Zu Tausenden spionierten Rentner und Reisende, Reichsbahner und Regierungsbeamte für den Bundesnachrichtendienst in Ostdeutschland. Seit kurzem zugängliche BND-Akten verraten unbekannte Geschichten über die Massen-Schnüffelei - mit bizarren Details.

Johannes W., geboren 1906, war der Sohn eines Oberförsters. In der Nähe von Stettin aufgewachsen, wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg Bauer in Vorpommern. Allmählich arbeitete sich der spätere Agraringenieur im Berufsleben nach oben. Und auch nach seiner Berentung 1973 lehnte er sich nicht zurück. W. blieb noch mehr als zehn Jahre in seinem alten Beruf, danach arbeitete er als Nachtwächter und Versicherungsvertreter.
Und er hatte noch einen Job, der allerdings war sein Geheimnis: Schon Anfang der fünfziger Jahre hatte sich W. unter dem Decknamen "Gerber" für die Organisation Gehlen anwerben lassen. Die nach ihrem Chef, dem ehemaligen Wehrmacht-General Reinhard Gehlen, benannte westdeutsche Spionage-Organisation mit ihrer Zentrale in Pullach südlich von München stand damals noch unter Aufsicht des amerikanischen Geheimdienstes CIA. 1956 wurde daraus der Bundesnachrichtendienst (BND).
"Gerber" lieferte Informationen über sowjetisches Militär im Raum Eggesin/Torgelow, die Eisenbahnstrecke nach Stettin sowie die landwirtschaftliche Entwicklung in der DDR. Doch 1958 stellte der BND die Zusammenarbeit mit W. ein, da er nicht ausreichend Material beschaffen konnte.
Alte Kontakte wiederbelebt
Aus Verärgerung über sein geringes Ruhegehalt nahm W. 1973 den Kontakt zu seinen alten Auftraggebern wieder auf, nachdem er als Rentner in die Bundesrepublik reisen durfte. Bis zum Frühjahr 1986 belieferte er Pullach mit Informationen.
Der BND setzte ihn vor allem zur Aufklärung von Standorten der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in der DDR (GSSD) und der NVA ein. Bonns Spionagetruppe nutzte seine Ortskenntnisse, vielfältigen Kontakte und seinen großen Aktionsradius, den er dank seines Pkw besaß. Systematisch fuhr der Ingenieur fortan mindestens einmal im Jahr die auf den Bau von Kampfschiffen spezialisierte Peene-Werft in Wolgast und den NVA-Flugplatz in Peenemünde ab. Er spähte die GSSD-Kasernen in Prenzlau und Bernau, den Flugplatz des sowjetischen Garde-Jagdbomberregimentes in Rechlin und die Stationierungsbasis des NVA-Kampfhubschraubergeschwaders in Basepohl sowie weitere Kasernen, Tanklager, Radar- und Raketenstellungen aus.
Ende 1986 beendete Pullach die Zusammenarbeit mit dem Rentner wegen dessen hohen Alters. Als W. wenig später vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR (MfS) verhaftet wurde, erzählte er seinen Vernehmern, "dass er die Aufträge des BND gewissenhaft, so gut wie es ihm möglich war, mit hoher Intensität" ausgeführt und "in seinem Leben immer versucht" habe, "alles mit ganzer Initiative zu erfüllen, das Richtige und auch das Verkehrte."
Mehr und weitere Bilder findet man hier:
http://www.spiegel.de/einestages/nebenj ... 48804.html








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