Als Mutti in den Westen ging: Die verlassenen Kinder

Alle Themen die eine Bezug zur Wende und Grenzöffnung haben. Persönliche Erlebnisse, Gedanken aus dieser Zeit, Dokumente und ähnliches.

Als Mutti in den Westen ging: Die verlassenen Kinder

Beitragvon augenzeuge » 25. Oktober 2025, 10:12

Außer Programmhinweisen hab ich im Forum zu dem Thema nichts gefunden. Hatte gestern den Usedomkrimi gesehen, und da hab ich mal recherchiert.

Mir persönlich bleibt es unklar, nicht nachvollziehbar, wie Eltern das tun konnten.

In den Jahren nach dem Fall der Berliner Mauer bis zur Wiedervereinigung Deutschlands waren hunderte Kinder allein und oft auch völlig unversorgt in Ostdeutschland zurückgelassen worden. Verlässliche Zahlen gibt es angeblich nicht. Ein Mal wurde von hunderten Kindern in Berlin allein berichtet, ein anderes Mal von 50, dann wieder von vielen hunderten in ganz Ostdeutschland. Im Jänner 1991 berichtet die „Welt am Sonntag“ von 17.500.

November 1989. Die Grenzen sind offen, die Freiheit ruft. Doch es gibt Mütter und Väter, die lassen ihre Kinder einfach zurück und bauen sich ohne sie ein neues Leben auf. Ein Schicksal, das in dem Jahr zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung wohl hunderte Kinder erleiden. Wie viele genau auf diese Weise ihre Familien verloren haben, kann heute keiner mehr ermitteln. Einige Kinder wurden von ihren Eltern im Heim abgegeben, andere einfach in der Wohnung zurückgelassen.


Das Kinderheim Makarenko in Berlin-Treptow ist wenige Wochen nach dem Mauerfall eine Auffangstation für Kinder, deren Eltern ihr Glück im Westen suchen. Zum Beispiel die von Mark. Die Mutter des Zweijährigen ist mit den drei Geschwistern fort. Für Mark war kein Platz mehr. Allein in Berlin sind es Anfang Dezember schon mehr als fünfzig solcher zurückgelassener Kinder. Sie feiern den ersten Advent im Heim.


https://www.mdr.de/geschichte/ddr/deuts ... r-100.html
https://www.diepresse.com/4574711/die-v ... -der-mauer

ARD Mediathek, 4 Teile
https://www.ardmediathek.de/serie/als-m ... hN2I1MzA/1

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Re: Als Mutti in den Westen ging: Die verlassenen Kinder

Beitragvon Edelknabe » 25. November 2025, 17:30

Das gab es wohl schon Jahrzehnte eher. Die Zeit Anfang der 70er Jahre. Der Ort das Kraftwerk Hagenwerder bei Görlitz, Abends im Wohnlager. Ich unterhielt mich auf dem Zimmer mit einem Gleichaltrigen der Post aus Ostberlin bekommen hatte. Er sollte sich bis so und so an einem Grenzübergang einfinden zwecks Zusammenführung mit seinen Eltern. Seiner Info zufolge wohnte der Junge bei den Großeltern irgend wo in Thüringen die ihn aufgezogen hatten. Seine Eltern hätten die DDR schon Anfang der 60er Jahre verlassen und ich nehme einmal an vor dem Mauerbau. Man war einfach damals zu jung, um tiefergehende Fragen zu stellen. Arbeitsmäßig hatte der Junge in der DDR einen guten Start, war in einer Jugendbrigade was damals für meine Begriffe die Zukunft war.

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