1965 - Der kurze Sommer der DDR

Bücher, die nicht in den Bereich politische Systeme oder Grenze gehören.

1965 - Der kurze Sommer der DDR

Neuer Beitragvon augenzeuge » 5. August 2015, 21:25

Zwischen 1963 und 1965 geschahen in der DDR Dinge, die vorher und nachher unmöglich waren. Ausgerechnet Walter Ulbricht war der Motor, behauptet Gunnar Decker.
War die DDR reformwilliger als bekannt?

http://www.welt.de/kultur/literarischew ... ollte.html

Bild

AZ
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Re: 1965 - Der kurze Sommer der DDR

Neuer Beitragvon tom-jericho » 5. August 2015, 22:54

ths az

schon wieder verdrängt

... spur der steine ...

ich sammel sie
tom-jericho
 

Re: 1965 - Der kurze Sommer der DDR

Neuer Beitragvon Nostalgiker » 7. August 2015, 06:41

Augenzeuge, hast du das Buch gelesen oder nimmst du deine "Erkenntnisse" wie üblich aus dem von dir eingestellten Text?

Thoth
Ich nehme zur Kenntnis, das ich einer Generation angehöre, deren Hoffnungen zusammengebrochen sind.
Aber damit sind diese Hoffnungen nicht erledigt. Stefan Hermlin

Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, dass man nichts zu verlieren hat. Janis Joplin

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Re: 1965 - Der kurze Sommer der DDR

Neuer Beitragvon augenzeuge » 7. August 2015, 07:39

Thoth hat geschrieben:Augenzeuge, hast du das Buch gelesen oder nimmst du deine "Erkenntnisse" wie üblich aus dem von dir eingestellten Text?

Thoth


Thoth, ich habe nichts von Erkenntnissen geschrieben, oder? Wie kann ich das Buch schon gelesen haben, wenn ich davon vor wenigen Tagen erst gehört habe?

Das Buch kam in 4/15 in die Läden, hast du es etwa schon?

Es war ein kurzer Sommer. Mitte der Sechzigerjahre versuchte die DDR, sich aus der Umklammerung durch die Sowjetunion zu befreien und ihren Künstlern und Intellektuellen größere Freiräume zuzugestehen. Doch schon bald setzten sich die Hardliner durch, die letzten unabhängigen Köpfe verabschiedeten sich von der SED. Für Gunnar Decker setzt damals jene innere Erosion ein, die 1989 zum Zusammenbruch des deutschen Sozialismus führte. Sein Buch spiegelt Aufstieg und Niedergang der DDR in den Schicksalen bekannter und unbekannter Schriftsteller, Theaterleute und Filmemacher. Decker, 1965 in der DDR geboren, erzählt ein Kapitel deutscher Kulturgeschichte, das mit dem Fall der Mauer noch lange nicht zu Ende ist.


Hier ein Statement eines Lesers:
„Das selbst Gewollte gilt es ab einem bestimmten Punkt wieder zu verneinen. Das ist so schmerzhaft wie der wachsende Zweifel in aller Hoffnung. Wann ist der Punkt erreicht, da Geist und Macht sich unwiderruflich trennen? Bis wann ist Hoffnung eine reale Möglichkeit, ab wann bloße Illusion?“ (Seite 13) Das ist die Schlüsselfrage in Gunnar Deckers akribisch zusammengestellter Dokumentation.
Mitte der 60iger Jahre streiten Künstler und Intellektuelle in der DDR um den richtigen Weg des Sozialismus. Wohlbemerkt, nicht für oder gegen Sozialismus, der stand bei niemandem in Frage, auch nicht bei Wolf Biermann.
Die DDR unter Ulbricht versuchte sich aus der Umklammerung durch die Sowjetunion zu befreien. Künstlern und Intellektuellen sollten größere Freiräume zugestanden werden. Doch dann setzen sich die Hardliner um Erich Honecker durch.
Anschaulich erzähle Decker, wie nach 11. Plenum in der DDR im Jahr 1965 so gut wie alle Künste und alle Künstler, die nicht Büttel der Partei waren, gemaßregelt und eingeschüchtert wurden. Diese Aussprache endete ohne Ergebnis, da die Schriftsteller zu dem Vorgetragenen andere Ansichten äußerten. Das sogenannte "Kahlschlagplenum" leitet eine verschärfte Auseinandersetzung der SED mit Schriftstellern und Künstlern ein. Es war eine schwere Niederlage für alle, die offen sprechen wollten. Nur wenige, wie Wolf Biermann, ließen sich nicht bändigen, andere durchlebten Tragödien oder passten sich stumm an. Das Plenum, war auch eine Inszenierung Erich Honeckers gegen Walter Ulbricht, der in diesem Buch insgesamt sehr vielleicht zu positiv dargestellt wird. Das Plenum beendet eine kurze Phase der Liberalisierung nach dem VI. Parteitag der SED 1963. Das 11. Plenum, das eigentlich die zweite Phase der Neues Ökonomisches System (NÖS) einleiten sollte, geriet unter der Leitung Honeckers zu einem kulturpolitischen Plenum, wenn nicht gar zu einer kulturpolitischen Abrechnung, die man seit der Formalismusdebatte der 1950er Jahre sicherlich als einen weiteren Meilenstein auf dem Weg zum Ende der DDR sehen kann.
Nach dem Plenum ist der Aufbruch beendet. Das wird vor allem an den Personalentscheidungen sichtbar, die Honecker im Rahmen der von ihm betriebenen Auswertung des Plenums betreibt. Fast der gesamte Kulturbereich wird neu besetzt.
Lesenswert und unterhaltsam. Aber eines wird deutlich: Die Weichen in der DDR hätten nicht entscheidend anders gestellt werden können: Das Hauptproblem war das System selbst.
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Re: 1965 - Der kurze Sommer der DDR

Neuer Beitragvon SkinnyTrucky » 7. August 2015, 07:43

Wie jetzt Thoth....in einem Buchvorstellungsthread darf man erst Bücher einstellen wenn man sie gelesen hat.... [shocked]

Hier müssen wohl erst dringend die Forenregeln angepasst werden, oder.... [denken]


groetjes

Mara
Wenn es heute noch Menschen gibt, die die DDR verklären wollen, kann das nur damit zusammenhängen, dass träumen schöner ist als denken.... (Burkhart Veigel) Bild
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Re: 1965 - Der kurze Sommer der DDR

Neuer Beitragvon Nostalgiker » 7. August 2015, 08:56

augenzeuge hat geschrieben:

Das Buch kam in 4/15 in die Läden, hast du es etwa schon?



Eine ganze Weile und natürlich bereits gelesen.

@Mara, zumindest wenn man sie einer Wertung unterzieht sollte man es zumindest selbst gelesen haben und sich nicht mit Sekundärquellen begnügen.
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Re: 1965 - Der kurze Sommer der DDR

Neuer Beitragvon tom-jericho » 7. August 2015, 20:05

Ich hatte nicht nur 1965 einen kurzen Sommer in der DDR.
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Re: 1965 - Der kurze Sommer der DDR

Neuer Beitragvon augenzeuge » 7. August 2015, 23:04

Thoth hat geschrieben:
augenzeuge hat geschrieben:

Das Buch kam in 4/15 in die Läden, hast du es etwa schon?



Eine ganze Weile und natürlich bereits gelesen.

@Mara, zumindest wenn man sie einer Wertung unterzieht sollte man es zumindest selbst gelesen haben und sich nicht mit Sekundärquellen begnügen.


Was hindert dich jetzt an einer Wertung?

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Re: 1965 - Der kurze Sommer der DDR

Neuer Beitragvon Nostalgiker » 8. August 2015, 06:09

Das fragst du noch?
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Re: 1965 - Der kurze Sommer der DDR

Neuer Beitragvon augenzeuge » 8. August 2015, 08:46

Thoth hat geschrieben:Das fragst du noch?


Ja, frage ich. Wenn ich gewisse politische Dinge verteidige, wie du es tust, dann würde ich zumindest die Erkenntnisse aus dem Buch nutzen, um sie zu untermauern.

AZ
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Re: 1965 - Der kurze Sommer der DDR

Neuer Beitragvon Nostalgiker » 8. August 2015, 09:41

augenzeuge hat geschrieben:
Thoth hat geschrieben:Das fragst du noch?


Ja, frage ich. Wenn ich gewisse politische Dinge verteidige, wie du es tust, dann würde ich zumindest die Erkenntnisse aus dem Buch nutzen, um sie zu untermauern.

AZ


Wozu Augenzeuge?
Die in ihrer Meinung gefestigten Ex-Genossen, die zum toleranten Edeldemokraten mutierten und all die Interessierten haben doch bereits eine unerschütterliche und gefestigte Meinung welche auf den Säulen Vorurteil, Intoleranz und Halb- oder gar kein Wissen basiert.
Selbst du besitzt eine vorgefasste Meinung und/oder Ansicht zu den Sachverhalten.
Nenne mir einen mich überzeugenden Grund warum ich mir die Mühe machen sollte nochmals zu dem Buch und weiteren zu greifen um dortiges geschriebenes aufzubereiten, Für die Ignoranten hier?
Dazu ist mir meine Zeit ehrlich gesagt zu schade.
Zum Glück kenne ich aber Leute, auch aus diesem Forum, mit denen man durchaus kontrovers über genau dieses Buch diskutieren kann. Das ziehe ich dann doch lieber den Phrasen derer der schon immer alles immer alles gewußt habenen vor. Denn ihnen mangelt es an grundlegender Substanz um diese Thematik umfassend zu diskutieren.

Thoth

PS.: Wenn du der Meinung bist ich verteidige gewisse politische Dinge dann mußt du dir auch gefallen lassen das du ebenfalls politische Ansichten verteidigst welche ziemlich befremdlich wirken.
Übrigens irßt du, ich verteidige nicht ich versuche die einseitige, negative Sicht ein wenig zu relativieren. Aber wer hier nicht permanent "Scheiß DDR", "Scheiß Partei" und "Scheiß Stasi" trötet wird doch automatisch von den Widerständlern zum Verklärer und Schönredner abgestempelt. Ja man kann wirklich sehr weit kommen mit einer einfach gestrickten Sicht ......
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Re: 1965 - Der kurze Sommer der DDR

Neuer Beitragvon augenzeuge » 8. August 2015, 14:04

Nun hast du so viel geschrieben, Thoth. Alles nur warum du es nicht machst. Im gleichen Zeitaufwand wäre es auch ne vernünftige Antwort geworden, schon mal drüber nachgedacht?
AZ
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Re: 1965 - Der kurze Sommer der DDR

Neuer Beitragvon Interessierter » 15. Oktober 2015, 10:59

Passend dazu diese Rezension:

1965, auch so ein "Schicksalsjahr"...
„Geh aus, mein Herz, und suche Freud / In dieser lieben Sommerzeit!“ hatte schon Paul Gerhardt 1659 gedichtet. Da war an die DDR noch nicht zu denken und es mussten auch viele Winter folgen, bis Gunnar Decker voller Empathie von einem kurzen Sommer dieses kleinen Landes erzählen konnte. Aber tanzte es wirklich nur einen Sommer? Kann mit dieser kurzen Jahreszeit ein langes, zumindest 40-jähriges Leben erklärt werden? Natürlich handelt es sich nur um eine Metapher, um Aufmerksamkeit zu erlangen und den Verkauf zu befördern. Und es war auch nicht der einzige Sommer in der Geschichte der DDR. Freilich ein wichtiger, den Aufbruchstimmung prägte und der in einer „Eiszeit“ endete. Dass Gunnar Decker das Jahr 1965 gewählt hat, ist einerseits zufällig, andererseits durchaus nachvollziehbar und überaus interessant zu lesen.

Der Fokus des Buches liegt auf der Intellektuellen- und Literaturgeschichte, einschließlich Dramatik und Lyrik, mit gelegentlichen Ausflügen in die bildende Kunst sowie in die Jazz- und Rockmusik. Relativ wenig erfahren wir über die Filmproduktion in dieser Zeit, so gut wie gar nichts über Architektur und Neue Musik. Auch die Denkmal- und Erbepflege spielt nur eine geringe Rolle. Populär- und Volkskultur bleiben außen vor. Gleichwohl bietet Decker ein umfangreiches Panorama der Gesellschaft der Künstler, Schriftsteller und Intellektuellen, die sich für eine Modernisierung einsetzten und teils auf die Unterstützung, teils auf den Widerstand der neuen und alten Mächtigen trafen. Gemäß der dramaturgischen Vorstellung des Autors ist das Buch in drei große Teile gegliedert: Aufstieg, Absturz und Trümmer. Das ist sehr einfach, aber zugleich überzeugend und greift auf andere Weise die Metapher von den Tauwettern und Eiszeiten wieder auf. Aber wir sollten uns von dem Vergleich mit den Jahreszeiten nicht allzu wetterfühlig zeigen.

Dieses Buch ist nicht chronologisch angelegt. Es hat vor allem eine personale Struktur und umreißt in Rück- und Vorgriffen die künstlerischen und kulturellen Debatten und Entwicklungen in den Jahren nach dem Mauerbau. Zwar läuft die Darstellung auf den sogenannten Kahlschlag des 11. Plenums des ZK der SED im Dezember 1965 zu, aber sie geht zuweilen auch weit über das Jahr 1965 hinaus. Die Quellen des Autors sind, neben einigen historischen Standardwerken, vor allem Autobiographien, Briefwechsel, Erinnerungen, Tagebücher und Essays der Schriftsteller, Künstler und Intellektuellen. Wir erfahren viel und überaus Erhellendes über die Antriebe und Beweggründe einer Generation, die in der ersten Hälfte der Sechziger antrat, den Sozialismus in der DDR ernst zu nehmen. Die darüber mitreden wollte, welche Art von Sozialismus hier entstand. Es sind vor allem Vertreter der Aufbaugenerationen, die umfassend zu Wort kommen, sowie einige der „Partisanen“ aus den Gründergenerationen der DDR (Arendt, Becher, Bloch, Brecht, Anna Seghers und Helene Weigel), an denen sie sich orientierten.

Die Sympathie Deckers gilt der Aufbruchstimmung, den Kritikern und Reformern, den zahlreichen Versuchen, die Probleme der Gesellschaft darzustellen, zu diskutieren und ein Mehr am künstlerischer und intellektueller Freiheit zu erreichen. Natürlich ist dem Kenner der Kulturgeschichte der DDR sehr viel von dem bekannt, was hier brillant nachempfunden wird, aber man findet auch immer Neues oder Vergessenes wieder: über und von Fritz Cremer, Frank Beyer, Friedrich Dieckmann, Adolf Dresen, Robert Havemann, Wolfgang Heise, Jürgen Teller, Konrad Wolf; sowie die lange Reihe der Schriftstellerinnen und Schriftsteller Sarah Kirsch, Helga M. Novak, Brigitte Reimann, Maxie Wander und Christa Wolf, Wolf Biermann, Johannes Bobrowski, Volker Braun, Werner Bräunig, Fritz Rudolf Fries, Franz Fühmann, Peter Hacks, Stephan Hermlin, Stefan Heym, Uwe Johnson, Günter Kunert, Heiner Müller, Erik Neutsch, Hermann Kant und Erwin Strittmatter. Um nur einige wichtige Akteure zu nennen, zwischen denen Decker durchaus zu differenzieren weiß.


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