass man nichts zu verlieren hat. Janis Joplin

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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon karnak » 19. Juni 2015, 15:32

pentium hat geschrieben:
Am 11. November 89, Karnak, da gab es nichts mehr zu verführen, da waren die Messen schon fast gelesen! Und mal ehrlich, im Herbst 89 brauchte man Niemand aus dem Westen, der Verführt oder am Rädchen dreht!

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Ohne Frage,da gab es nichts mehr zu verführen,obwohl das Thema grenzenlose Sehnsucht nach der deutschen Einheit zu diesem Zeitpunkt nicht stand,zumindest nicht in der Masse der Demonstranten, es ging um Veränderungen in dem Land DDR,wenn das auch nur noch eine Illusion war. Zum Willen zur deutschen Einheit wurden die Bürgerbewegungen geführt und das man in dieser Richtung kräftig " an den Rädern gedreht hat",Du kannst das in dem Artikel nachlesen aus dem Du die Informationen hier hast. Der Spruch"Wir sind ein Volk" in seinen Auslegungsvarianten war für die"an den Rädern Drehern" sozusagen ein Gottesgeschenk.
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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon pentium » 19. Juni 2015, 15:41

karnak hat geschrieben:
pentium hat geschrieben:
Am 11. November 89, Karnak, da gab es nichts mehr zu verführen, da waren die Messen schon fast gelesen! Und mal ehrlich, im Herbst 89 brauchte man Niemand aus dem Westen, der Verführt oder am Rädchen dreht!

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Ohne Frage,da gab es nichts mehr zu verführen,obwohl das Thema grenzenlose Sehnsucht nach der deutschen Einheit zu diesem Zeitpunkt nicht stand,zumindest nicht in der Masse der Demonstranten, es ging um Veränderungen in dem Land DDR,wenn das auch nur noch eine Illusion war. Zum Willen zur deutschen Einheit wurden die Bürgerbewegungen geführt und das man in dieser Richtung kräftig " an den Rädern gedreht hat",Du kannst das in dem Artikel nachlesen aus dem Du die Informationen hier hast. Der Spruch"Wir sind ein Volk" in seinen Auslegungsvarianten war für die"an den Rädern Drehern" sozusagen ein Gottesgeschenk.


Veränderungen im Land, doch nicht mehr im Nov 89! Spätestens nach der Rede von Kohl im Dez. 89 (Dresden) musste doch jeden klar gewesen sein wohin der Zug fährt!
Aber lieber zurück zum Juni 53!

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Re: War der 17. Juni 1953 eine Erhebung oder eine Revolution?

Neuer Beitragvon dein1945 » 19. Juni 2015, 15:49

Thoth hat geschrieben:Na klar, ein Teil der Leute die auf die Strasse gingen und Losungen riefen hörten kein RIAS um sich spontan zu entscheiden, jetzt machen wir auch 'nen Aufstand. Den RIAS hörten sie erst am Tag danach .......
Oder hatten diese Menschen welche in 250 oder 500 Orten der DDR alle am gleichen Tag mit den gleichen Forderungen auf die Strasse gingen alle völlig unabhängig am gleichen Tag die gleiche spontane Idee?

Zur Erinnerung; Facebook und Twitter gab es damals noch nicht, westliche Fernsehreporter waren in der DDR auch nicht an jeder Ecke zu finden und Rundfunkreporter setzten in Berlin keinen Fuß über die Sektorengrenze.

War alles spontan weil sich a la Interessierter Millionen sagten, na sowas, jetzt werden wir schon wieder von einer Diktatur wie von 33 bis 45 gepiesackt, die damalige wollten wir schon nicht und die jetzige erst recht nicht.


Thoth


Ich komm mal wieder aus dem lachen nicht raus [laugh], was sind hier nur schlaue Genossen unterwegst [mad]

In den frühen Morgenstunden des 17. Juni rollen die ersten Sowjet-Panzer auf Berlin zu. Gegen sieben Uhr ist auch Rias-Reporter Baier wieder in Berlin Mitte. Demonstrationszüge sind zum Stadtzentrum unterwegs. Es ist kühl und regnerisch an diesem Vormittag. "Die Demonstranten erheben jetzt politische Forderungen, sie wollen den Rücktritt der Regierung und freie und geheime Wahlen." Baier erinnert sich, daß der massive militärische Einsatz am späten Mittag einsetzt. Er sieht Panzer und Mannschaftswagen vom Alexanderplatz kommen. Sie fahren langsam, stoppen, rollten wieder an und schieben die Menge vor sich her. Ihre Kanonen sind halb nach oben gerichtet, auch die Soldaten halten die Läufe ihrer Kalaschnikows nach oben. Sie geben vereinzelt Warnschüsse in die Luft ab. Baier hört das Pfeifen der Kugeln.

Bis zum Abend ist Ost-Berlin nahezu abgeriegelt. Zwischen 18 und fünf Uhr wird in der ganzen DDR eine Ausgangssperre verhängt. Über Nebenstraßen und Hinterhöfe schleicht sich Baier in den Westteil zurück und verbringt die Nacht und den 18. Juni in der Rias-Redaktion. "An Schlafen war nicht zu denken, wir waren viel zu aufgeputscht von den Ereignissen."


Sechs Stunden in einer Stehzelle

Am 19. Juni kehrt Baier wieder in seine Wohnung in Ost-Berlin zurück. Die Lage hat sich weitgehend normalisiert. Noch wird er nicht behelligt. Es vergehen knapp zwei Jahre, dann wird der Rias-Reporter auf offener Straße von Stasi-Leuten verhaftet. "Ich hatte mich am 11. April verlobt und wurde am 13. April 1955 morgens um 7.30 Uhr in der Marienstraße festgenommen." Zwei Männer stellen sich Baier in Weg, packen ihn und zerren ihn in einen Wartburg. Baier wird in das berüchtigte Stasi-Untersuchungsgefängnis in Berlin-Hohenschönhausen gebracht. Im "U-Boot", dem Stasi-Verlies im Keller des Gefängnisses, lernt er die Palette perfider Verhörmethoden am eigenen Leib kennen. Befragungen finden nur nachts statt, Inhaftierte werden mit Handschellen tagelang an Heizungsrohre gekettet. Baier wird sechs Stunden in eine Stehzelle von der Größe eines Besenschranks gesperrt. Erspart bleibt ihm die gefürchtete Wasserzelle, in der die Opfer bis zum Hals im Wasser stehen. "Nach einigen Wochen bist du so weit, daß du alles sagst, was die hören wollen", sagt Baier.

Viele seiner Leidgenossen gehen an der psychischen Folter zugrunde. Richard Baier braucht Jahre, bis er nachts ohne Albträume durchschlafen kann. Nahezu ein halbes Jahrhundert nach den Ereignissen fällt es ihm nicht leicht, darüber zu sprechen. Immer noch quälen ihn die Erinnerungen: "Es fehlten eigentlich nur die Gaskammern."

Mit fünf weiteren Angeklagten steht Baier drei Monate später vor dem Tribunal. Den Verteidiger hat er erst am Vortag gesehen. Der Prozeß ist eine Farce. Wegen seiner Tätigkeit für den Rias, nach den Worten des Generalstaatsanwaltes "eine der übelsten Spionageorganisationen des Westens", wird Baier auf persönliche Weisung Ulbrichts zu 13 Jahren Zuchthaus verurteilt. Der mitangeklagte 27 Jahre alte Joachim Wiebach wird zum Tode verurteilt. "Ulbricht hatte unter das vorgefertigte Urteil bei ihm das Wort lebenslänglich durchgestrichen und Vorschlag Todesurteil darübergeschrieben."

Nach sechs Jahren und neun Monaten wird Baier am 21. August 1961 entlassen. Am 13. August war die Mauer gebaut worden. "Meine Freilassung sollte eigentlich schon im November 1960 erfolgen, doch auf Anweisung von Stasi-Chef Erich Mielke wurde das verschoben." Der Weg in den Westen ist versperrt. Baier darf nicht nach Berlin zurück, bekommt Berufsverbot, wird überwacht und bespitzelt. Und vor allem, er darf mit niemandem über diese Zeit sprechen. Ehefrau Ute, die er 1968 heiratet, erfährt erst viel später von der Vergangenheit ihres Mannes. Baier ist frei, doch Schikane und Bespitzelung gehen weiter. Stoff für eine weitere Fortsetzung des Films. "Wer will das heute noch hören?" fragt Baier.

Zur Homepage

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.06.2003, Nr. 133 / Seite 3

http://www.faz.net/aktuell/politik/17-j ... 01900.html

Ich hab den 17.Juni 1953 selbst erlebt, meine Großeltern wohnten 300m vom Ostberliner Polizeipräsidium und 500m vom damaligem ZK (der Spitzbart hatte sich schon in Sicherheit gebracht), ab 13.00 Uhr war alles Sperrzone, ich konnte erst nach etwa einer Woche zurück nach Westberlin !

Gruß aus Berlin Achim
dein1945
 

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