Die Lage in der Ukraine Teil 1

Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon Sirius » 30. März 2014, 14:21

augenzeuge hat geschrieben:Warum verschwanden die Russen, die auf der Krim heute um jeden Zentimeter Einfluss kämpfen, nach 1990 so geräuschlos aus Ostdeutschland?

"Am Ende wäre es beinahe noch schiefgegangen. Zumindest war es unfassbar peinlich, wie Boris Jelzin den Taktstock des Polizeiorchester-Chefs schnappte und drauflos dirigierte. Wer den betrunkenen russischen Präsidenten sah, hat die Bilder nie vergessen: Eberhard Diepgen, damals Berlins Bürgermeister, wusste nicht, wohin er gucken sollte. Bundeskanzler Helmut Kohl lächelte gequält......."

http://www.zeit.de/2014/14/russen-soldaten-abzug-ddr

AZ


In dem Artikel wird darauf hingewiesen, dass Gorbatschow sieben Jahre Zeit für den Abzug wollte, am Ende wurden vier Jahre vereinbart, später noch um vier Monate verkürzt. Das Gorbatschow sieben Jahre wollte, war mir bisher nicht bekannt. Aus heutiger Sicht wäre es auch egal gewesen, ob es drei Jahre und acht Monate oder sieben Jahre gedauert hätte. Damals sah man das anders.

Was die aktuelle Diskussion über die NATO-Erweiterung im Zusammenhang mit der Krise in der Ukraine betrifft, wird in dem Artikel noch einmal auf die vertraglichen Regelungen zur NATO-Erweiterung hingewiesen:

Besonderen Wert habe Gorbatschow auf politische Zusagen gelegt, vor allem auf die Bedingung, keine alliierten Truppen in Berlin und auf dem Gebiet der einstigen DDR zu stationieren.
http://www.zeit.de/2014/14/russen-solda ... 3#comments


Also, eine Bedingung für die Wiedervereinigung im 2+4-Vertrag war, dass auf dem Gebiet der ehemaligen DDR keine NATO-Truppen und Einrichtungen stationiert werden. Diese Bedingung wird auch bis heute eingehalten. Darüber hinaus gehende Regelungen bezüglich der NATO gab es im 2+4-Vertrag nicht. Darauf wies übrigens auch in einem Interview Klaus-Naumann hin:

Eine Lüge nennt der frühere Nato-General Klaus Naumann die Behauptung, Russland sei nach dem Ende des Kalten Krieges zugesichert worden, das Bündnis werde nicht nach Osten ausgedehnt. Die Osterweiterung sei zudem nicht auf Drängen der Nato erfolgt, sagte er im DLF.
...
"Genscher war nicht befugt, für die Bundesregierung zu sprechen"

Klein: Herr Naumann, ein immer wieder vorgebrachtes Argument der russischen Führung wie auch derjenigen, die sie hier in Deutschland verteidigen, lautet, der Westen habe das derzeitige Verhalten Russlands mit zu verantworten, da die Nato Richtung Osten erweitert wurde, obwohl zumindest mündlich zugesichert worden sei, dass dies nicht geschehen würde. Nun sind gerade heute vor zehn Jahren die drei baltischen Staaten, wie auch mehrere andere osteuropäische Staaten Mitglied der Nato geworden. Sie waren damals auch im Zuge der Zwei-plus-Vier-Gespräche relativ nahe dran. Sie waren im Bundesverteidigungsministerium – was genau ist denn Moskau zugesagt worden?

Naumann: Die ständige Wiederholung der Behauptung, dass im Zuge der Zwei-plus-Vier-Gespräche Russland oder damals der Sowjetunion eine Zusicherung gegeben wurde, die Nato würde nicht nach Osten erweitert, ist eine Lüge, die durch ständige Wiederholung nicht besser wird. Es ist damals nie über die Nato-Osterweiterung gesprochen worden. Das war auch im Grunde genommen jenseits aller Vorstellung. Denken Sie doch bitte daran – die Sowjetunion existierte noch. Niemand dachte daran, dass der Warschauer Pakt ein Jahr später aufgelöst werden würde. Und wenn man dann die Geschichte weiter sieht, dann muss man eben auch sagen: Es war ja nicht die Nato, die auf Erweiterung gedrängt hat. Es waren die Staaten Polen, Tschechien, damals noch Tschechoslowakei, und Ungarn, auch Rumänien, die in die Nato drängten. Und die Nato hat sich zunächst sehr zögernd verhalten. Sie hatte ja zunächst das Programm "Partnerschaft in Frieden" aufgelegt, aus amerikanischer Sicht mit der Zielsetzung, eine Nato-Erweiterung zu vermeiden. Und man hat auch immer im Kontakt mit Russland versucht, Russland deutlich zu machen, dass die Nato-Osterweiterung sich nicht gegen Russland richtet, sondern letztlich für Russland eine Versicherung ist, dass an der Westgrenze Russlands nichts passieren wird. Die Nato bleibt ein defensives Bündnis.

Klein: Herr Naumann, bleiben wir noch kurz mal bei dem, was Sie jetzt als Lüge bezeichnet haben. Es wird ja immer wieder ein Gespräch zitiert des damaligen Bundesaußenministers Genscher mit seinem sowjetischen Amtskollegen Schewardnadse, wo das mündlich zugesichert wurde. Und das galt aus Sicht der Russen offenbar als etwas, auf das man sich gerne verlassen wollte.

Naumann: Das Gespräch Genscher/Schewardnadse hat es wohl gegeben. Man muss aber dann doch sehr nüchtern sagen, der damalige Bundesaußenminister war nicht befugt, für die Bundesregierung zu sprechen, das hätte nur der Kanzler machen können. Der Kanzler wäre auch nicht befugt gewesen, für die Nato zu sprechen. Und er wäre schon gar nicht befugt gewesen, über den Kopf Dritter hinweg, sprich Polen, Tschechien und Ungarn, ähnliche Versicherungen zu geben. Das sollten vielleicht die vielen Russland-Versteher bei uns, die ja bis in die Ränge ehemaliger Kanzler reichen, auch mal sich vor Augen halten und vielleicht ein bisschen mehr Polen-Versteher werden, bei denen die Alarmglocken einfach klingeln, wenn Deutschland und Russland andeuten, sie wollten sich über ihre Köpfe hinweg einigen.

Klein: Aber im Zwei-plus-Vier-Vertrag ist auf jeden Fall etwas ja festgelegt mit Blick auf Deutschland.

Naumann: Da ist eine Beschränkung für Deutschland festgelegt. Die ist auch eingehalten. Und alle Veränderungen, die es da gegeben hat, sind mit Russland und mit russischen Einvernehmen festgelegt worden. Deutschland ist vertragstreu geblieben. Es gibt keine Nato-Einrichtungen auf dem Gebiet der früheren DDR. Es gibt nur deutsche Truppen dort. Es gibt keine Atomwaffen dort, das war ja auch ein ganz wichtiger Punkt. Und insofern ist wirklich vertragsgetreu gehandelt worden.

http://www.deutschlandfunk.de/russland- ... _id=281510
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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon Spartacus » 30. März 2014, 14:59

Es gibt keine Nato-Einrichtungen auf dem Gebiet der früheren DDR. Es gibt nur deutsche Truppen dort.


Über den Leipziger Flughafen werden die US-Truppen in den Irak und nach Afghanistan verlegt und das ist auch allgemein
bekannt. Ist so etwas nicht als Verstoß zu werten?

LG

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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon augenzeuge » 30. März 2014, 15:41

Spartacus hat geschrieben:
Es gibt keine Nato-Einrichtungen auf dem Gebiet der früheren DDR. Es gibt nur deutsche Truppen dort.


Über den Leipziger Flughafen werden die US-Truppen in den Irak und nach Afghanistan verlegt und das ist auch allgemein
bekannt. Ist so etwas nicht als Verstoß zu werten?

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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon Spartacus » 30. März 2014, 15:48

augenzeuge hat geschrieben:
Spartacus hat geschrieben:
Es gibt keine Nato-Einrichtungen auf dem Gebiet der früheren DDR. Es gibt nur deutsche Truppen dort.


Über den Leipziger Flughafen werden die US-Truppen in den Irak und nach Afghanistan verlegt und das ist auch allgemein
bekannt. Ist so etwas nicht als Verstoß zu werten?

LG

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Ich denke nein, da das als Transit zählt.....den gab es auch früher durch die DDR....mit US-Truppen.
AZ


Zu DDR - Zeiten herrschten aber ganz andere Voraussetzungen. Thema Besatzungsrecht.

Man kann das nämlich auch anders sehen : http://www.ndr.de/geheimer_krieg/geheimerkrieg263.html

Gegner der Militärtransporte argumentieren daher, die US-Truppenflüge verletzten geltendes Völkerrecht. Denn im Zwei-Plus-Vier-Vertrag von September 1990, dem Vertrag zur Deutschen Einheit, heißt es mit Bezug auf das Gebiet der ehemaligen DDR: "Ausländische Streitkräfte (...) werden in diesem Teil Deutschlands weder stationiert noch dorthin verlegt."


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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon Sirius » 30. März 2014, 15:52

augenzeuge hat geschrieben:
Ich denke nein, da das als Transit zählt.....den gab es auch früher durch die DDR....mit US-Truppen.
AZ


Ja, nie wäre jemand in den Jahrzehnten des kalten Kriegs auf die Idee gekommen, zu behaupten, in der DDR wären US-Truppen stationiert gewesen (außer die wenigen von der US-MVM und der Militärattache), weil sie für ein paar Stunden die DDR-Autobahnen, Schienenwege oder den Luftraum für den Transit nutzten. Es geht im 2+4-Vertrag um Truppenstationierungen. Weder umsteigen auf Flughäfen noch ein Überfliegen des Luftraums ist eine Stationierung von Truppen. Truppen verschiedener Staaten, wie z.B. aus den USA, nutzen auch irische Flughäfen zum Umsteigen. Niemand würde deshalb auf die Idee kommen, zu behaupten, in Irland seien US-Truppen stationiert. Kampfflugzeuge der deutschen Luftwaffe überfliegen auch die Schweiz.
Zuletzt geändert von Sirius am 30. März 2014, 15:57, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon augenzeuge » 30. März 2014, 15:52

Spartacus hat geschrieben: "Ausländische Streitkräfte (...) werden in diesem Teil Deutschlands weder stationiert noch dorthin verlegt."


Und das trifft zu, wenn die US-Truppen von Leipzig fliegen? Na wenn du meinst.... [denken]
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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon pentium » 30. März 2014, 15:53

Sie werden ja nicht stationiert! Und außerdem sind es keine Militärmaschinen mit denen diese Touristen in Uniform reisen!
Man kann sich auch an Kleinigkeiten hochziehen!

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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon Nov65 » 30. März 2014, 18:24

Ich halte die Aussagen des Generals Naumann a.D für wesentlich. Sowohl Putin als auch etliche ehemalige Politiker in D reiten beständig auf der nicht Legende, es habe Absprachen im Zusammenhang mit der deutschen Einheit gegeben.Also nichts mit einer Zusage, die NATO würde keinesfalls an die sowjetischen Grenzen rücken.
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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon pentium » 30. März 2014, 18:32

Zitat:

"Keine Zusagen an Russland"
Nachdrücklich wies Genscher Berichte zurück, wonach Russland im Zuge der deutschen Einheit der Verzicht auf eine Nato-Osterweiterung zugesichert worden sei. "Diese Zusagen hat es nicht gegeben", sagte der FDP-Politiker. Anfang 1990 habe "kein Mensch darüber nachgedacht, wie das ist, wenn Polen Mitglied der Nato wird."

http://www.zdf.de/maybrit-illner/Krim-K ... 12794.html

und Ex-Kanzlerberater Horst Teltschik dazu:

„Diese Zusage gab es nicht. Keiner hat 1990 die Auflösung der Sowjetunion und des Warschauer Paktes erwartet noch vorausgesehen", sagte Teltschik der „Bild“-Zeitung vom Montag laut Vorabbericht. Er war maßgeblich an den deutsch-deutschen Verhandlungen der Wendezeit und der deutschen Wiedervereinigung beteiligt.

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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon Sirius » 30. März 2014, 20:06

Putin möchte nach der Krim offenbar auch Weißrussland, die baltischen Staaten und Finnland annektieren. Das sagte sein Ex-Berater Andrej Illarinov. Putin träumt demnach von einem Großreich wie zu Sowjet- oder Zaren-Zeiten. "Seiner Ansicht nach ist es seine Aufgabe, zu beschützen, was ihm und seinen Vorfahren gehört", sagte Illarionov.

http://www.focus.de/politik/ausland/kri ... 30394.html


Wen möchte er denn in Finnland "beschützen"? Elche? Alaska hat ja auch einmal seinen Vorfahren gehört, und Teile Polens.... .
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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon pentium » 30. März 2014, 20:20

Seinen Vorfahren gehörte, wie soll man das verstehen oder deuten?
Putin will sich doch nicht zum Zaren...?

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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon augenzeuge » 30. März 2014, 21:13

Ich hoffe, dass Putins Aussage, nicht in die Ukraine einzumarschieren, keine Taktik ist. Aktuell versucht man ja damit die Wogen zu glätten. Aber auch die Krim als russischen Teil zu festigen.

Sollte es gelogen sein, (auch bei der Krim hatte Putin keine russ. Übernahme zugesichert) wird der Vergleich zu einem anderen "Führer" kaum zu vermeiden sein.

Wer heute Putin unterstützt oder sein Vorgehen zumindest billigt, billigt dieser auch die mögliche Übernahme der Ostukraine?

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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon Neun » 30. März 2014, 21:22

Der gesamten Ukraine, ja!
Neun
 

Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon augenzeuge » 30. März 2014, 21:29

Neun hat geschrieben:Der gesamten Ukraine, ja!


Wie begründest du diese Forderung? Erscheint es dir legitim, sich andere Länder einzuverleiben, die man anerkannt hat? Warum nicht auch Transnistrien?

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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon Neun » 30. März 2014, 21:36

Inkl. Moldau und Weißrussland, steht alles 1-2 Seiten weiter vorne. Dann sind die Fronten klar, alle können sich wider beruhigen und sich mit der Situation arrangieren. Der Westen hat seinen Anteil, ehem. WV-Staaten & Baltikum, und Russland seinen Machtbereich.

Nix dazwischen, keine Erweiterungen von irgendwas mehr, einfach klare Grenzen und Ruhe!
Neun
 

Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon pentium » 30. März 2014, 21:41

Ob es Ruhe gibt? Da habe ich so meine Zweifel?
Polen, Rumänien, die Ungarn, habe ich ein Land vergessen, wollen dann auch ihren Anteil vom Kuchen (Ukraine) und wir könnten ja damit anfangen in Ostpreußen deutsche Pässe auszugeben.

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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon Neun » 30. März 2014, 21:53

Wir können ja auch erstmal anfangen uns um eigene Probleme zu kümmern! Da ich gerade Spiegel TV schaue drängt sich mir der Gedanke auf wir hätten eher erstmal einige hunderttausend deutsche Pässe einzuziehen und Flugtickets zu buchen.
Neun
 

Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon Volker Zottmann » 30. März 2014, 22:44

@Neun, bist Du gerade von der Überholspur, der Linken ganz nach rechts am fahren?

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon Neun » 31. März 2014, 05:12

Ne Volker, damit würdest Du es Dir zu einfach machen. Ich bin da eher Anhänger einer Law and Order Politik, wer Migrant ist und sich nicht an die Gesetze hält geht dahin zurück wo er herkommt, wer Deutscher ist und sich nicht an die Gesetze hält fährt ein.

Das hat nichts mit rechts zu tun, meinetwegen kann hier jeder herkommen der seinen Lebensunterhalt selbst durch Arbeit bestreiten kann und sich an die hiesigen Gesetze hält.

Wenn ich allerdings sehe wie hier teilweise eingefallen wird um von Sozialhilfe und Kindergeld zu leben, wie einige dieses Gastrecht missbrauchen um hier in "Ruhe" kriminellen Machenschaften nachzugehen und wie gestern mit nem Mercedes vor der Arge vorzufahren um den Verlängerungsantrag auf Harz IV abzugeben, ja dann ist bei mir ne persönliche Grenze erreicht. Solche Personengruppen gehören ganz einfach abgeschoben, egal was in deren Heimatländern los ist. Das hätten diese sich ja vor ihren Taten überlegen können! Wenn das für dich schon rechts ist dann kann ich damit leben.

Aber wenden wir uns lieber wieder den Faschisten zu die aktuell in der Ukraine die Regierung stellen, passt eher zum Thema.
Neun
 

Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon Edelknabe » 31. März 2014, 07:29

Habe ich es doch im Urin gehabt, Boxen und Politik passt einfach nicht zusammen.Das kam heute Nacht auf irgend so einem Muldentalsender. Jetzt unterstützt der große Kerl irgend so einen mit vielen Milliarden schweren Wirtschaftsmann?
Also ich weiß nicht Leute, ich denke die wollten dort Demokratie oder was soll der Kram, da wieder Leutchen an die Spitze zu hieven, die nur mit viel Geld meinen das große Sagen zu bekommen? Kann mir da mal Einer helfen...in der einfachen muldentaler Denke?

Rainer-Maria und einen guten Tag allen ins Forum
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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon augenzeuge » 31. März 2014, 07:39

Edelknabe hat geschrieben: Also ich weiß nicht Leute, ich denke die wollten dort Demokratie oder was soll der Kram, da wieder Leutchen an die Spitze zu hieven, die nur mit viel Geld meinen das große Sagen zu bekommen?


Das Geld wird nicht dafür reichen. Wichtiger ist, was man daraus macht, außerdem schließt Geld haben ein demokratisches Verhalten nicht aus. Außerdem wird es eine demokratische Wahl geben und Klitschko war gut beraten, sich hier hinter den Mann zu stellen. Die Bündelung der Kräfte ist wichtig. Und er hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er nicht auf Gewalt setzt. Frau Timoschenko wäre klar die schlechtere Alternative.
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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon Edelknabe » 31. März 2014, 07:53

Danke Jörg und mal hin zur Frau mit dem kunstvoll geknüpften Zopf. Nach ihren Ausfällen gegenüber Putin ist mir nicht ganz begreiflich, das man sie überhaupt noch auf dem politischen Parkett akzeptiert? Unbegreiflich sowas? Und nicht Einer kritisiert sowas...außer der stets aufrichtige und Klartext redende Rainer heute früh und jetzt.

Rainer-Maria also Interessierter wird sich bestimmt schon eine Träne aus den Augenwinkeln drücken ob meiner warmen offenherzigen Worte.
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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon pentium » 31. März 2014, 09:08

Ein Viertel für Poroschenko

Zitat:
Am Start der Wahlkampagne hat der ukrainische "Schokoladenkönig" Petro Poroschenko die besten Aussichten. In den Umfragen liegt er derzeit mit großem Abstand vorn, etwa 25 Prozent der Ukrainer unterstützen ihn. Dem 48-jährigen Poroschenko gehört der Süßigkeitshersteller Roschen, sein Vermögen wird auf 1,2 Milliarden Euro geschätzt. Der größte Konkurrenzkampf wird zwischen ihm und der ehemaligen Regierungschefin Julia Timoschenko stattfinden, deren Popularität momentan nur noch bei acht Prozent liegt. Der Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko wäre der zweitpopulärste Kandidat gewesen, doch er hat beschlossen, selbst nicht bei den Wahlen anzutreten und stattdessen Poroschenko unterstützen...]

http://www.welt.de/politik/ausland/arti ... agnat.html

Es wird also der eine Oligarch gegen den anderen Oligarch ausgetauscht?
Wer ist dieser Petro Poroschenko?

Zitat:
Als einziger Oligarch des Landes hatte sich Poroschenko offen hinter die proeuropäische Maidan-Bewegung gestellt. Und er war ihr wichtigster Geldgeber. Einer Schätzung des US-Magazins "Forbes" zufolge beläuft sich sein Vermögen auf umgerechnet rund eine Milliarde Euro. Zudem war er der einzige Politiker, der persönlich auf die Krim flog, um mit den dort aufmarschierten prorussischen Kräften zu verhandeln. Letztlich wurde er zwar von aufgebrachten Demonstranten unverrichteter Dinge heimgeschickt, das Signal aber blieb.

Der 48-jährige Volkswirt und verheiratete Vater von vier Kindern machte sein Vermögen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er Jahren. Anders als die meisten Oligarchen der Ukraine, riss er sich in dieser Zeit nicht billig Staatseigentum unter den Nagel. Er begann mit dem Verkauf von Kakaobohnen, übernahm schrittweise mehrere Süßwarenfabriken und gründete schließlich den Branchengiganten Roschen, der nach Firmenangaben 450.000 Tonnen Süßwaren pro Jahr herstellt - daher rührt sein Spitzname "Schokoladenbaron"...]

http://www.n-tv.de/politik/Oligarch-Por ... 64421.html

Anmerkung: Rainer-Maria, Zöpfe werden geflochten. Hat mir gerade ein weibliches Wesen erklärt! Teppiche werden geknüpft!

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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon Volker Zottmann » 31. März 2014, 09:37

Neun hat geschrieben:Ne Volker, damit würdest Du es Dir zu einfach machen. Ich bin da eher Anhänger einer Law and Order Politik, wer Migrant ist und sich nicht an die Gesetze hält geht dahin zurück wo er herkommt, wer Deutscher ist und sich nicht an die Gesetze hält fährt ein.

Das hat nichts mit rechts zu tun, meinetwegen kann hier jeder herkommen der seinen Lebensunterhalt selbst durch Arbeit bestreiten kann und sich an die hiesigen Gesetze hält.


Wenn ich allerdings sehe wie hier teilweise eingefallen wird um von Sozialhilfe und Kindergeld zu leben, wie einige dieses Gastrecht missbrauchen um hier in "Ruhe" kriminellen Machenschaften nachzugehen und wie gestern mit nem Mercedes vor der Arge vorzufahren um den Verlängerungsantrag auf Harz IV abzugeben, ja dann ist bei mir ne persönliche Grenze erreicht. Solche Personengruppen gehören ganz einfach abgeschoben, egal was in deren Heimatländern los ist. Das hätten diese sich ja vor ihren Taten überlegen können! Wenn das für dich schon rechts ist dann kann ich damit leben.

Aber wenden wir uns lieber wieder den Faschisten zu die aktuell in der Ukraine die Regierung stellen, passt eher zum Thema.


Dann habe ich Dich zum blau gekennzeichneten nur missverstanden und wir teilen im "Jetzt" diesbezüglich gleiche Ansichten.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon HPA » 31. März 2014, 12:41

da ja derzeit ne Menge offener Briefe kreisen (am belustigenden fand ich den in der NRhZ veröffentlichten)

EIn offener Brief des Europaabgeordneten ud Bürgerrechtlers Werner Schulz an Günther Jauch. Er spricht nicht nur die Sendung und ihre Mängel an sich an, sondern auch die skandalöse Einladungspraxis Jauchs. Jauch lädt Schulz offiziell ein, um ihn dann wieder auszuladen.


Brüssel, den 26. März 2014
Sehr geehrter Herr J a u c h,

vermutlich wird auch dies ein Brief sein, der Sie nicht erreicht oder mit dem Sie sich nicht beschäftigen und der von Ihrer Redaktion beantwortet wird. Aber vielleicht liegt ja auch da das Problem.

Am Donnerstag, den 20. März erhielt ich Ihre Anfrage, ob ich bereit wäre, an Ihrer Talkrunde am Sonntag teilzunehmen. Zugegeben, ich war überrascht. Nach meinem offenen Brief und der Kritik Ihrer Sendung vom 2. März hatte ich damit nicht gerechnet. Mein Ziel war es vielmehr Sie davor zu bewahren, sich zum trojanischen Esel der Kremlpropaganda zu machen.

Da ich Zweifel hatte, ob die Anfrage ernst zu nehmen sei und erheblicher Aufwand und Terminverschiebungen absehbar waren, wollte ich für meine Teilnahme-bereitschaft eine verbindliche Zusage. Die bekam ich. Ein klares und eindeutiges Okay. Nur der russische Gast sei noch offen in der feststehenden Runde, hieß es. Nach einem langen Vorgespräch am Freitag erhielt ich dann die schriftliche Einladung und Disposition für die Sendung. Mein Berliner Büro hat daraufhin Gäste eingeladen und über unseren Verteiler, an dem hunderte Russlandkenner und -interessierte hängen, über meine Teilnahme an der Diskussionsrunde informiert.

Am Samstagmittag teilte mir dann ein peinlich berührter Mitarbeiter mit, dass die Redaktionsleitung kurzfristig beschlossen habe mich auszuladen, weil sie meinen Part lieber mit Herrn Kornblum besetzen wolle. Ich bestand auf einer Erklärung. Daraufhin rief mich Ihr Redaktionsleiter an, um sich zu entschuldigen und betonte, dass diese Entscheidung nicht gegen mich gerichtet sei. Was die Sache nicht besser macht und im Umkehrschluss bedeutet, dass auch jeder andere Kollege aus dem Europaparlament gegen einen pensionierten US-Diplomaten kurzfristig austauschbar ist. Was zur Folge hatte, dass Ihre Sendung mit Ausnahme der Beiträge von Frau von der Leyen weitgehend oberflächlich blieb und die Sichtweise und Bedrohungs-ängste unserer Nachbarn in Polen, den Baltischen Staaten, Moldau und der Ukraine, um die es ja irgendwie auch ging, völlig ausgeblendet blieben.

Noch schließe ich nicht aus, dass Sie sich einen schlechten Scherz erlaubt haben und mir auf meinen offenen Brief eine originelle Retourkutsche zukommen ließen. Weder konnte ich in Erfahrung bringen, wer die Entscheidung getroffen hat noch habe ich bisher eine nachvollziehbare Begründung dafür bekommen.

Obwohl Ihre Sendung besser war als am 2. März traten dennoch erhebliche Schwachpunkte auf. Das zeigte sich schon im Titel. Nicht Russland ist gefährlich, diese Angst hat schon Jewgeni Jewtuschenko mit seinem berühmten Gedicht „Meinst du die Russen wollen Krieg“ ausgeräumt, sondern die Machtclique im Kreml. Russland ist der einzige Staat des ehemaligen Ostblocks, der komplett vom Geheimdienst übernommen wurde. Sämtliche Schaltstellen befinden sich heute in den Händen der „Silowiki“. Selbst das Politbüro der KPdSU war transparenter als der innerste Machtzirkel Putins, dem nur noch drei Männer angehören. Sergej Iwanow, Leiter der Präsidialverwaltung, Iwanow Nikolaj Patruschew, der bis 2008 den KGB Nachfolgegeheimdienst FSB leitete und seitdem Sekretär des Sicherheitsrates ist, sowie Alexander Bortnikow, der heute den FSB führt. Alle Anfang 60, deren Ausbildung und Berufskarriere beim Geheimdienst KGB begannen. Die Entscheidung zum Truppeneinsatz und zur Krim-Annexion ist in diesem engen Kreis gefallen. Auch die weitere Entwicklung wird allein dort entschieden. Mäßigende Kräfte wie der Außenminister Sergej Lawrow haben keinen Einfluss. Unser Begriff der „handgelenkten Demokratie“ ist angesichts einer solch gefährlichen Autokratie eine euphemistische Umschreibung.

Wohl wissend, dass man in einer Talkshow nicht alle Fehlinformationen ausräumen und allen Behauptungen widersprechen kann, wären zumindest einige Aspekte zur Gefährlichkeit von Putins Regime erhellend gewesen. So war z.B. ein Ausschnitt aus seiner Rede im Deutschen Bundestag zu sehen. Die Faszination meiner Kollegen beruhte damals darauf, dass er deutsch sprach und nicht darüber, was er sagte. Zu Beginn seiner Rede sprach er russisch und der gesamte Bundestag bis auf eine Mehrheit in der PDS-Fraktion befand sich unter Kopfhörern. Was ansonsten bei englisch oder französisch sprechenden Staatsgästen genau anders herum war. Nach etwa 5 Minuten sprach Putin plötzlich deutsch und alle nahmen erleichtert die Kopfhörer ab und waren wie verzaubert, dass dieser Mann so gut unsere Sprache beherrscht. Ein geschickter Psycho-Trick, den später, wie sie erzählte, auch Frau von der Leyen erfahren hat und der automatisch Sympathie und Aufmerksamkeit erzeugt. Nicht angesprochen wurde im Zusammenhang mit dem Filmausschnitt, dass dieser Präsident im September 2001 einen grausamen Krieg gegen das tschetschenische Volk führte. Ein vom Geheimdienst inszenierter Krieg gegen einen erfundenen Terrorismus, der Putins Aufstieg und den Anstieg seiner Popularität bewirkte. Aus einem blassen, unbekannten Geheimdienstoffizier war plötzlich ein starker Mann, der Retter Russlands geworden. Ein Erfolgsmuster, das auch jetzt die Zustimmung und sein gestiegenes Ansehen erklären. Nicht zu schweigen von den gleichgeschalteten Medien, die Sieger im Propagandakrieg sind und einen Hurrapatriotismus wie 1914 erzeugt haben. Zumindest da stimmt ausnahmsweise der Vergleich. Nur ein Abgeordneter in der Duma hat - so wie Karl Liebknecht seinerzeit gegen die Kriegskredite - gegen die Annexion gestimmt und soll jetzt als Vaterlandsverräter ausgeschlossen werden. Die anderen haben mit St.Georgsschleife am Revers ihren Präsident gefeiert, der Russland wieder aufrichtet, Stück für Stück zurückholt, endlich all die Demütigungen pariert, die faschistische Gefahr bannt und den Feinden im Westen
Paroli bietet. Die russische Opposition, die durch die restriktiven Gesetze Putin III. arg geschwächt wurde, ist künftig der Gefahr ausgesetzt als Vaterlands-verräter verfolgt zu werden. Nichts fürchtet Putin mehr als einen Euro-Maidan auf dem Roten Platz in Moskau. Ein verschärftes Gesetz über Landesverrat besteht bereits. Es wurde von einem Parlament beschlossen, das nachweislich durch Wahlfälschung zustande kam und keine Skrupel hat Putins Demagogie zu folgen, wonach die vom ukrainischen Parlament gewählte Übergangsregierung aus „Nationalisten, Neonazis, Russophoben und Antisemiten“ bestehen würde. Früher hätte die westdeutsche Linke das als Chauvinismus bezeichnet. Heute pflegt sie ihren verlogenen Antifaschismus.

Wie gefährlich der unter Putin grassierende Rechtsnihilismus und die Ignoranz der russischen Verfassung sind, zeigt die einstimmige Billigung der Krimannexion durch das russische Verfassungsgericht. Dabei besagt Artikel 15 Abs.4 der Verfassung das sowohl Präsident als auch Parlament verpflichtet sind die Prinzipien des Völkerrechts und völkerrechtliche Verträge einzuhalten.

Putins Politik besteht aus abstrusen Lügen. Demnach war die Annexion der Krim eine angeblich vorbeugende Schutzmaßnahme urplötzlich aufgetauchter Selbstschutzkräfte gegen eine vermeintliche Bedrohung. Dagegen ist Müchhausen ein Wahrheitsapostel. Anna Politkowskaja und Alexander Litwinenko, welche die Lügen und Hintergründe seines gewaltsamen Aufstieges ans Licht brachten, mussten das mit ihrem Leben bezahlen. Die wichtigsten Mitglieder der unabhängigen Kommission, die den dubiosen Kriegsanlass für den 2. Tschetschenienkrieg klären sollte, wurden ermordet. Der Duma-Abgeordnete Wladimir Golovjov wurde im August 2002 bei einem Spaziergang im Wald erschossen. Der Parlamentarier Sergej Jushenkow stirbt im April 2003 vor seiner Haustür, erschossen von einem Killer. Im Juni wird Yuri Schtschekotschikhin vergiftet. Im November 2003 schlagen Unbekannte Kommissionsmitglied Otto Lacis brutal zusammen. Zwei Jahre später stirbt Lacis bei einem Autounfall. Alle diese Morde passieren im Vorfeld der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Dezember 2003 bzw. März 2004. Auf Beschluss der Duma sollen die Untersuchungsergebnisse der Kommission 75 Jahre unter Verschluss bleiben. Wer solche und so viele Leichen im Keller hat, wird den Kreml nicht freiwillig verlassen.

Anstatt wiederholt die Frage nach einem neuen Kalten Krieg aufzuwerfen, die allein wenn man Zeitung liest bisher überzeugend und hinreichend verneint wurde, hätte man die eigentliche Gefahr benennen müssen. Denn was wir jetzt erleben ist schlimmer als der Kalte Krieg. Was wir erleben ist die Wiedergeburt des Irredentismus. Ein aggressiver und expansiver Nationalismus und Revanchismus, der im Ausland lebenden und angeblich bedrohten „Volksteilen“ Schutz verspricht und bereit ist, diese Gebiete mit allen Mitteln ins Mutterland zurück zu holen. Siehe Transnistrien, Ossetien, Abchasien und jetzt die Krim. Diese Ideologie spielte eine verhängnisvolle Rolle nach dem 1. Weltkrieg und war das Begründungsmuster für den 2. Weltkrieg und die Balkankriege der 90-er Jahre. Es war die Kriegserklärung von Slobodan Milosevic und sein Anspruch auf das „heilige Amselfeld“. Wenn Putin heute sagt, dort wo Russen leben ist Russland, dann ist das eine offene Drohung an alle Länder in denen eine russische Minderheit existiert. Der von ihm benutzte Slogan „Wir sind ein Volk“ klingt eben in der Ukraine nicht wie der uns vertraute Ruf nach Wiedervereinigung, sondern wie ein neoimperialer Gebietsanspruch.

Deswegen sind nicht nur die Militärmanöver an der Grenze zur Ostukraine so gefährlich, sondern auch dass Putin noch immer einen Blankoscheck für den Einmarsch in die Ukraine in Händen hält. Nirgendwo taucht die Forderung auf, dass diese vom Föderationsrat einstimmig beschlossene potentielle Kriegserklärung unbedingt zurückgenommen werden muss. Übersehen und überhört wurde bisher auch, dass vor wenigen Jahren die russische Regierung zum Zweck der Verteidigung sich das Recht eines atomaren Erstschlages vorbehält. Hier wird das Feindbild „Westen“ zu einer Zielscheibe aufpoliert, die es so, selbst im Kalten Krieg mit seinem Gleichgewicht des Schreckens, nicht gab.

Doch Putin ist nicht nur dabei, unter dem Begriff der Eurasischen Union eine Reintegration im postsowjetischen Raum zu betreiben, sondern Russland auch als strategische Rohstoffmacht auszurichten. Nach dem Motto: Was ist die Nato-Osterweiterung gegen die Westausdehnung von Gazprom. Unterstützt durch unsere profitorientierte Energiewirtschaft mit ihren bezahlten Kremllobbyisten, die dabei ist unsere Reserven für den Ernstfall von Sanktionen, unsere Gasspeicher an Gazprom zu verkaufen. Man ist fassungslos, warum die Bundesregierung auf der Grundlage des Außenwirtschaftsgesetzes das nicht strikt unterbindet. Die kleptokratische Clique um Putin, die ihr exorbitantes Vermögen allein dem Ausverkauf von Rohstoffen und der Plünderung des Landes verdankt, hat aber noch weiter gesteckte Ziele. In den letzten Jahren wurde eine militärische Spezialeinheit aufgebaut um sich die Rohstoffe in der langsam von Eis frei werdenden Arktis zu sichern. Die jetzt auf der Krim wehende russische Fahne hat man deswegen schon mal auf dem Meeresboden platziert.

Versäumt wurde leider auch, darüber zu sprechen, welche Gefahr für den Weltfrieden besteht, wenn eine vermeintliche Großmacht wie Russland in eklatanter Weise das Völkerrecht bricht. Wie das mit dem Budapester Memorandum von 1994 geschehen ist, das der Ukraine für die Abgabe ihrer Atomwaffen von Seiten der USA, Russland und Großbritannien die volle Garantie für ihre territoriale Integrität und Souveränität gibt. Gerade mit den Folgen dieses Völkerrechtsbruchs werden wir noch lange zu tun haben. Kein Land, sei es der Iran, Pakistan oder Nordkorea, wird unter diesen Umständen mehr bereit sein, gegen irgendwelche Versprechen freiwillig auf seine Atomwaffen zu verzichten. Wir werden ganz im Gegenteil, als Schutz vor Invasionen, eher die Gefahr einer atomaren Aufrüstung erleben.

Gut, ich will Ihnen und Ihrer Redaktion kein Expose für die nächste Sendung liefern, sondern nur an einigen Beispielen vor Augen führen, wie dürftig Ihre Sendung war, wenn man ernsthaft der extrem wichtigen Frage nachgeht, wie gefährlich Putin ist. Wenn nur etwas von dieser Drohkulisse rüber gekommen wäre, hätte es sich gelohnt. Doch dafür bedarf es einer gründlicheren Vorbereitung und kompetenter Gesprächspartner, die auf mehr als ihre Erfahrungen aus den 90-er Jahren zurückgreifen können.

Als Sie die Sendereihe übernommen haben, war zu lesen, dass Sie es anders als Sabine Christiansen oder Anne Will machen wollen und nicht immer die gleichen Personen einladen werden. Doch offenbar ist dieser Vorsatz schnell verloren gegangen und im „Berliner Salon“ stecken geblieben. Es fehlt nur noch, dass demnächst ihr Freund Mathias Platzeck, der sich von seiner schweren Krankheit schnell erholt hat und statt der Verantwortung für den Berliner Flughafen das Deutsch-Russische-Forum übernommen hat und nass-forsch als Russlandkenner auftritt, demnächst in Ihrer Runde erscheint. Noch besser wären allerdings Gerhard Schröder und Alexander Rahr, dann können Sie sich den russischen Vertreter der Kremlpropaganda sparen.

Mit freundlichen Grüßen

Werner S c h u l z

P.S.: Ich erlaube mir dieses Schreiben öffentlich zu machen.
HPA
 

Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon HPA » 31. März 2014, 13:36

Von einem FB-Freund aus Kiew. Der "faschistische Mob "bei der Arbeit:

kiev.jpg
HPA
 

Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon augenzeuge » 31. März 2014, 15:18

Übrigens, hier eine Info zu den Scharfschützen.

"Die Ermordung von 56 Demonstranten durch Scharfschützen auf dem Maidan in Kiew führte am 20. Februar zur Eskalation der Ukraine-Krise und dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch. Moskau und die ukrainische Übergangsregierung beschuldigen sich gegenseitig, die Killer beauftragt zu haben. Eine US-Nachrichtenseite will nun "starke Indizien" für die Verantwortung des Janukowitsch-Regimes haben.

Der Nachrichtenseite vorliegende Fotos und insgesamt 90 Gigabyte Videomaterial zeigten Männer der Anti-Terrorismuseinheit "Alfa Team" des Geheimdienstes SBU, wie sie sich am 20. Februar im Innenhof der SBU-Zentrale "kampfbereit" machten, schreibt das Nachrichtenportal "The Daily Beast" in einem am Sonntag veröffentlichten Artikel. Das Gebäude befinde sich lediglich drei Straßen vom Maidan (Unabhängigkeitsplatz) entfernt. Viele der Männer seien auf den Bildern von "SBU-Offizieren und privaten Verteidigungsexperten aus einer Vielzahl von westlichen Staaten" als Mitglieder des "Alfa Teams" identifiziert worden.

Der SBU ist die Nachfolgeorganisation des einstigen Ukraine-Ablegers des sowjetischen Geheimdienstes KGB und gilt bis heute als äußerst Moskau-nahe. "
http://derstandard.at/1395363667946/US- ... ew?ref=rss

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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon pentium » 31. März 2014, 15:43

Schäuble vergleicht Putins Krim-Pläne mit Hitlers Politik

Zitat:
"Solche Methoden hat schon der Hitler im Sudetenland übernommen", erklärte der Finanzminister am Montag bei einer öffentlichen Veranstaltung in seinem Ministerium. "Das kennen wir alle aus der Geschichte."

Schäuble bezog sich dabei auf Argumente, die die russische Regierung unter Präsident Wladimir Putin als Rechtfertigung für die Annexion der Krim anführt. Konkret geht es um die Behauptung, russischstämmige Bürger der Ukraine würden bedroht. Ähnlich argumentierten 1938 die Nazis, als sie vorgaben, "Volksdeutsche" in den tschechoslowakischen Randgebieten schützen zu müssen...]

http://www.spiegel.de/politik/ausland/u ... 61680.html

Kann man so einen Vergleich anbringen? Trägt dieser Vergleich zur einer Deeskalation bei?

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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon augenzeuge » 31. März 2014, 16:47

pentium hat geschrieben:Schäuble vergleicht Putins Krim-Pläne mit Hitlers Politik


Naja, ich hatte gestern geschrieben, dass ich das erwarte...es drängte sich fast der Vergleich auf. Deeskalierend soll das sicher nicht wirken, eher wie ein politisches Abseitsverhalten....

In der Vergangenheit bedienten sich viel Politiker der Nazi-Vergleiche, auch jene, von denen man es nicht erwartete.....

Lafontaine sagte: "Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. ... Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben."

"Auch Adolf Nazi war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch", sage Altkanzler Helmut Schmidt....

Jürgen Trittin über CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer, dieser habe "die Mentalität eines Skinheads und nicht nur das Aussehen"

Willy Brandt über CDU-Generalsekretär Heiner Geißler, er sei der "seit Goebbels schlimmste Hetzer in diesem Land"...

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Re: Die Lage in der Ukraine

Beitragvon pentium » 31. März 2014, 17:18

F.A.Z.-Interview mit der Präsidentschaftskandidatin Julija Timoschenko warnt vor Krieg in Europa

Die frühere ukrainische Ministerpräsidentin hat die Annexion der Krim durch Russland mit der Aggression Adolf Hitlers gegen die Tschechoslowakei im Jahr 1938 verglichen. Werde Putin nicht gestoppt, könnten „Hunderttausende sterben“, sagt sie im Interview mit der F.A.Z.

http://www.faz.net/aktuell/politik/f-a- ... 72821.html

Zitat:
Wie eine Filmkulisse

Am Sonntagabend erschien Julija Timoschenko zum Interview mit der F.A.Z. im üppig wie eine Filmkulisse ausgestatteten Fin-de-Siécle-Salon ihres Empfangstrakts im Kiewer Parteihauptquartier. Begleitet wurde sie von ihrer Tochter Jewgenija, die in den Jahren der Haft ihre engste Vertraute geworden ist. Sie trug zum Gehstock, der ihr Begleiter ist, seit sie im Gefängnis einen Bandscheibenvorfall erlitten hat, kostbare Schuhe von atemberaubender Absatzhöhe...]

Vorgestern sehr sehr krank (Bandscheibe), gestern im rollstuhl, heute....

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