IM Czerny

Alles zum Thema Geheimdienste und Sicherheit in der DDR und in der BRD

IM Czerny

Neuer Beitragvon augenzeuge » 16. Juli 2010, 21:19

DDR-Anwälte unterschied man in drei Kategorien: "Die einen spielen mit, die anderen resignieren, die dritten kämpfen gegen ihre Ohnmacht an." (DDR-Jurist Dieter Gräf)

Einer, der mitspielte, war Lothar de Maiziere. Als Sohn von Rechtsanwalt Clement de Maizière, der in der Wende als langjähriger Stasi-Mitarbeiter enttarnt wurde, war der Junior der stets politisch aktiven Familie prädestiniert für eine DDR-Karriere. Seit 1956 in der Ost-CDU ohne eine Funktion dabei, kam mit den ersten freien Wahlen und der Hilfe Kohls, seine große Stunde. Er wurde Ministerpräsident der DDR, der es sogar in seiner kurzen Amtszeit bis zu einem Staatsbesuch in den USA schaffte. Davon hatte Honecker immer geträumt....

Beredt beklagte Lothar de Maiziere am vorletzten Tag seiner Amtszeit als DDR-Ministerpräsident die "Menschenverachtung des alten SED-Staates". Angewidert schilderte der Blockpartei-Politiker beim Hamburger Vereinigungsparteitag der CDU am 1. Oktober 1990, was "in den sechs Millionen Akten der Staatssicherheit aufgezeichnet und abgeheftet" ist: "Hier bespitzelte der Nachbar den Nachbarn, der Bruder den Bruder, der Sohn den Vater, die eigene Frau ihren Mann, der Freund den Freund."

Zitat Spiegel:"Daß auch der Anwalt seine Mandanten und der Kirchenjurist seine Mitbrüder für die Stasi ausforschte, vergaß de Maiziere bei seiner weinerlichen Aufzählung. Dabei wußte er durchaus, wovon er sprach: Der Anwalt und Kirchenpolitiker, Deckname "Czerny", galt dem MfS als "zuverlässige und überprüfte inoffizielle Quelle" für das Referat 4, der Abtlg. XX des MfS."

Was er zu diesem Zeitpunkt seiner Rede nicht ahnte- bis zu Aufdeckung seiner Tätigkeiten für das MfS und seinem Rücktritt waren es noch 10 Wochen....

Bis heute dementiert er die Vorwürfe, IM gewesen zu sein. Das folgende Video stellt die Fakten über den mutmaßlichen IM heraus....
(aus dem Spiegel teilweise zitiert)
AZ
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Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon Hans-Peter » 16. Juli 2010, 21:58

Darf ich als ausgemachter Kritiker der SED-Diktatur und ihres Schwert und Schilds MfS einmal Bedenken anmelden? Nicht alle als IM von der Stasi geführte Personen, haben wissentlich und vorsätzlich für die Stasi spioniert, sondern sind manchmal auch als sogenannte Quellen "abgeschöpft" worden, Nehmt nur einen DDR-Strafverteidiger, der seinen in der Stasi-U-Haft einsitzenden Klienten erst aufsuchen durfte, wenn das Ermittlungsverfahren abgeschlossen war, der Untersuchungsgefangene seinem Untersuchungsführer gegenüber ein Geständnis abgelegt und der das Ermittlungsverfahren (proforma) leitende Staatsanwalt der Abteilung 1a (zuständig für politische Anklagen) an den Beziksstaatsanwaltschaften oder der DDR-Generalstaatsanwaltschaft mit dem Beschuldigten in dem MfS-Untersuchungsgefängnis das sogenannte "Abschlussgespräch" geführt hatte. Ich bin dreimal von dem Anwalt meiner Wahl aufgesucht worden im Stasi-U-Haftknast in Frankfurt/Oder. Das erste Mal nach dem Abschlussgespräch des Staatsanwalts mit mir. Dort ging er mit mir noch mal die Anklagepunkte durch, fragte ob ich gestanden hätte. Informierte mich dann, dass es keinen Anklagepunkt Spionage gegen mich geben werde, die man schon dann angehangen bekam, wenn man leichtfertig und naiv bei den Vernehmungen gestand, über alles was man aus seiner NVA-Militärzeit wusste, bei geglückter Flucht den westdeutschen Behörden darüber berichtet hätte. Dann ließ er mir eine Packung F 6 da und war wieder weg. Offiziell war ich mit meinem Anwalt in einem Besprechungszimmer allein, hatte keinen Bewacher dabei, war nur mit "Eskorte" dorthin geleitet worden. Beim zweiten Mal kam der Anwalt wenige Tage vor der Verhandlung. Informierte mich über seine "Verteidigungsstrategie" und warnte mich vor dem Staatsanwalt, dass ich mir selber ein Bein stellen würde, wenn ich Partei, Staatsführung, die Grenzsoldaten der DDR, das MfS verbal angreifen, meine "staatsfeindlichen Hetzargumente" weiter verteidigen und darauf beharren würde, nicht mehr in der DDR leben zu wollen. Dann wolle er in seiner Verteidigung meine problematische Kindheit ohne Eltern und in den Kinderheimen und meine Suche nach einem Zuhause zu meiner Entlastung vorbringen. Zum Schluss F 6. Dann war er weg. Auf mein Bitten legte er gegen die fünf Jahre und zehn Monate Berufung ein, wie man es auch ohne große Hoffnung als Verurteilter tat, nur um deutlich zu machen, dass man sich als unschuldig verurteilt und nicht als krimineller Verbrecher fühlt. Dann kam er Ende November nochmal, rügte mich, dass ich doch politisch gegen "unseren sozialistischen Staat und seine Errungenschaften sowie seine Organe vor Gericht ausfällig" geworden sei und mir "das Strafresultat selber zuzuschreiben habe". Die Berufung sei vom OG abgelehnt. Ich werde nun bald auf Transport in den Strafvollzug gehen. F 6, weg war er für immer. Hat wie ein Pflichtverteidiger gehandelt, obwohl er von meinem Sparkonto bezahlt wurde. Aber ich war mir bei jedem seiner Besuche klar, die Stasi hört widerrechtlich mit, auch den Zellengesprächen lauschte sie mittels Abhöranlage, bin ich mir sicher. Und von den mitgehörten Gesprächen und so erlangten Informationen bildeten die MfS-Leute das, was sie ihrer Quelle Sowieso zuschrieben, die nicht immer von diesem abgehörten gesprächsverlauf und die so erlangten Infos wussten. Ich habe darüber Aufschluss in meinen Stasiakten bekommen. Das wollte ich nur zu Bedenken geben, obwohl ich im Fall IM Czerny/de Maziere nichts konkretes weiß. HP
Hans-Peter
 

Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon augenzeuge » 16. Juli 2010, 22:36

Hans-Peter, ich freue mich über deine sachlich vorgebrachten Bedenken in diesem Fall. Kritiken müssen und sollen sein.
Natürlich müssen auch deine Möglichkeiten mit eingebracht werden. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die bisherigen Fakten in der Gesamtheit dieses Falles, deiner geschilderten Denkweise widersprechen.
AZ
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Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon Hans-Peter » 16. Juli 2010, 22:52

augenzeuge hat geschrieben:Hans-Peter, ich freue mich über deine sachlich vorgebrachten Bedenken in diesem Fall. Kritiken müssen und sollen sein.
Natürlich müssen auch deine Möglichkeiten mit eingebracht werden. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die bisherigen Fakten in der Gesamtheit dieses Falles, deiner geschilderten Denkweise widersprechen.
AZ


hallo Jörg, Du weißt dass ich wegen staatsfeindlicher Hetze und Republikflucht im Osten gesessen habe und noch heute Kritiker der SED-Diktatur bin. Meine Bedenken zielen lediglich auf die Art und Weise, wie die Stasi auch in Ausnahmefällen Unwissende als Quelle abhörte und abschöpfte. Und ich darüber auch schon beruflich als Journalist recherchiert habe, habe ich hier auch über diese niederträchtige Art der Informationsbeschaffung informieren wollen. Leider kann ich, wie schon von mir vermerkt, nichts zum Fall de Maiziere beitragen nur diesen: Meine Neustrelitzer Mecklenburger sagten beim Amtsantritt von de Maziere. "Fröher harn wi disse Honecker un sin Äsel, wegger de Sotzlismus nich upholn - na ji weit jau. Un nu hemm wi de Misseer... ( die Misere, de Maziere)
Hans-Peter
 

Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon Berliner » 20. Juli 2010, 03:48

ein kurzer Clip von Lothar de Maiziere aus dem Dokufilm "Die Honeckers" von Thomas Grimm.

Natuerlich fand ich ihn sympatisch. Er aeusserte sich zur Schwierigkeit, eine Unterkuenft fuer Honecker nach seiner Absetzung zu finden.

Berliner [hallo]

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Genie kann es nicht - unbelohntes Genie ist nahezu ein Sprichwort.
Ausbildung kann es nicht - Die Welt ist voll von ausgebildeten Obdachlosen.


Beharrlichkeit und Ausdauer alleine sind allmaechtig.


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Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon augenzeuge » 12. März 2011, 14:24

Aus dem Spiegel 10.12.1990:

Aus einer bislang nur Eingeweihten bekannten "Territorial-Kartei", registriert als F 78, fischte ein Mitarbeiter des Bundesbeauftragten für Stasi-Akten, Joachim Gauck, eine "Findekarte", auf der zum erstenmal das Stasi-Pseudonym "Czerny" mit de Maiziere direkt verknüpft wird: Der Inoffizielle Mitarbeiter (IM) "Czerny, Reg.-Nr. XV/3468/81", wohnt laut Karteikarte Am Treptower Park 31 - das ist die Adresse Lothar de Maizieres.

Als starker Mann in XX/4 galt Major Edgar Hasse, Deckname "Holger Klein" oder "Edgar". Er führte insgesamt acht Inoffizielle Mitarbeiter, darunter zwei IM, nämlich "Bob" und "Czerny".

Die Revisoren vom ZAIG verlangten von Hasse und seinen Kollegen eine lückenlose Aufstellung über die von ihnen geführten Agenten. Die Offiziere der XX/4 mußten genau aufzählen, wann sie wen in welchen konspirativen Wohnungen trafen.

Einer der Revisoren, denen die damals noch vollständig vorhandenen IM-Akten vorlagen, schrieb säuberlich die jeweiligen Klarnamen unter die bekannten Decknamen. So kommt es, daß der IM "Czerny" - diesmal "Cerni" geschrieben, aber mit der richtigen Registriernummer gekennzeichnet - im XX/4-Dossier unter seinem bürgerlichen Namen aufgeführt wird: Lothar de Maiziere.

"Czerny" war in der Stasi-Einschätzung kein gewöhnlicher Inoffizieller Mitarbeiter. Sein Draht zur Bonner Vertretung trug ihm einen besonderen Status ein. Als IMB gehörte er zu den Elite-Zuträgern.

"Czernys" Rang für die Stasi ergibt sich aus einem Passus im Bericht der ZAIG-Revisoren. In ihrer zusammenfassenden Kritik an der Arbeit des Referats XX/4 monieren sie, daß für einen mehrfach einsetzbaren IM - wie "z. B. IMB Czerny" -, der sowohl für XX/4 als auch für die Spionage-Abteilung II tätig war, "keine Einsatzkonzeption erarbeitet worden" sei.

Im Klartext: Der Rohdiamant "Czerny", so urteilten die Revisoren, könne, geschickt und gezielt eingesetzt, zum funkelnden Stasi-Juwel werden.

Weiteres der Kämpfer gegen "Pid" und "Put"(politisch-ideologischer Diversion und politischer Untergrundtätigkeit):
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13501875.html


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Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon augenzeuge » 4. Oktober 2015, 18:21

Was Lothar de Maizière dazu trieb, IM zu werden

Als ihr letzter Ministerpräsident führte Lothar de Maizière die DDR in die Wiedervereinigung. Kurz darauf wurde er als "IM Czerny oder Czerni" enttarnt. Ein beklemmendes Stück Einheitsgeschichte.

Warum hat Lothar de Maizière mit der Stasi zusammengearbeitet, was versprach er sich davon? Major Hasse des MfS äußerte sich vor der Sendung auch dazu: "Geld spielte eigentlich keine Rolle. De Maizière erhielt aber gelegentlich Geschenke" – laut Akten zwischen 1986 und 1988 im Gesamtwert von 1476 Mark. Nicht viel. Doch wer als Rechtsanwalt in der DDR arbeiten durfte, war genug belohnt und hatte bei etwaiger Stasi-Arbeit keinen Anspruch auf Zubrot.

Major Hasse zog eine andere Erklärung vor. "Mein Eindruck war, dass er glaubte, mit diesen Gesprächen von seiner bürgerlich-humanistischen Position aus zu gesellschaftlichen Entwicklungen in der DDR beizutragen, in der insbesondere solche Aspekte wie Rechtsstaatlichkeit und humanitäre Fragen gefördert würden. Hierzu lieferte er kircheninterne Einschätzungen, etwa aus der Synode, und aus Gesprächen mit verschiedensten wichtigen Kirchenvertretern, sicherlich auch Bischoff Forck und Konsistorialpräsident Stolpe."

http://www.welt.de/geschichte/article14 ... erden.html

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Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon Merkur » 23. Dezember 2015, 18:51

augenzeuge hat geschrieben:Major Hasse zog eine andere Erklärung vor. "Mein Eindruck war, dass er glaubte, mit diesen Gesprächen von seiner bürgerlich-humanistischen Position aus zu gesellschaftlichen Entwicklungen in der DDR beizutragen, in der insbesondere solche Aspekte wie Rechtsstaatlichkeit und humanitäre Fragen gefördert würden.
AZ


Ist das verwerflich?
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
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Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon augenzeuge » 23. Dezember 2015, 19:28

Nein, aber es war ja nur die andere Erklärung.... [grins]
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Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon HPA » 23. Dezember 2015, 19:40

Merkur hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:Major Hasse zog eine andere Erklärung vor. "Mein Eindruck war, dass er glaubte, mit diesen Gesprächen von seiner bürgerlich-humanistischen Position aus zu gesellschaftlichen Entwicklungen in der DDR beizutragen, in der insbesondere solche Aspekte wie Rechtsstaatlichkeit und humanitäre Fragen gefördert würden.
AZ


Ist das verwerflich?


Ja, spätestens dann, wenn Mandantenverrat ins Spiel kommt. Anonsten ziemlich naive Motivation, sich als IM für die Stasi anheuern zu lassen.
HPA
 

Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon Merkur » 23. Dezember 2015, 19:55

HPA hat geschrieben:Ja, spätestens dann, wenn Mandantenverrat ins Spiel kommt.


Kam denn "Mandantenverrat" ins Spiel?
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
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Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon HPA » 24. Dezember 2015, 13:13

Logisch, das Du jetzt nach " Beweisen" plärrst.

Der Reisswolf hat doch treue Dienste geleistet. Insbesondere, da Czerny kein gewöhnlicher IM war. [grins]
HPA
 

Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon Merkur » 24. Dezember 2015, 16:58

HPA hat geschrieben:Logisch, das Du jetzt nach " Beweisen" plärrst.


Du hast also mal wieder spekuliert. Ich habe nichts anderes erwartet.
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
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Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon Interessierter » 24. Dezember 2015, 18:50

Man muss aber nicht spekulieren, sondern kann hier nachlesen, dass ehemalige willfährige Diener dieser SED - Diktatur, immer nach Beweisen fragen, wohlwissend dass diese natürlich vernichtet wurden. [grin]

Sie glauben damit das Unrecht, die Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen des Regimes verharmlosen zu können. Wer möchte sich schon nachsagen lassen, dass man - wie sie - einen vorbestraften oder gar Mörder als Chef hatte ?
Interessierter
 

Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon HPA » 24. Dezember 2015, 20:03

Da braucht man überhaupt nicht spekulieren, sondern kann sich an den Fingern einer Hand abzählen, über was sich ein Rechtsanwalt, welcher sich in gewissen Kreisen in der DDR bewegte, mit der Stasi geplaudert hat.
HPA
 

Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon Merkur » 25. Dezember 2015, 10:46

HPA hat geschrieben:Da braucht man überhaupt nicht spekulieren, sondern kann sich an den Fingern einer Hand abzählen, über was sich ein Rechtsanwalt, welcher sich in gewissen Kreisen in der DDR bewegte, mit der Stasi geplaudert hat.


Na dann schreib doch mal konkret auf, was Du aus Deiner Hand liest. Mir ist im Gegensatz zur Schnur ein solcher Verdacht gegen "Czerny" nie begegnet. Das liegt aber vielleicht daran, dass ich da nicht so tiefgehend wie Du informiert bin. Und selbst wenn sein IM-Vorgang oder Teile daraus vernichtet worden sind, wäre das:
1. anhand des Vorganges nachvollziehbar (wenn Du schon mal einen von innen gesehen hast, weißt Du, was ich meine)
2. anhand der "Opfer"-Akten nachzuvollziehen. Mir ist nicht bekannt, dass seine Mandanten einen solchen Verdacht gegen ihn geäußert hätten.
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
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Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon HPA » 25. Dezember 2015, 10:59

Wer sagt denn ,dass ich von konkretem Mandantenverrat spreche? Ein Rechtsanwalt ,welcher sich mit der Stasi einlässt, wird wohl kaum mit denen über das Wetter plaudern. [flash]

Und da steht dann sehr schnell dieser Vorwurf im Raum.

Ich habe die Berufsbezeichnung und deren besondere Rechtsstellung für Dich nochmal unterstrichen.Vielleicht verstehst Du dann ,auf was ich hinaus will.

Zitat: Aus der Registriernummer erschließt sich, daß "Czerny" seit 1981 für die Stasi dienstbar war. Unter vier Punkten führt der Revisor auf, was an diesem IM interessant schien:
* Hinweise auf Dekonspiration gegenüber Kirche (im
Stasi-Deutsch: Die Zielgruppe hegt keinen Verdacht
gegen den IM);
* Treffs finden unter anderem in Wohnung/ Büro des IM
statt,
* Bundessynodaler, als Rechtsanwalt für Kirche tätig;
* Verbindungen zu leitenden Mitarbeitern der StäV
(Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin).

"Czerny" war in der Stasi-Einschätzung kein gewöhnlicher Inoffizieller Mitarbeiter. Sein Draht zur Bonner Vertretung trug ihm einen besonderen Status ein. Als IMB gehörte er zu den Elite-Zuträgern. "B" steht für Bearbeitung von Agenten und Oppositionellen, die unmittelbar "an feindlich tätigen Personen oder in Verdacht der Feindtätigkeit stehenden Personen arbeiten, deren Vertrauen besitzen, in ihre Konspiration eingedrungen sind und auf dieser Grundlage Kenntnis von deren Plänen, Absichten, Maßnahmen, Mitteln und Methoden erhalten".
HPA
 

Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon Merkur » 25. Dezember 2015, 12:24

HPA hat geschrieben:Wer sagt denn ,dass ich von konkretem Mandantenverrat spreche?


Na immerhin hast DU das Thema wie folgt ins Gespräch gebracht:
"Ja, spätestens dann, wenn Mandantenverrat ins Spiel kommt."

Von konkretem Mandantenverrat konntest Du ja nun aufgrund fehlender Belege auch nicht sprechen.
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
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Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon HPA » 25. Dezember 2015, 12:43

Wie ich schon schrieb, czerny wird mit den Stasis wohl kaum über das Wetter geplaudert haben. Und wie ich schon schrieb, ein Rechtsanwalt , welcher sich auf eine derartige Zusammenarbeit einlässt , setzt sich sehr schnell dem Verdacht des Mandantenverrats aus. Das meine ich übrigens sehr allgemein.

Und angesichts gezielter Schredderaktionen Belege einzufordern kommt einer Verhöhnung derjenigen gleich, welche von solchen Typen wie czerny und Co an die Stasi verraten wurden.
HPA
 

Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon Merkur » 25. Dezember 2015, 13:02

HPA hat geschrieben:Wie ich schon schrieb, czerny wird mit den Stasis wohl kaum über das Wetter geplaudert haben. Und wie ich schon schrieb, ein Rechtsanwalt , welcher sich auf eine derartige Zusammenarbeit einlässt , setzt sich sehr schnell dem Verdacht des Mandantenverrats aus. Das meine ich übrigens sehr allgemein.

Und angesichts gezielter Schredderaktionen Belege einzufordern kommt einer Verhöhnung derjenigen gleich, welche von solchen Typen wie czerny und Co an die Stasi verraten wurden.


Also wieder mal "hätte hätte Fahrradkette". Und das Totschlagargument der "Opferverhöhnung" signalisiert mir deutlich Dein planloses Stochern im Nebel. Es gibt doch keinen Anhalspunkt dafür, dass aus dem IM-Vorgang Berichte und dgl. verschwunden sind. Und es kam bei mir auch nichts an, dass sich aus "Opfer"-Akten ein Verrat von Mandanten ergeben hätte. Es fällt mir schwer daran zu glauben, dass alle diese Dinge und Querverbindungen vernichtet worden sein sollen.
Über das Wetter werden IM und FO ganz sicher nicht geplaudert haben, da stimme ich mit Dir überein. Aber der Beruf von "Czerny" setzt nicht einen Mandantenverrat gleich. Vielmehr hatte er außerhalb seines Berufes durchaus operativ interessante Kontakte, was ja auch seine Anbindung an die Linie XX/4 unterstreicht. Ich habe bei einigen IM auf der Kirchenlinie eine Motivation erkennen können, die ich für legitim halte.
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
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Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon Interessierter » 25. Dezember 2015, 17:16

Zitat Merkur:
Es gibt doch keinen Anhalspunkt dafür, dass aus dem IM-Vorgang Berichte und dgl. verschwunden sind. Und es kam bei mir auch nichts an, dass sich aus "Opfer"-Akten ein Verrat von Mandanten ergeben hätte.


Wenn zur grossen Anzahl verschwundener/vernichteter Akten des " Czerny " aber immerhin noch die leeren Aktendeckel gefunden wurden, so ist das natürlich für Dich kein Beweis. Nein, die leeren Aktendeckel haben die Stasimitarbeiter einfach aus langer Weile beschriftet.

Wenn in Sachen Verrat an Mandanten bei Dir nichts angekommen ist, liegt das evtl. an mangelhafter Kenntnis aufgrund ungenügender Recherche? Also allwissende Fachleute habe ich bisher weder in diesem, noch in anderen Foren gefunden, aber eben welche, die sich gerne selbst dafür halten. [wink]

Ich will Dir aber gerne behilflich sein und Dir ein Beispiel aus dem Scheidungsverfahren der Eheleute Astrid und Willy Schreiber anfügen.
Dabei wurde seine Frau auch von dem mit der Scheidung betrauten Anwalt Schreibers, dem späteren „Einheits-Politiker“, de Maizière unterstützt, der als IM „Czerny“, die Fluchtabsichten seines Mandanten an die Stasi meldete, wie aus einer Notiz des MfS hervorging.

Auf der Seite 9 der Aktenauszüge kannst Du das gerne nachlesen. Desweiteren kannst auf auf der letzten Seite und einer der vorherigen lesen, wie auch eine Liquidation als alternative Vorgehensweise angeboten wird.

In der Hoffnung, dass Du Dir zu Weihnachten auch gewünscht hast, dass mehr Informationen " bei Dir ankommen ", hier der Link dazu:

http://www.imb-czerny.de/
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Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon Interessierter » 25. Dezember 2015, 19:54

Ergänzend dazu auch dieses:

Notizen von Willy Hieronymus Schreiber zu IMB „Czerny” alias Lothar de Maiziére (Rechtsanwalt und letzter Ministerpräsident der DDR)

Willy Hieronymus Schreiber berichtet von seinen Bemühungen, die gewählten Vertreter des Deutschen Volkes (Christian Wulff, Prof. Norbert Lammert) darauf aufmerksam zu machen, dass es sich bei dem hofierten und geehrten Bürger Lothar de Maiziére um den Unbürger IMB „Czerny” handelt, einem gemeinen STASI-Spitzel, der entgegen seiner anwaltlichen Schweigepflicht mit dem MfS zusammengearbeitet und dadurch seinen Mitbürgern Schaden zugefügt hat.

m Jahre 2000 erschien mein erstes Buch „Im Visier“, eine Dokumentation, basierend auf ca. 5000 Seiten MfS/Stasi-Akten zu meiner Person.

Dieses Buch musste ergänzt und z.T. umgeschrieben werden, da im Jahre 2008 neue Akten und Unterlagen der BSIU aufgefunden und mir ungeschwärzt vom Bundesarchiv Berlin zugesandt wurden.

Es sind brisante Beweis-Unterlagen, die eindeutig zeigen, dass mich „im Sommer 1981“ der Berliner Rechts(?)Anwalt Lothar de Maiziére (IMB „Czerny“), letzter Ministerpräsident der ehemaligen DDR und direkter Zuträger der Staatssicherheit der DDR (MfS) in kollusiver* Verbindung denunzierte und falsche Informationen über mich an MfS/Stasi lieferte!!!

Diese Denunzierungen, ein Straftatbestand, waren der Anlass zu meiner nicht freiwilligen Flucht nach West-Berlin und führten zur weiteren Verfolgung im Westen, im gesamten westlichen Ausland mit ungeahnten Drangsalierungen und Verunsicherungen, mit Zersetzungen und Mordversuchen. So liegt mir u.a. die schriftliche und ungeschwärzte Bestätigung von Generalleutnant W. Schwanitz zur „Liquidierung auf frischer Tat“ (Mordbefehl) im sog. „Operationsgebiet“ vor.

Diese Unperson Lothar de Maiziére trägt somit beweisbar eine erhebliche Schuld! Er ist ein DDR-Staatsverbrecher. Dieser Anwalt, der seine anwaltliche Tätigkeit missbraucht hat, ist heute in der Bundesrepublik wieder in Organisationen, Gesellschaften und politischen Einrichtungen als Berater aktiv tätig. Das Wort „Der größte Lump im ganzen Land, dass ist und bleibt der Denunziant”, trifft auf Lothar de Maiziére zu!

http://www.berliner-mauer.de/zeitzeuge- ... ziere.html

Schlussendlich noch dieser Videoclip mit dem ab Minute 2 beginnendem interessanten Interview:

Interessierter
 

Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon HPA » 26. Dezember 2015, 16:15

Merkur hat geschrieben:
HPA hat geschrieben:Wie ich schon schrieb, czerny wird mit den Stasis wohl kaum über das Wetter geplaudert haben. Und wie ich schon schrieb, ein Rechtsanwalt , welcher sich auf eine derartige Zusammenarbeit einlässt , setzt sich sehr schnell dem Verdacht des Mandantenverrats aus. Das meine ich übrigens sehr allgemein.

Und angesichts gezielter Schredderaktionen Belege einzufordern kommt einer Verhöhnung derjenigen gleich, welche von solchen Typen wie czerny und Co an die Stasi verraten wurden.


Also wieder mal "hätte hätte Fahrradkette". Und das Totschlagargument der "Opferverhöhnung" signalisiert mir deutlich Dein planloses Stochern im Nebel. Es gibt doch keinen Anhalspunkt dafür, dass aus dem IM-Vorgang Berichte und dgl. verschwunden sind. Und es kam bei mir auch nichts an, dass sich aus "Opfer"-Akten ein Verrat von Mandanten ergeben hätte. Es fällt mir schwer daran zu glauben, dass alle diese Dinge und Querverbindungen vernichtet worden sein sollen.
Über das Wetter werden IM und FO ganz sicher nicht geplaudert haben, da stimme ich mit Dir überein. Aber der Beruf von "Czerny" setzt nicht einen Mandantenverrat gleich. Vielmehr hatte er außerhalb seines Berufes durchaus operativ interessante Kontakte, was ja auch seine Anbindung an die Linie XX/4 unterstreicht. Ich habe bei einigen IM auf der Kirchenlinie eine Motivation erkennen können, die ich für legitim halte.


Nun , Deine Meinung sei Dir unbenommen. Meine Meinung ist nun mal, dass sich der Berufsethos eines Rechtsanwalts nicht mit der heimlichen Zusammenarbeit eines Geheimdienstes einer totalitärem Diktatur vereinbar ist. Ich vermag da auch nichts legitimes zu erkennen.
Genügt Dir das?
Allein schon das Einsetzen des Begriffs Opfer in Anführungszeichen zeigt sehr eindrücklich, wessen Geistes Kind Du bist.

Wie man Dir bereits schon vor längerem in einem anderen Forum schrieb: Du verbringst zuviel Zeit mit den alten Genossen. Es muss nicht immer alles zwangsläufig stimmen was diese Dir erzählen. [wink]
HPA
 

Re: IM Czerny

Neuer Beitragvon Merkur » 27. Dezember 2015, 12:48

HPA hat geschrieben:Allein schon das Einsetzen des Begriffs Opfer in Anführungszeichen zeigt sehr eindrücklich, wessen Geistes Kind Du bist.
Wie man Dir bereits schon vor längerem in einem anderen Forum schrieb: Du verbringst zuviel Zeit mit den alten Genossen. Es muss nicht immer alles zwangsläufig stimmen was diese Dir erzählen. [wink]


Wessen Geistes Kind ich bin, vermagst Du aus Deiner Oberflächlichkeit heraus gewiss nicht beurteilen zu können. Ich unterscheide grundsätzlich nicht pauschal in die Kategorien "Täter" und "Opfer". Mir sind wohl auch zu viele begegnet, die auf "Opfer" machen wollten. Der Eine oder Andere sitzt noch immer ein. Daher schaue ich genau hin und verwende diese Begriffe nicht inflationär.
Die Kontakte zu ehemaligen leitenden Kadern haben mich in meinen Forschungsgebieten weit voran gebracht. Und es haben sich für mich Perspektiven eröffnet, die andere gern gehabt hätten. Natürlich müssen Ihre Aussagen nicht zwangsläufig stimmen aber sie haben mich oft in die richtige Richtung geführt, sodass ich mir einen guten Gesamtüberblick verschaffen und mich dann dem Detail widmen konnte.
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
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