Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon augenzeuge » 26. September 2020, 12:30

OaZ hat geschrieben:Im Grenzgebiet kam für die jungen Leute erschwerend dazu, dass sie nicht so einfach jemanden kennenlernen konnten.


Ja, ohne Zweifel, das stelle ich mir sehr schwer vor. [denken]

Es war also leicht für einen AGT möglich, nach dem Dienst im Ort zu bleiben?

AZ
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon OaZ » 26. September 2020, 13:12

augenzeuge hat geschrieben:
Es war also leicht für einen AGT möglich, nach dem Dienst im Ort zu bleiben?

AZ


Nein. Siehe oben.
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon augenzeuge » 26. September 2020, 13:14

OaZ hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:
Es war also leicht für einen AGT möglich, nach dem Dienst im Ort zu bleiben?

AZ


Nein. Siehe oben.


Ja, ok, hatte letzten Satz überlesen. So dachte ich mir das auch.

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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon OaZ » 26. September 2020, 21:38

Grenzertagebuch 26 A

Zum ersten Mal als Kontrollstreife im SiA 5

Erstmals erlebe ich aktiv den SiA 5. Ich bin im Spätaufzug (sog. Tagschicht) als Kontrollstreife eingesetzt, diesmal mit meinem 2. Gruppenführer. Dieser heißt Uwe, stammt aus Köthen, hat einen fürchterlichen anhaltinischen Dialekt und einen Silberblick. Als vor wenigen Jahren das Opposum Heidi aus dem Leipziger Zoo die Herzen der Leipziger und anderer eroberte, musste ich wieder an Uwe denken ... Es dauert eine Weile,ehe man weiß, wohin er gerade sieht. Und es ist anstrengend, sich mit ihm zu unterhalten und ihm dabei in die Augen zu schauen.

Er befindet sich im 2. DHJ, ist von kräftiger Gestalt (man könnte ihn für einen Schmied halten) und erst seit wenigen Monaten an der Grenze. Die Soldaten respektieren ihn noch nicht als Gruppenführer, er hat einen schweren Stand, bemüht sich jedoch, sich zu behaupten. Dies gelingt ihm mit zunehmender Dienstzeit immer besser.

Wir beginnen die Spätschicht in der Nähe von Tor 10. Hier befindet sich fast die Trennungslinie zum SiA 6, die man sich jedoch denken muss, weil keine Linien oder andere markante Punkte eingezeichnet sind.

Uwe hat einen straffen Schritt und ist gut gelaunt. Mir gefällt seine Art, ich habe ein gutes Gefühl und freue mich auf Wissenszuwachs.
Ich habe den Vorteil, dass ich frisch Gelerntes bei der nächsten Schicht als K-SiA mit der topografischen Karte abgleichen kann und stelle fest, dass der Merkprozess zügig voran geht. Und ich bin, ohne arrogant wirken zu wollen, zugegebenermaßen nicht unzufrieden mit mir.

Wir laufen entlang des hinteren Grenzsignalzaunes und suchen am Zaun und auf dem 2-Meter-Kontrollstreifen nach Spuren, die auf ein illegales Überwinden des Zunes hindeuten könnten ...
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon augenzeuge » 26. September 2020, 21:54

Wie sah es mit den Schießergebnissen von Uwe aus? [angst]

Fällt mir Preil und Herricht mit der Armbrust ein: "Sag, guckst du dahin, wohin du schießt?" [flash]

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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon OaZ » 28. September 2020, 17:29

augenzeuge hat geschrieben:Wie sah es mit den Schießergebnissen von Uwe aus? [angst]
...
AZ


Ich weiß es offen gesagt nicht mehr.

1x im Halbjahr ging es auf den sog. Böller (Truppenübungsplatz) in relativer Nähe von Eisenach. Für 3 Tage. Ich habe das nie gemocht. Die verbleibenden 3 Grenzkompanien mussten den Dienst mit übernehmen. Und so merkwürdig das klingt: Das fand nicht nur ich ziemlich gut. Dadurch kam kurzzeitig eine gewisse Regelmäßigkeit im Dienst auf (allerdings eben nur für 3 Tage).
Ansonsten ging man von der Früh- ind die Spät- und von der wiederum in die Nachtschicht. Der Körper konnte überhaupt keinen Rhythmus finden. Das führte nicht selten dazu, dass Berufssoldaten schon mit Ende 20 fast doppelt so alt aussahen.

Ich habe ein wirklich krasses Beispiel selbst erlebt: Der neue stv. KC unserer Kompanie (übrigens der Sohn eines GT-Generals) kam mit 25 zu uns. Er sah aus wie Mitte 30 oder noch älter.
Oft kam bei den Berufssoldaten übermäßiger Kaffee- und Nikotinkonsum dazu (wer noch dazu was und wieviel daheim nach dem Dienst trank, darüber kann man nur spekulieren) ... ich kenne einige, die sehr jung schon extrem verbraucht aussahen und sich auch so fühlten.

Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang ein wohl eher merkwürdiger Todesfall eines 28jährigen Berufssoldaten, der in Geisa wohnte und in Andenhausen diente ...
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon OaZ » 28. September 2020, 21:16

Grenzertagebuch 26 B

... Diese Tätigkeit ist langweilig und stupide und bereits nach wenigen Minuten lässt die Konzentration nach.
Der 2-Meter-Spurenstreifen ist alles andere als gut überprüfbar, die Rhön ist halt ein Mittelgebirge und hier gibts viele Steine. Ist im märkischen Sand oder im tiefsten Mecklenburg sicher etwas anders. Aber wir sind nun mal hier und müssen mit diesen Widrigkeiten leben.

Bereits nach wenigen Minuten liegt zu unserer Rechten das Dorf Geismar. Der Kirchturm ist weithin sichtbar und kann sehr gut zur Orientierung genutzt werden.
In den 1990er Jahren und später werde ich hier mein Privatquartier finden, werde vom Balkon meiner Ferienwohnung einen herrlichen Blick auf die Rhön mit dem Rockenstuhl (von fast allen Punkten aller Abschnitte aus sichtbar und sehr gute Orientierungshilfe) haben, mit Kirchenglocken geweckt werden und die schönste Kneipe der Rhön, die in Spahl befindliche "Heile Schern" (http://www.heileschern.de/) quasi fast vor der Haustür haben.
Wenn ich das 1982 bereits gewusst hätte, hätte mir das Ablaufen des Zweiers sicher Freude bereitet.

Die links im Sicherungsabschnitt befindlichen Felder sind längst abgeerntet und sehen alles andere als schön aus. Als Kontrollstreife hat man für die Schönheiten der Natur ohnehin kaum mal einen Blick. Die Zeit sitzt einem im Nacken.
Wir ziehen als beauftragte DDR-Volkszählungskontrolle weiter in Richtung Norden, wollen bzw. sollen weniger als 4 Stunden für unsere Aufgabe brauchen. Es ist warm aber dennoch erträglich ...
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon OaZ » 3. Oktober 2020, 16:53

Grenzertagebuch 26 C

... Unterwegs auf unserem Kontrollgang passiert nichts Aufregendes, nichts Spektakuläres. Nicht immer gibts Halli-Galli an der Grenze und das ist auch gut so.
Nach knapp 3 Stunden laufen wir am Tor 6 entlang und Uwe stoppt. Wir sind direkt am Ortsausgang Wiesenfeld angekommen, sehen linkerhand in einigen hundert Meter Entfernung die Füst 5 und blicken durch den Hinterlandszaun auf die Buswendeschleife, die sich direkt hinter (aus unserer Sicht, denn wir stehen ja im Abschnitt) Tor 6 befindet.

Tolle Sehenswürdigkeit ... denke ich leicht spöttisch, aber dann erklärt mir Uwe, weshalb er kurz gestoppt hat.
In unmittelbarer Nähe befindet sich die Gedenkstätte für Hptm. Rudi Arnstadt, der hier in Wiesenfeld als KC tätig war, bis er 1962 in Ausübung seines Dienstes unter bis heute nicht ganz geklärten Umständen ums Leben kam. Der eigentliche Todesort, die heute so genannte Rudi-Arnstadt-Höhe (PoP 17) befindet sich ca. 250 Meter Luftlinie entfernt direkt am Kolonnenweg.
Noch heute finden alljährlich hier Gedenkveranstaltungen des sog. Traditionsverbandes "Florian Geyer" statt.

Wir setzen unseren Kontrollgang fort und laufen an einem der wenigen B-Türme vorbei, die sich nicht in Kolonnenwegnähe befinden. Es handelt sich um den BT Wiesenfeld (PoP 11), der jedoch fast nie besetzt ist, da auch die Grenzkompanien unter dauerhaftem Personalmangel leiden.
Er führt ein abgeschiedenes Dasein, dennoch ist er aus dem Hinterland weithin sichtbar und soll auf potenzielle Grenzverletzer eine abschreckende Wirkung ausüben.
Hier gabs nach Aussagen altgedienter Grenzer noch nie einen Durchbruchsversuch oder wie es damals im offiziellen DDR-Sprachgebrauch hieß: "Angriff auf die Staatsgrenze".
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon OaZ » 3. Oktober 2020, 17:56

@Akku

Du hattest hier gerade den 8888. Zugriff.
Das sollte dir ne Runde wert sein ... [freu]
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon Olaf Sch. » 3. Oktober 2020, 21:05

Darauf einen guten cubanischen Rum! Seleccion de Maestros wäre passend [knuddel]
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon augenzeuge » 3. Oktober 2020, 21:19

Prost, Akku. Auf das dir der Saft nicht ausgeht. [grins]

 
Hier gabs nach Aussagen altgedienter Grenzer noch nie einen Durchbruchsversuch oder wie es damals im offiziellen DDR-Sprachgebrauch hieß: "Angriff auf die Staatsgrenze".


Gab es da nicht noch so einen anderen Begriff?
So ähnlich wie Hauptanstrengung... [denken]
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon OaZ » 10. Oktober 2020, 21:20

Grenzertagebuch 26 D

Wir laufen weiter und sehen im Abschnitt viele Hundelaufanlagen, die die gleiche abschreckende Wirkung wie der verwaiste BT ausüben sollen. Durchweg handelt es sich um ausgediente Hunde der bewaffneten Organe bzw. Tiere, die aufgrund von Nichteignung für Polizei, Militär oder Zoll nunmehr hier eingesetzt sind. Für die Hundezüchter ist es ein lohnendes Geschäft, da GT auch für diese Hunde noch gut bezahlt.

In Kürze erreichen wir Tor 3, hier begann vor wenigen Tagen meine tatsächliche GT-Zeit, denn durch dieses Tor sind wir vor wenigen Tagen gefahren, als die Abschnittseinweisung erfolgte.
Wir durchqueren den Grüsselbacher Graben (diesmal am hinteren Grenzsignalzaun) und nehmen den darauf folgenden Berg mit Leichtigkeit.
Oben angekommen fällt mir auf, dass in Nähe von Tor 2, das dauerhaft verschlossen ist und nur sehr selten für Forstarbeiten genutzt wird, kein Gras wächst. Ich denke mir nichts dabei, muss wohl auf diesem kalkhaltigen Boden hier so sein.

Erst Jahre später werde ich erfahren, dass sich hier in unmittelbarer Nähe einst ein Bauernhof befunden haben soll. Direkte Entfernung zur Staatsgrenze: ca. 300 m. Seine Besitzer mussten ihn verlassen, sie galten als nicht verlässlich. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion gelang ihnen noch rechtzeitig die Flucht ins Hessische. Der Hof verfiel zusehends und wurde später geschleift.

Dies erfahre ich, als ich später "Point Alpha" besuche und einer Besuchergruppe aus den gebrauchten Bundesländern eine spontane Unterweisung in die Gegebenheiten und Besonderheiten des ehem. SiA 5 gebe und bisschen was über meine Dienstzeit erzähle.
Diese werden mehr als erstaunt sein, denn so preisgünstig glaubten sie wohl nicht, Infos aus erster Hand zu bekommen.
Auch ich freue mich, einen kleinen Beitrag zur Bildung unserer Brüder und Schwestern aus den Altbundesländern leisten zu können und gebe somit einen klitzekleinen Teil des von ihnen so tapfer gezahlten Solidaritätszuschlages zurück.

Aber ich bin ja noch mit Uwe unterwegs und kann das noch gar nicht wissen, was mir da Jahre später passieren wird...

Wir habens fast geschafft, unsere Aufgabe zu erfüllen, als etwas Unvorhergesehenes passieren sollte ...
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon zoll » 22. Oktober 2020, 10:51

Hier ein Link für alle die beim Grenzregiment 3 in Dermbach gedient haben. Einige der Abgebildeten könnten eure ehem. Vorgesetzten sein.
http://grenztruppen-ddr.de/index.php/galerie/204-dermbach-2017-05-27
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon 02_24 » 11. Mai 2021, 16:28

Ein sehr interessantes Thema……zumindest bis September/Oktober 2020…….fand es gut, dass „Abschweifungen“ schnell unterbunden wurden und daher hier nicht alles zugemüllt wurde. … danach: naja.

Wäre echt toll wenn OaZ wieder zum Schreiben käme
Mit freundlichem Gruß aus dem Harz

OWe
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon OaZ » 2. Juni 2022, 17:22

Guten Tag,

ich bitte einen Moderator, alle Beiträge, die nichts mit meinem Thema zu tun haben, zu verschieben bzw. zu löschen.
Dies betrifft alle Beiträge ab dem 3. Februar 2021.
Ich melde mich in Kürze wieder und werde noch einiges zu meinem hier gestarteten Thema beisteuern.

Grüße OaZ


... der übrigens von morgen bis Montag wieder in der Rhön ist (Geisa, Spahl, Andenhausen, Kaltenwestheim, Campingplatz Oberweid - ehem. Grenzkompanie) und selbstredend Point Alpha und ehem. Abschnitte aus dem GR-3 besuchen wird.
Auch ein Treffen mit David (von Point Alpha) ist vorgesehen.
Wer evtl. zufällig in der Nähe ist oder Lust auf ein Rhönbier hat ... ich bin unter 0174-7589080 erreichbar. Nur persönliche Anrufe, keine SMS, kein Whatsapp.

Bitte keine Beiträge diesbezüglich hier im Thread, nur Anrufe!

DANKE!
OaZ
 
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon OaZ » 15. Dezember 2023, 17:26

Hallo in die Runde, nun sind mehr als 1,5 Jahre vergangen und ich wollte mal kurz reinschauen.
Gemeldet hat sich seinerzeit keiner, auch später nicht und ich deute es auf "wenig Interesse".
Ist allerdings bisschen schade, denn die Zeitzeugen werden ja nicht mehr.

Die von mir angegebene Nummer ist nunmehr auch nicht mehr aktuell.

Auch 2023 war ich übrigens wieder in der Rhön und wieder habe ich mich mit David von Point Alpha getroffen (nicht nur im ehemaligen Abschnitt, sondern auch in der Heilen Schern und wir haben ausgiebige Gespräche geführt.

Mal sehen, ob ich hier künftig ab und an mal reinschaue ... werde ich spontan entscheiden.
OaZ
 
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon LEU » 13. September 2024, 12:29

OaZ hat geschrieben:Grenzertagebuch 11



Wir durchqueren eine Senke und hören unter uns einen Bach rauschen. Es ist der Kohlbach und in ca. 6 Wochen werde ich durch diese Betonröhre, durch die der Bach aus Hessen nach Thüringen fließt, zu meinem ersten Feindwärtseinsatz aufbrechen. Dieser wird nachts stattfinden und er wird zu den aufregendsten Erlebnissen meiner GT-Zeit gehören.

...


8qa0hk1f.png


Das sollte die besagte Betonröhre sein, hätte gerne die Geschichte zum Feindwärtseinsatz gehört.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
LEU
 
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon Edelknabe » 13. September 2024, 17:25

Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das derartige Bachquerungen für Schleusungen gar Gänge Richtung feindwärts genutzt wurden. Zumal mindestens eine Seite damals gut vergittert und ordentlich verschlossen war. Und die Gassen im Zaun I dafür viel, viel besser dafür geeignet waren.

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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon steffen52 » 13. September 2024, 18:50

pentium hat geschrieben:Man beachte den Thread: Das Rohr zum Westen...Oder einfach mal in der Forensuche nach Agentenschleuse suchen...

Ich lese:" Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön. Vom Rohr zum Westen ist nur ein Beitrag dazu. So wie mein Beitrag. Wie jetzt??? [ich auch]
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon karnak » 13. September 2024, 20:00

steffen52 hat geschrieben:PS: Kenne es von meiner Zeit im GR 3 ( Dermbach) , da lief der 2000ter( Stasimann) jeden Tag mit einen anderem Dienstgrad durchs Regiment und er
wurde weder gegrüßt von den Offizieren geschweige er grüßte. Fragte man nach, bekam man die Antwort das er von einer anderen Fraktion
ist mit der man am Besten nichts zutun haben will.
[/quote]
Bloß gut, dass Du Dich gut auskennst und wieder mal diesen Mist loslässt. [flash]
Und ich habe lediglich meine Verwunderung zum Ausdruck gebracht zu diesen " Agentenschleusen " durch dreckige Kanalrohre wenn es augenscheinlich elegantere und völlig risikolose Möglichkeiten gab. Ich habe nicht behauptet, dass ich etwas weiß. Wenn ich etwas weiß erkläre ich ebenfalls warum das so ist und kennzeichne es ausdrücklich als Wissen. [hallo]
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon andr.k » 13. September 2024, 20:58

Edelknabe hat geschrieben:Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, das derartige Bachquerungen für Schleusungen gar Gänge Richtung feindwärts genutzt wurden. Zumal mindestens eine Seite damals gut vergittert und ordentlich verschlossen war. Und die Gassen im Zaun I dafür viel, viel besser dafür geeignet waren.

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Die Schleusen waren zumeist speziell präparierte Stellen im Steckmetallzaun. Bevor die Grenzmauer 75 eingeführt wurde, gab es auch schwenkbare Platten. Zum Übersteigen der Mauer gab es speziell entwickelte zusammensteckbare Leitern. Im Winter und bei Schnee wurden vorwiegend Schleusen in den vorgelagerten Territorien genutzt. Hier gab es keine Mauer, sondern präparierte Streckmetallzäune. Diese Zäune befanden sich am unmittelbaren Grenzverlauf, meist ohne Kontrollstreifen aber mit unmittelbarem Bewuchs (Bäume und Sträucher). Weiterhin gab es hier beiderseits der Grenze Trampelpfade mit entsprechenden Spuren. Diese wurden auf der Westseite von Spaziergängern und auf der Ostseite von Kontrollen der Grenztruppen verursacht. Des Weiteren wurden Wildspuren genutzt oder die Spuren mit Ästen verwischt. Möglich war auch die Nutzung von Schleusen, die sich in unmittelbarer Nähe von Bäumen befanden. Unter den Bäumen befand sich oftmals kein Schnee, was sich im Winter als Vorteil erwies.

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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon andr.k » 13. September 2024, 21:04

karnak hat geschrieben:Und ich habe lediglich meine Verwunderung zum Ausdruck gebracht zu diesen " Agentenschleusen " durch dreckige Kanalrohre wenn es augenscheinlich elegantere und völlig risikolose Möglichkeiten gab. Ich habe nicht behauptet, dass ich etwas weiß.


Ein Dokument aus der HA I des MfS berichtet im Jahr 1987 von dreißig bis fünfzig konspirativen Durchlässen pro Grenzregiment (es gab zu diesem Zeitpunkt 18 Grenzregimenter).

Neben den Grenzschleusen existierten im Rahmen der operativen Grenzarbeit des MfS sogenannte Grenzübertrittstellen. Dabei handelte es sich um aufgeklärte und für ein konspiratives Überwinden der Staatsgrenze geeignete Grenzabschnitte für IM, die erforderliche Grenzübertritte ohne Nutzung einer operativen Grenzschleuse vollziehen konnten und sollten, beispielsweise im Rahmen eines festgelegten Fluchtweges aus dem Operationsgebiet.

Die IM waren hierbei vor beziehungsweise nach dem Grenzübertritt auf sich allein gestellt und im Unterschied zur Arbeit mit Grenzschleusen nicht durch operative Kräfte des MfS abgesichert. Generell galt für alle Grenzübertrittstellen, dass der Grenzübertritt bis auf das den pionier-technischen Anlagen vorgelagerte Territorium der DDR erfolgte, da die IM die Sperranlagen nicht selbstständig und gefahrlos überwinden konnten.

War das Überwinden der pionier-technischen Anlagen erforderlich, hatte der verantwortliche Mitarbeiter in Abhängigkeit von der beabsichtigten Zielstellung durch geeignete Maßnahmen die dafür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.

Machten sich bei der Überwindung der pionier-technischen Anlagen Spezialkenntnisse erforderlich, waren Offiziere für Sonderaufgaben der HA I in die Realisierung der Maßnahmen einzubeziehen.

An die Auswahl und Aufklärung sowie den Aufbau und die Erprobung von Grenzschleusen als Komplex aufeinander abgestimmter operativer Maßnahmen wurden folgende Grundanforderungen gestellt:



- Ausgehend von der Zweckbestimmung der Grenzschleuse (Personen- oder Materialschleuse) musste gewissenhaft geprüft und durch die entsprechenden Leiter entschieden werden, welche operativen Kräfte und Mittel eingesetzt werden sollten.

- Zur Aufklärung und Erprobung operativer Grenzschleusen sollten nur IM (DDR) eingesetzt werden, die als Einzelkämpfer oder im Gruppeneinsatz auf der jeweiligen Grenzschleuse arbeiteten. Der Einsatz inoffizieller Kräfte aus dem Operationsgebiet bildete die Ausnahme und bedurfte einer leitungsmäßigen Bestätigung.

- Für jede operative Grenzschleuse sollte eine Reserveschleuse vorhanden sein. Sie musste in ihrer Wertigkeit der Hauptschleuse gleichgestellt sein. Bei der Auswahl war insbesondere zu beachten, dass zur Gewährleistung der Funktionstüchtigkeit (Einsatz von Schleuser-IM) die gleichen Anforderungen wie bei der Hauptschleuse gegeben sein mussten.



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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon augenzeuge » 13. September 2024, 21:20

... einfach nicht vorstellen warum man irgendwelche Schleusungen durch dreckige Kanalrohre durchgeführt haben soll.


Wenn man die letzten beiden Beiträge liest, bestätigt dies deine Einschätzung.. [grins]

AZ
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon karnak » 14. September 2024, 07:20

andr.k hat geschrieben:
karnak hat geschrieben:Und ich habe lediglich meine Verwunderung zum Ausdruck gebracht zu diesen " Agentenschleusen " durch dreckige Kanalrohre wenn es augenscheinlich elegantere und völlig risikolose Möglichkeiten gab. Ich habe nicht behauptet, dass ich etwas weiß.


Ein Dokument aus der HA I des MfS berichtet im Jahr 1987 von dreißig bis fünfzig konspirativen Durchlässen pro Grenzregiment (es gab zu diesem Zeitpunkt 18 Grenzregimenter).

Neben den Grenzschleusen existierten im Rahmen der operativen Grenzarbeit des MfS sogenannte Grenzübertrittstellen. Dabei handelte es sich um aufgeklärte und für ein konspiratives Überwinden der Staatsgrenze geeignete Grenzabschnitte für IM, die erforderliche Grenzübertritte ohne Nutzung einer operativen Grenzschleuse vollziehen konnten und sollten, beispielsweise im Rahmen eines festgelegten Fluchtweges aus dem Operationsgebiet.

Die IM waren hierbei vor beziehungsweise nach dem Grenzübertritt auf sich allein gestellt und im Unterschied zur Arbeit mit Grenzschleusen nicht durch operative Kräfte des MfS abgesichert. Generell galt für alle Grenzübertrittstellen, dass der Grenzübertritt bis auf das den pionier-technischen Anlagen vorgelagerte Territorium der DDR erfolgte, da die IM die Sperranlagen nicht selbstständig und gefahrlos überwinden konnten.

War das Überwinden der pionier-technischen Anlagen erforderlich, hatte der verantwortliche Mitarbeiter in Abhängigkeit von der beabsichtigten Zielstellung durch geeignete Maßnahmen die dafür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.

Machten sich bei der Überwindung der pionier-technischen Anlagen Spezialkenntnisse erforderlich, waren Offiziere für Sonderaufgaben der HA I in die Realisierung der Maßnahmen einzubeziehen.

An die Auswahl und Aufklärung sowie den Aufbau und die Erprobung von Grenzschleusen als Komplex aufeinander abgestimmter operativer Maßnahmen wurden folgende Grundanforderungen gestellt:



- Ausgehend von der Zweckbestimmung der Grenzschleuse (Personen- oder Materialschleuse) musste gewissenhaft geprüft und durch die entsprechenden Leiter entschieden werden, welche operativen Kräfte und Mittel eingesetzt werden sollten.

- Zur Aufklärung und Erprobung operativer Grenzschleusen sollten nur IM (DDR) eingesetzt werden, die als Einzelkämpfer oder im Gruppeneinsatz auf der jeweiligen Grenzschleuse arbeiteten. Der Einsatz inoffizieller Kräfte aus dem Operationsgebiet bildete die Ausnahme und bedurfte einer leitungsmäßigen Bestätigung.

- Für jede operative Grenzschleuse sollte eine Reserveschleuse vorhanden sein. Sie musste in ihrer Wertigkeit der Hauptschleuse gleichgestellt sein. Bei der Auswahl war insbesondere zu beachten, dass zur Gewährleistung der Funktionstüchtigkeit (Einsatz von Schleuser-IM) die gleichen Anforderungen wie bei der Hauptschleuse gegeben sein mussten.



Aus Henry Nitschke, "An der unsichtbaren Front".

Das sind nun alles recht schwülstige Texte im typischen MfS Jargon. [flash] Ich hätte eben nur gerne gewusst zu welchem Zweck eine solche Art der Grenzüberschreitung sinnhaft gewesen sein soll. Das Einzige was ich mir überhaupt als Notwendigkeit vorstellen könnte wäre eine Art Notausgang im Falle einer Gefahr in Verzug von West nach Ost wenn eine Person beispielsweise schon mit Namen und Bild zur Fahndung ausgeschrieben war. Aber diese gewaltigen Zahlen der Nutzung sind mir einfach nicht erklärlich.
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon Thunderhorse » 14. September 2024, 11:01

Ja diese ominösen Röhren.
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon steffen52 » 14. September 2024, 12:56

karnak hat geschrieben:Bloß gut, dass Du Dich gut auskennst und wieder mal diesen Mist loslässt.

Was Du als Mist betitelst ist halt so gewesen, das Du es nicht schnallst ist ja klar, lebst halt hintern Mond und heute noch dazu im Wald.
Darum braucht man Deine Politansicht Dir auch nicht übel nehmen, ist halt fest eingebrannt in Dein Hirn..... [laugh]
Gruß steffen52
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon karnak » 14. September 2024, 14:10

Es ist nun mal einfach so, dass fernab von der Wendezeit bei Leuten die sich nicht im konkreten Konflikt mit dem System befand eine derartige Aversion zur Staatssicherheit überhaupt nicht in diesem relevanten Ausmaß bestand. Man diesen Gedanken der politischen Polizei überhaupt nicht im Kopf hatte, schon gar nicht unter systemtreuen Personen wie Offiziere der GT. Was ist das denn für ein Quatsch? [flash] Zu diesem James Bond Unsinn der ständig wechselnden Schulterstücke will ich nichts mehr sagen. [flash]
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon OaZ » 17. November 2025, 14:32

LEU hat geschrieben:
OaZ hat geschrieben:Grenzertagebuch 11



Wir durchqueren eine Senke und hören unter uns einen Bach rauschen. Es ist der Kohlbach und in ca. 6 Wochen werde ich durch diese Betonröhre, durch die der Bach aus Hessen nach Thüringen fließt, zu meinem ersten Feindwärtseinsatz aufbrechen. Dieser wird nachts stattfinden und er wird zu den aufregendsten Erlebnissen meiner GT-Zeit gehören.

...


8qa0hk1f.png


Das sollte die besagte Betonröhre sein, hätte gerne die Geschichte zum Feindwärtseinsatz gehört.



Exakt das ist die sog. Kohlbachröhre.
Diese Röhren dienten dazu, dass der Bach unterhalb der Minensperre MS-66 hindurch fließen konnte und die GT nutzten sie als Gassen, um vor dem sog. letzten Sperrelement agieren zu können.
Beispielhaft möchte ich dafür Einsätze von Grenzaufklärern und Kontrollen zur Sichtbarkeit der Grenzmarkierungen nennen. Gassen gab es in jedem Abschnitt, i.d.R. waren sie nicht sichtbar.

Die Sichtbarkeit der Grenzmarkierungen wurde, wenn ich mich recht entsinne, 1x monatlich durch 3 Grenzer, die alle die sog. Feindwärtsbestätigung (Befehl 13/81 oder 13/82?) hatten und als ausgesprochen verlässlich galten, durchgeführt.
Das bedeutete, dass diese 3 Grenzer direkt an der eigentlichen Staatsgrenze (und nicht in Nähe des Zaunes) liefen und via Sichtkontrolle prüften, ob noch alle Grenzsäulen mit den Emblemen und den darunter befindlichen Nummern vorhanden waren.
Diese Embleme wurden von bundesdeutscher Seite gar nicht so selten von Abenteurern und Sammlern gestohlen (Das Abmontieren konnte nur mit Werkzeug erfolgen und war ziemlich aufwändig) und auf Flohmärkten für um die 600 DM angeboten/verkauft.

Im Abschnitt Andenhausen (ehem. SiA 8 des GR-3) gab es mindestens 2 dieser Gassen: besagte Kohlbachröhre und noch eine im Sauergehäu (Horbel). Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass es noch eine dritte gab, die sich dann im Bereich der sog. Barriere (von manchen Grenzern oft fälschlicherweise als Barille bezeichnet) auf Höhe der Ortslage Kleinfischbach befunden hat. Auch dort war ein Bach (mit Durchflussröhre), der wiederum die (äußerlich natürlich nicht sichtbare) Trennungslinie zum SiA 9 (bereits 3. Bataillon) bildete.

Diese Röhren sind nach meinem Kenntnisstand nicht für Schleusungen verwendet worden.
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon OaZ » 17. November 2025, 15:27

pentium hat geschrieben:
Edelknabe hat geschrieben:Bei dir steffen ist das ähnlich wie beim Karnak. Der wusste auch nur "feindwärts" nicht zu deuten. Du kanntest dich halt mit der Versorgung der Truppe besser aus. Die Gassen im Zaun I hatten Ende der 70er Jahre simple ostdeutsche Vorhängeschlösser, da reichte sinngemäß ein Nagel. Nachts die Lichtrasse am Zaun für wenige Minuten aus und die Schleusung war gegessen. Da krieche ich doch nicht durch eine verdreckte und nasse Röhre.

Rainer Maria


Mach dich mal kundig.
Angela Schmole: Heimlich, still und leise: Die Grenzschleusen und „Grenz-IM“ des MfS. In: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat, ISSN 0948-9878, Nr. 35 (2014), S. 80–90 (online, PDF, 451 kB).

https://de.wikipedia.org/wiki/Operative_Grenzschleuse

https://coola.irrgang.eu/agentenschleuse-wendehausen/




Ich kenne diese Aussagen bzw. Bilder im www auch.
Nach dem, was mir jedoch bisher zugängig war, zweifle ich an, dass es hier zu Schleusungen gekommen ist. Ich bin mir sicher, dass die Verfasser/Autoren nur Kenntnisse als Außenstehende einbringen (können). Ich denke, sie verwechseln hier Schleusung und (Über)Querung. Bei letzterem war dies ein Weg, um auf "das den Sperranlagen vorgelagerte Hoheitsgebiet" (umgangssprachlich Feindwärtseinsatz genannt) zu kommen.
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Re: Grenzertagebuch, Dienstzeit OaZ, GR-3 Dermbach, Rhön

Beitragvon OaZ » 18. November 2025, 11:14

OaZ hat geschrieben:Grenzertagebuch 26 D

Wir laufen weiter und sehen im Abschnitt viele Hundelaufanlagen, die die gleiche abschreckende Wirkung wie der verwaiste BT ausüben sollen. Durchweg handelt es sich um ausgediente Hunde der bewaffneten Organe bzw. Tiere, die aufgrund von Nichteignung für Polizei, Militär oder Zoll nunmehr hier eingesetzt sind. Für die Hundezüchter ist es ein lohnendes Geschäft, da GT auch für diese Hunde noch gut bezahlt.

In Kürze erreichen wir Tor 3, hier begann vor wenigen Tagen meine tatsächliche GT-Zeit, denn durch dieses Tor sind wir vor wenigen Tagen gefahren, als die Abschnittseinweisung erfolgte.
Wir durchqueren den Grüsselbacher Graben (diesmal am hinteren Grenzsignalzaun) und nehmen den darauf folgenden Berg mit Leichtigkeit.
Oben angekommen fällt mir auf, dass in Nähe von Tor 2, das dauerhaft verschlossen ist und nur sehr selten für Forstarbeiten genutzt wird, kein Gras wächst. Ich denke mir nichts dabei, muss wohl auf diesem kalkhaltigen Boden hier so sein.

Erst Jahre später werde ich erfahren, dass sich hier in unmittelbarer Nähe einst ein Bauernhof befunden haben soll. Direkte Entfernung zur Staatsgrenze: ca. 300 m. Seine Besitzer mussten ihn verlassen, sie galten als nicht verlässlich. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion gelang ihnen noch rechtzeitig die Flucht ins Hessische. Der Hof verfiel zusehends und wurde später geschleift.

Dies erfahre ich, als ich später "Point Alpha" besuche und einer Besuchergruppe aus den gebrauchten Bundesländern eine spontane Unterweisung in die Gegebenheiten und Besonderheiten des ehem. SiA 5 gebe und bisschen was über meine Dienstzeit erzähle.
Diese werden mehr als erstaunt sein, denn so preisgünstig glaubten sie wohl nicht, Infos aus erster Hand zu bekommen.
Auch ich freue mich, einen kleinen Beitrag zur Bildung unserer Brüder und Schwestern aus den Altbundesländern leisten zu können und gebe somit einen klitzekleinen Teil des von ihnen so tapfer gezahlten Solidaritätszuschlages zurück.

Aber ich bin ja noch mit Uwe unterwegs und kann das noch gar nicht wissen, was mir da Jahre später passieren wird...

Wir habens fast geschafft, unsere Aufgabe zu erfüllen, als etwas Unvorhergesehenes passieren sollte ...




Das war mein letzter Beitrag zum in der Überschrift genannten Thema.
Er stammt aus dem Jahr 2020. Ich hatte mich aus verschiedenen Gründen aus dem hiesigen Forum zurückgezogen.
Zwischenzeitlich hatte ich mich nur 2-3 mal eingeloggt und dabei festgestellt, dass hier ziemlich viel geschrieben wurde, was absolut nichts mit dem zu tun hat, was ich in der Überschrift angegeben habe.
Zugegebenermaßen gefällt mir das nicht und ich verstehe die Moderatoren nicht, dass sie dies nicht auslagern.
Ich möchte keineswegs Mitglieder an ihrer Schreiblust hindern. Aber wenn es nichts mit dem Thema zu tun hat, dann gehört es nicht hierher.

Vielleicht kann sich mal ein Moderator äußern, warum er hier nicht moderiert und diesen Wildwuchs zulässt?

Würde durchaus auch paar weitere Beiträge hier verfassen, aber ich möchte schon, dass man zum Thema schreibt und nicht zu dem, was einem gerade so in den Sinn kommt.
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