augenzeuge hat geschrieben:Merkur hat geschrieben:karl143 hat geschrieben:Merkur,
auch in der DDR machten NS Leute Karrieren. Außerdem steht doch die Führung und die Arbeitsweise eines Geheimdienstes in keinem Zusammenhang mit den Leuten welche in ihm arbeiten.
Natürlich gab es auch einzelne, die Karriere machten aber nicht beim MfS oder innerhalb der Polizei.
Wirklich? Noch nie etwas von den SS-Offizieren Hans Sommer und Ernst Schwarzwäller gehört?
Das MfS bediente sich doch sogar der Mitarbeiter aus Gehlens Organisation.....
http://www.geheimdienste.info/texte/leide.htmAZ
Ich habe mal das Wesentliche der Rezension von Erich Schmidt-Eenboom kenntlich gemacht:
"Überdies warb das MfS für eigene Zwecke viele Männer als inoffizielle Mitarbeiter an, gegen die - über die bloße Zugehörigkeit zu einer verbrecherischen Organisation wie der SS hinaus - erhebliche Verdachtsgründe über Kriegsverbrechen vorlagen.
Zwar gab es entgegen anders lautender Westpropaganda unter den hauptamtlichen MfS-Mitarbeitern keinen einzigen ehemaligen NS-Geheimdienstler, aber das Ministerium für Staatssicherheit bediente sich sowohl bei der Gewinnung von IM im Inneren, wie bei der Gegenspionage gegen die Organisation Gehlen solcher Figuren, ähnlich wie der israelische Inlandsnachrichtendienst Shinbeth den Wehrmachtsoffizier Otto Joklik in Südamerika eingesetzt hatte, um der auf 3.000 Köpfe geschätzten NS-Fluchthilfeorganisation ODESSA auf die Schliche zu kommen.
Zu den krassesten Beispielen zählen beim MfS die ehemaligen SS-Offiziere Hans Sommer und Ernst Schwarzwäller.
Der SS-Obersturmführer Sommer – zeitweise SD-Chef von Nizza - hatte im besetzten Paris im Oktober 1941 sieben Synagogen gesprengt, war 1950 Leiter der Untervertretung Baden der Organisation Gehlen (OG) in Konstanz und wechselte als Leiter zur Bezirksvertretung Nord nach Hamburg, bevor er im August 1953 aus Gehlens Diensten entlassen wurde. Ein knappes Jahr später begann seine dritte Geheimdienstkarriere als GM "Rumland" beim MfS, für das er – ab 1960 auslaufend – letztlich bis 1968 vornehmlich die Personalstruktur des westdeutschen Auslandsnachrichtendienstes aufklärte.
Der SS-Untersturmführer und SD-Außenstellenleiter in Schneidemühl Schwarzwäller war im November 1951 in Hamburg in die OG eingestiegen und flog dort schon zwei Jahre später hinaus. Im Februar 1954 erlag er den Lockungen der DDR-Spionageabwehr und arbeitete bis zu der Flucht in die DDR wegen einer drohenden Festnahme 1959 ertragreich und gut honoriert als Geheimer Hauptinformant "Hirsch" für das MfS gegen OG und BND."
Hier ist doch unmissverständlich beschrieben, dass es innerhalb des hauptamtlichen Apparates des MfS keine Nazis gab.
Das man sich belasteter IM bediente, um in die relevanten Kreise der OG einzudringen, war die Konsequenz daraus, dass es nur über solche Leute gelang, entsprechende Informationen zu erhalten. Es war zu dieser Zeit kaum möglich, über andere Wege in die OG einzudringen. Diesen Weg ging übrigens nicht nur das MfS, sondern auch zahlreiche andere Dienste aus Ost und West. Hier rächte sich Gehlens Rekrutierungspraxis, denn die Sowjetischen u. a. Dienste hatten reichlich belastete NS-Geheimdienstler schon vor der Einstellung verpflichtet.