Stasi-Opfer kriegt manchmal soo einen Hals

Alles zum Thema Geheimdienste und Sicherheit in der DDR und in der BRD

Stasi-Opfer kriegt manchmal soo einen Hals

Beitragvon Interessierter » 8. Juli 2018, 13:34

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Die Staatssicherheit der früheren Deutschen Demokratischen Republik hat nicht nur die eigenen Mitbürger ausspioniert, sondern auch in der Bundesrepublik massiv Einfluss genommen. Ein Faktum, das heute unumstritten ist. Wie sehr jedoch Politik und Wirtschaft in Westdeutschland von der Stasi unterwandert waren und welche Nachwirkungen das bis heute hat, das gerät mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Wende zunehmend in Vergessenheit. Doch es gibt stetige Mahner wie Thomas Lukow.

Die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung hatte zu einem Vortragsabend über die Machenschaften der Stasi in das Gemeindezentrum geladen. Bürgermeister Martin Schmitt und Stiftungsvertreterin Rosi Hufnagel aus Hammelburg begrüßten eine stattliche Anzahl an Zuhörern. Gymnasiallehrer Hartmut Brunner aus Salz hatte die Idee zu dem Vortrag, ein Referat gleichen Themas hält Thomas Lukow in diesen Tagen auch im Rhön-Gymnasium vor Zehntklässlern.

Seit vielen Jahren engagiert sich Lukow in ganz Deutschland gegen das Vergessen und unter-den-Tisch-kehren der Stasi-Vergangenheit in Ostdeutschland. „Auch Westdeutschland war stark von der Stasi unterwandert“, sagt er, und schon sprudeln die Fakten aus ihm heraus. Mit einer immensen Zahl an Beispielen und historischen Gegebenheiten aus den Jahrzehnten des Bestehens der DDR und vor allem der Stasi, forderte Lukow die volle Konzentration seiner Zuhörer.

Haft in Bautzen

Thomas Lukow, Jahrgang 1959, stammt aus Potsdam. Bis zu seinem 18. Lebensjahr engagierte er sich in der FDJ; später war er in der Musik- und Kulturszene im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg aktiv. Wegen versuchter „Republikflucht“ wurde er 1981 zu 20 Monaten Gefängnis verurteilt. Er verbüßte seine Haftstrafe in Hohenschönhausen und Bautzen.

Nach der Entlassung engagierte er sich in der Kulturszene und in kirchlichen Friedenskreisen in Ost-Berlin. 1989 reiste er mit Ehefrau und Kindern nach West-Berlin aus. Seit 2000 arbeitet er freiberuflich in der politischen Bildungsarbeit, unter anderem im Stasi-Museum in der Gedenkstätte Normannenstraße in Berlin. Lukow ist Referent bei der Konrad-Adenauer-Stiftung und freiberuflicher Stadtführer in Berlin. Über Thomas Lukow hatte die Stasi eine 600 Seiten umfassende Akte angelegt.

In seinem Vortrag beeindruckte Lukow mit einem immensen Faktenwissen von Beginn der Staatssicherheit im Jahre 1950 bis zu deren Auflösung 1990. Sogar die Erstürmung des Berliner Hauptamtes nach der Wende durch erboste Bürger im Januar 1990 sei eine Inszenierung gewesen, behauptet er. In der langen Geschichte der Spitzelei waren auch immer wieder West-Politiker das Ziel der Stasi.

Politikergrößen wie Hans-Jürgen Wischnewski, Rainer Barzel oder Johannes Rau mussten in ihren Karrieren ein ums andere Mal erkennen, dass Stasi-Spitzel bis in ihr nächstes Umfeld vorgedrungen waren. Der bekannteste Stasi-Spion in der deutschen Politik war Günter Guillaume, der es bis zum Vertrauten des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt geschafft hatte. „Guillaume war der größte Sieg der Stasi in Westdeutschland“, sagt Thomas Lukow.

Nach Lukows Worten sind die Schandtaten der Stasi nach der Wende nicht genügend aufgearbeitet, die Lehren daraus nicht ausreichend gezogen worden. Was an den Nachwendekarrieren mancher einstiger DDR-Politiker deutlich werde. Kein gutes Haar lässt Lukow unter anderem an dem Linken-Politiker Gregor Gysi und bezeichnet ihn als eine der „amoralischsten Persönlichkeiten in Deutschland“. „In seiner Promotion legitimiert er alle Diktaturen der Welt“, sagt Lukow.

Unrechtsstaat

Doch trotz aller Bekenntnisse, sich der Geschichte zu stellen, gerate der Unrechtsstaat DDR immer mehr in Vergessenheit und werde stattdessen eher als sozial engagierterer Staat im Vergleich zur Bundesrepublik verklärt. „Wenn heute jemand sagt, in der DDR war alles viel sozialer, dann kriege ich so einen Hals“, schimpft Thomas Lukow. Irrwitzige Summen wurden von der SED-Parteiführung der DDR in die Staatssicherheit investiert. „Gleichzeitig verrotteten Städte wie Quedlinburg und Halle, und für Behinderte gab es noch nicht mal einen Rollstuhl.“

Lukow fordert von der Bundesregierung wie von jedem Bürger, die Geschichte der DDR und der Bundesrepublik genau im Auge zu behalten und gegebenenfalls aufzuarbeiten. „Das können Sie alles im Internet nachlesen“, sagt Lukow bezüglich seiner Äußerungen in seinem langen Vortrag. „Es interessiert aber leider keinen“, beklagt er und weiß doch zu genau: „Man muss die Vergangenheit kennen, um die Zukunft zu gestalten.“

https://m.mainpost.de/regional/rhoengra ... 65,9470284
Interessierter
 

Re: Stasi-Opfer kriegt manchmal soo einen Hals

Beitragvon Volker Zottmann » 8. Juli 2018, 21:32

Guter Beitrag Wilfried.
Wenn man über Luckows Worte ernsthaft nachdenkt, ist die eigene Erkenntnis nicht weit.
Was er anmahnt ist ja hier im Forum schon spürbar. Sobald auch nur damalige Missstände benannt werden, springen hier die selbsternannten Gralshüter aus der Deckung um uns das Gegenteil zu offenbaren. Kann das nicht gelingen, wird der Betreffende lächerlich gemacht. Beispiel heute wieder, als @Merkur mich als "Schweinegrippe abnagenden Harzer" verunglimpfte. Ich spinne also, wenn ich berichte, dass In Betrieben und Fleischverkaufsstellen Tierhälften angeliefert wurden, wo die besten Fleischteile schon fehlten.. Der Eine leugnet, der Andere berichtet gar, dass er ganz normal regelmäßig seine Rindsroulladen aß.
Nun sag mir einer, dass ich dessen Stasiaufarbeitungen ernst nehmen kann? Was ist daran wissenschaftlich erarbeitet, wenn schon simpelste Dinge von damals in Frage gestellt und geleugnet werden?
Das von Luckow angeprangerte Desinteresse oder auch die Gleichgültigkeit erklärt sich auf einfachste Weise. Wer hat denn nicht erlebt, dass nach 1990 ausgerechnet damalige Entscheidungsträger wieder auf hohen, wenn nicht gar gleichen Posten sitzen. Haben früher Leute schikaniert und maßregeln teils heute noch auf den Ämtern. Was denkt da wohl der kleine Mann?
Wie geht es da erst einem Stasiopfer?
Mit einem (@felixbonobo) haben wir ausführlich in Potsdam gesprochen. Wie fühlte er sich, als er hier vorgeführt wurde?
Ein politisches Stasiopfer war gemeinsam mit @Bergmensch in meinem Haus zu Besuch... Sein Leid zu hören, seine seelische Verletztheit Jahrzehnte später noch zu spüren, ging uns sehr nahe. Ohne Grund weint kein über 70-Jähriger in fremder Wohnung... Was war das nur für ein Staat? Was waren das für Verbrecher, die ihn, einen Kulturbundfunktionär grundlos brachen?

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Stasi-Opfer kriegt manchmal soo einen Hals

Beitragvon Merkur » 9. Juli 2018, 05:14

Volker Zottmann hat geschrieben:Beispiel heute wieder, als @Merkur mich als "Schweinegrippe abnagenden Harzer" verunglimpfte. Ich spinne also
Gruß Volker


In dem Fall sogar nachgewiesenermaßen, denn mit der "Schweinegrippe" habe ich Dich gewiss nicht in Verbindung gebracht. [hallo]
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
Merkur
 
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Re: Stasi-Opfer kriegt manchmal soo einen Hals

Beitragvon Olaf Sch. » 9. Juli 2018, 07:09

Volker, nachgewiesen ein Unrechtsstaat. Aufgebaut auf der Terrorisierung und Geiselnahme der Bevölkerung. Ich kann die Opfer gut verstehen. Ich hatte Glück, dass ich nicht in den Bannstrahl der Stasi geriet.
Olaf Sch.
 

Re: Stasi-Opfer kriegt manchmal soo einen Hals

Beitragvon Volker Zottmann » 9. Juli 2018, 08:53

Merkur hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:Beispiel heute wieder, als @Merkur mich als "Schweinegrippe abnagenden Harzer" verunglimpfte. Ich spinne also
Gruß Volker


In dem Fall sogar nachgewiesenermaßen, denn mit der "Schweinegrippe" habe ich Dich gewiss nicht in Verbindung gebracht. [hallo]


Wenn durch Flüchtigkeit ein "e" im Schweinegerippe verloren geht, muss der selbst Fehlerbehaftete natürlich auftrumpfen. Dass Deine Einlassungen pure Provkationen sind, ist aufmersamen Lesern durchaus bewusst. Stasi eben.... Entweder erlernt, oder Du hast zuviel bei Deinen "Studien" an Zersetzungsmaßnahmen verinnerlicht.

Mit solcher Arbeit wollte ich mein Geld nicht verdienen.

Volker
Volker Zottmann
 

Re: Stasi-Opfer kriegt manchmal soo einen Hals

Beitragvon Merkur » 9. Juli 2018, 10:45

Volker Zottmann hat geschrieben:Stasi eben.... Entweder erlernt, oder Du hast zuviel bei Deinen "Studien" an Zersetzungsmaßnahmen verinnerlicht.
Volker


Ach Volker, Dich wollte schon damals keiner Zersetzen und heute gewiss auch nicht. Ganz im Gegenteil, ich erfreue mich an Deinen Geschichten und eine Zersetzung wäre ein humoristischer Verlust für das Forum.
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
Merkur
 
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Re: Stasi-Opfer kriegt manchmal soo einen Hals

Beitragvon Volker Zottmann » 9. Juli 2018, 11:56

Merkur hat geschrieben:
Volker Zottmann hat geschrieben:Stasi eben.... Entweder erlernt, oder Du hast zuviel bei Deinen "Studien" an Zersetzungsmaßnahmen verinnerlicht.
Volker


Ach Volker, Dich wollte schon damals keiner Zersetzen und heute gewiss auch nicht. Ganz im Gegenteil, ich erfreue mich an Deinen Geschichten und eine Zersetzung wäre ein humoristischer Verlust für das Forum.


Das kann ich Dir ausnahmsweise mal glauben, denn das Forum siehst Du ja als Deine Spielwiese an. Glaube aber trotzdem, dass Dich noch ein ganz anderer innerer Drang hier antreibt. Ganz kann man seine Vergangenheit eben nie abstreifen.

Gruß Volker
Volker Zottmann
 

Re: Stasi-Opfer kriegt manchmal soo einen Hals

Beitragvon Merkur » 9. Juli 2018, 12:18

Volker Zottmann hat geschrieben:Glaube aber trotzdem
Gruß Volker


Ja Volker, Glaube und Wissen....
Selbstverständlich muss jeder seine individuelle Sicht bzw. Meinung haben und schreiben. Quelle: Augenzeuge.
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Re: Stasi-Opfer kriegt manchmal soo einen Hals

Beitragvon augenzeuge » 9. Juli 2018, 14:57

wenn heute jemand sagt, in der DDR war alles viel sozialer, dann kriege ich so einen Hals“, schimpft Thomas Lukow. Irrwitzige Summen wurden von der SED-Parteiführung der DDR in die Staatssicherheit investiert. „Gleichzeitig verrotteten Städte wie Quedlinburg und Halle, und für Behinderte gab es noch nicht mal einen Rollstuhl.“


Der Mann hat absolut recht.
In der DDR war nichts sozialer als im BRD System des gleichen Jahres. Es sollte nur so wirken. Real steckte gut durchdachte politische Indoktrination von Ahnungslosen dahinter. Das wusste ich anfangs auch nicht, erst nach längerer Zeit auf der anderen Seite. Es gab nichts in der DDR , was wirklich sozialer war.
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