karnak hat geschrieben:Und ich habe lediglich meine Verwunderung zum Ausdruck gebracht zu diesen " Agentenschleusen " durch dreckige Kanalrohre wenn es augenscheinlich elegantere und völlig risikolose Möglichkeiten gab. Ich habe nicht behauptet, dass ich etwas weiß.
Ein Dokument aus der HA I des MfS berichtet im Jahr 1987 von dreißig bis fünfzig konspirativen Durchlässen pro Grenzregiment (es gab zu diesem Zeitpunkt 18 Grenzregimenter).
Neben den Grenzschleusen existierten im Rahmen der operativen Grenzarbeit des MfS sogenannte Grenzübertrittstellen. Dabei handelte es sich um aufgeklärte und für ein konspiratives Überwinden der Staatsgrenze geeignete Grenzabschnitte für IM, die erforderliche Grenzübertritte ohne Nutzung einer operativen Grenzschleuse vollziehen konnten und sollten, beispielsweise im Rahmen eines festgelegten Fluchtweges aus dem Operationsgebiet.
Die IM waren hierbei vor beziehungsweise nach dem Grenzübertritt auf sich allein gestellt und im Unterschied zur Arbeit mit Grenzschleusen nicht durch operative Kräfte des MfS abgesichert. Generell galt für alle Grenzübertrittstellen, dass der Grenzübertritt bis auf das den pionier-technischen Anlagen vorgelagerte Territorium der DDR erfolgte, da die IM die Sperranlagen nicht selbstständig und gefahrlos überwinden konnten.
War das Überwinden der pionier-technischen Anlagen erforderlich, hatte der verantwortliche Mitarbeiter in Abhängigkeit von der beabsichtigten Zielstellung durch geeignete Maßnahmen die dafür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.
Machten sich bei der Überwindung der pionier-technischen Anlagen Spezialkenntnisse erforderlich, waren Offiziere für Sonderaufgaben der HA I in die Realisierung der Maßnahmen einzubeziehen.
An die Auswahl und Aufklärung sowie den Aufbau und die Erprobung von Grenzschleusen als Komplex aufeinander abgestimmter operativer Maßnahmen wurden folgende Grundanforderungen gestellt:
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- Ausgehend von der Zweckbestimmung der Grenzschleuse (Personen- oder Materialschleuse) musste gewissenhaft geprüft und durch die entsprechenden Leiter entschieden werden, welche operativen Kräfte und Mittel eingesetzt werden sollten.
- Zur Aufklärung und Erprobung operativer Grenzschleusen sollten nur IM (DDR) eingesetzt werden, die als Einzelkämpfer oder im Gruppeneinsatz auf der jeweiligen Grenzschleuse arbeiteten. Der Einsatz inoffizieller Kräfte aus dem Operationsgebiet bildete die Ausnahme und bedurfte einer leitungsmäßigen Bestätigung.
- Für jede operative Grenzschleuse sollte eine Reserveschleuse vorhanden sein. Sie musste in ihrer Wertigkeit der Hauptschleuse gleichgestellt sein. Bei der Auswahl war insbesondere zu beachten, dass zur Gewährleistung der Funktionstüchtigkeit (Einsatz von Schleuser-IM) die gleichen Anforderungen wie bei der Hauptschleuse gegeben sein mussten.
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Aus Henry Nitschke, "An der unsichtbaren Front".