Die Erfolge der Isis erklären sich ganz einfach: Die Dschihadisten sind Marionetten alter Saddam-Parteigänger. Der Publizist Jürgen Todenhöfer erläutert die Erfolge der Isis und benennt ihre eigentlichen Drahtzieher.
Zitat:
Herr Todenhöfer, Bagdad bereitet sich auf den Angriff der Dschihadisten vor, heißt es. Wer steckt hinter diesem völlig überraschenden Vormarsch?
Eine Fehleinschätzung von Politikern und Medien, die den Irak nicht kennen. Die Terrororganisation Isis spielt nur scheinbar die alles überragende Rolle. Der Aufstand wird in Wirklichkeit überwiegend vom FNPI getragen, dem „Nationalen, Panarabischen und Islamischen Widerstand“ des Irak. Das ist eine säkulare Koalition mehrerer Gruppen, die schon mit großem Erfolg gegen die US-Armee gekämpft haben. Dieser irakische Widerstand, bei dem ich 2007 im umkämpften Ramadi eine Woche verbrachte, ist von den USA jahrelang systematisch totgeschwiegen worden, obwohl er ihr Hauptfeind war. Er hat sie letztlich aus dem Irak vertrieben.
Sie sagen, die meisten seien gar keine Dschihadisten, sondern säkulare Kämpfer?
Ja natürlich. Ich habe in den letzten Tagen mehrfach mit Führern des FNPI gesprochen. Nach ihrer Auffassung spielt Isis als Juniorpartner des Aufstands zwar militärisch eine wichtige Rolle. Diese Dschihadisten aus aller Welt verbreiten wegen ihres Todesmuts und ihrer Härte Furcht und Schrecken. Das hat große psychologische Wirkung. Diese Leute sind außerdem medial begabt. Ihre schwarze Fahnen sind überall präsent und erwecken den Eindruck, sie beherrschten das gesamte Gefechtsfeld. Für TV-Kameras sind das attraktive Bilder. Aber mit ihren etwa 1000 Mann vor Mossul hätten sie in der fast Zwei-Millionenstadt keine Chance. Der Nationale Widerstand hingegen ist in Mossul mit über 20 000 Mann präsent und wird von der Bevölkerung getragen.
Wer genau ist dieser irakische Widerstand?
Der FNPI rekrutiert viele Leute aus der früheren irakischen Elite Führer der Armee und Verwaltung, die einst – auch mangels Alternativen – Saddam Hussein dienten. Sie besitzen viele Waffen und sind sehr gut vernetzt. Es sind Leute, die vom US-Zivilverwalter Paul Bremer nach dem Einmarsch frist- und hirnlos entlassen wurden. Er löste damals die Armee und große Teile der Verwaltung einfach auf. Nicht nur Sunniten, auch viele Schiiten, die gesamte Verwaltungs-Elite des Landes, wurde davongejagt, wenn sie der Baath-Partei angehörten. Und das war bei den meisten der Fall. Die sozialistische Baathpartei war nun mal die einzige Partei, an der man nicht vorbeikam, wenn man in Armee oder Verwaltung Karriere machen wollte...]
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pentium